Fellpflege für Kleintiere: Baden, Bürsten, Scheren?

Fellpflege für Kleintiere: Baden, Bürsten, Scheren?

Deutschland / Bayern / Rosenheim – Kaninchen und kleine Nagetiere sind sehr reinlich und kümmern sich im gesunden Zustand selbst um ihre Hygiene. Nur wenn sie krank sind oder als Zuchtergebnis ein langes Fell haben, kann Hilfe durch die Tierhalter notwendig werden. Aber Vorsicht, nicht alle Mittel dienen dem Zweck.

Wer sich Meerschweinchen, Kaninchen oder Hamster zulegen möchte, wird sich diese Frage stellen müssen: Muss ich das Tier eigentlich säubern und wenn ja, wie oft? Dr. Maximilian Reuschel, Tierarzt an der Klinik für Heimtiere, Reptilien und Vögel der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, kann dabei Entwarnung geben: „Ein gesundes Kaninchen oder ein gesunder Hamster brauchen in der Regel keine Unterstützung. Die putzen sich sehr gut selbst.“
Ein paar Ausnahmen gibt es aber, bei denen die Tierhalter gefragt sind:

1) Das Gehege sauber halten

Eine gepflegte Umgebung gehört zu den Grundbedürfnissen eines jeden Haustiers. Je nach Tierart unterscheide sich der Aufwand bei der Reinigung, erklärt Dr. Reuschel: „Kaninchen kötteln meist an eine feste Stelle oder haben eine Toilette, die man täglich saubermachen sollte. Meerschweinchen machen dagegen überall hin, da muss man täglich grob im gesamten Gehege Kot und Urin entfernen und wöchentlich gründlich reinigen.“ Kleinere Nagetiere wie Hamster oder Mäuse verhalten sich ähnlich wie Meerschweinchen, aufgrund ihrer geringeren Größe gäbe es aber meist nicht viel zu tun: „Die kleinen und festen Kötel kann man leicht entfernen.“

2) Bürsten und scheren

Von Natur aus haben Kaninchen und kleine Nagetiere ein kurzes Fell, um das sie sich selbst kümmern können. Erst mit der Zucht kamen langhaarige Rassen hinzu, erklärt der Experte. Diese bräuchten Unterstützung: „Da muss man das Fell regelmäßig bürsten und manchmal sogar scheren“, sagt er. „Auch können sich durch Urin starke Verfilzungen bilden und Entzündungen der Haut verursachen. Wenn es nicht anders geht, muss das Fell an diesen Stellen vorsorglich gekürzt werden.“ Je nach Länge des Fells variiere der Aufwand von täglicher Pflege bis zu wöchentlichen Kontrollen.

3) (Sand-)Baden

Tiere, die in der Natur feinen Sand für die Pflege nutzen, brauchen auch in ihrem Gehege ein Sandbad. Ganz besonders gilt das für Chinchillas, deren Fell sonst schnell verfilzt oder verfettet. Der Sand sollte keine scharfkantigen Muschelreste enthalten, um das Tier nicht zu verletzen. Kaninchen und Meerschweinchen ignorieren ein Sandbad eher und nutzen es nicht zur Reinigung.
Wasser sollte erst bei hartnäckigen Verschmutzungen zum Einsatz kommen, etwa wenn ein Heimtier Durchfall hat oder Urin das Fell verklebt. Dr. Reuschel erklärt: „Natürlich mögen Kaninchen oder Hamster es nicht, gewaschen zu werden, manchmal helfen jedoch nur noch Wasser oder die Schere. Es wird aber immer nur die verschmutzte Stelle im Fell vorsichtig gesäubert und nicht das gesamte Tier.“ Im Anschluss muss das nasse Areal dann gut getrocknet werden, um Unterkühlungen und Hautentzündungen zu vermeiden. Im Sommer besteht sonst das Risiko, dass Fliegen ihre Eier in das feuchte Fell legen.

4) Gegen Parasiten behandeln

Gelangen Parasiten wie Flöhe oder Läuse ins Fell, fällt das durch stärkeres Putzen und Kratzen auf. Mitunter sind Flöhe oder deren Kot auch als kleine schwarze Punkte zu erkennen. Bei manchen Arten können auch die Menschen betroffen werden. Fällt ein Befall beim Haustier auf, sollte man sich und Kinder, die sich um das Tier kümmern, untersuchen. Bei Freilauf muss außerdem die Umgebung gesäubert werden. Hamster, Meerschweinchen, Kaninchen und Co. werden dann beim Tierarzt gezielt gegen den Befall behandelt. Danach sind die kleinen tierischen Mitbewohner wieder selbst in der Lage, sich um ihre Sauberkeit zu kümmern.
(Quelle: Pressemitteilung IVH / Beitragsbild: Symbolfoto re)

Kleintiere im Winter: Welche Temperaturen brauchen sie?

Kleintiere im Winter: Welche Temperaturen brauchen sie?

Deutschland / Bayern / Rosenheim – In Zeiten hoher Energiepreise liegt bei vielen Menschen die Überlegung nahe, die Zimmer weniger zu heizen. Aber hat diese Umstellung Auswirkungen auf kleine Säugetiere wie Kaninchen oder Meerschweinchen? 

Wer sich Gedanken macht, ob die eigenen Haustiere darunter leiden, wenn man weniger heizt, der zeigt damit vor allem, wie wichtig ihm die Gesundheit der Tiere ist. Grund zur Sorge sieht Dr. Thomas Steidl, Fachtierarzt für Klein- und Heimtiere, allerdings nicht: „Kaninchen, Meerschweinchen und Hamster kommen mit unseren üblichen Raumtemperaturen gut zurecht, auch wenn diese zukünftig um ein oder zwei Grad abgesenkt werden.“ Wenn die Tiere gesund sind und auch andere Faktoren, wie zum Beispiel Zugluft, keine Rolle spielen, dann gibt es in der Regel keine Konsequenzen zu befürchten, weil die Tiere von Natur aus gut auf kühle Temperaturen vorbereitet sind.

Ein natürlicher Schutz gegen Kälte

Meerschweinchen kommen etwa ursprünglich aus den Anden und sind an das Leben in kühlen Temperaturen im Hochgebirge angepasst. Sogar ihr Nachwuchs kommt bereits nahezu vollständig entwickelt und mit guter Behaarung auf die Welt und braucht daher keinen besonderen Schutz.
Auch für Kaninchen ist die Umstellung kein Problem, selbst wenn ihre Jungen etwas Hilfe benötigen, erklärt Dr. Steidl: „Kaninchen sind sogenannte Nesthocker. Das heißt, ihre unbehaarten Jungen haben in den ersten Lebenswochen einen erhöhten Temperaturbedarf, der allerdings schon durch den Nestbau der Mutter garantiert wird. Eine leicht geringere Zimmertemperatur hat darauf keinen Einfluss.“ Mit Hamstern verhalte es sich in dieser Hinsicht ähnlich wie mit Kaninchen.
Weiter führt der Fachtierarzt aus: „Als Höhlenbewohner sind Kaninchen viel empfindlicher gegen Wärme und Aufhitzung als gegen Kälte. In der warmen Jahreszeit werden Kaninchen und auch Meerschweinchen häufig mit einem Hitzeschock in der Praxis vorgestellt. Unterkühlungen spielen bei Säugetieren dagegen in der Regel keine Rolle.“
Neben dem schützenden Fell liegt ein weiterer Grund darin, dass die Kleintiere als Säugetiere ihre Körpertemperatur selbst regulieren können und nicht, wie etwa Reptilien, auf externe Wärmequellen angewiesen sind. Temperaturen, bei denen Menschen gut in ihrer Wohnung leben können, sind daher in der Regel auch ausreichend für Meerschweinchen und Co. Zugluft kann hingegen problematisch sein und sollte vermieden werden.

Bei Krankheit reagieren

Im Einzelfall, wenn das Immunsystem des Heimtiers beispielsweise durch eine Krankheit ohnehin geschwächt ist, kann eine Anpassung der Temperatur möglicherweise hilfreich sein. Tierhalter sollten ihre vierbeinigen Mitbewohner daher unabhängig von der Jahreszeit immer genau beobachten und bei Auffälligkeiten reagieren. Ein Tierarzt oder eine Tierärztin kann dann beraten und Hinweise geben, ob bei der Zimmertemperatur etwas zu beachten ist.
(Quelle: Pressemitteilung IVH / Beitragsbild: Symbolfoto re)

Kleintiere im Winter: Welche Temperaturen brauchen sie?

Beziehungen zu Kaninchen und Co. aufbauen

Rosenheim / Bayern / Deutschland- Wer mit dem Gedanken spielt, Kaninchen oder Meerschweinchen zu Hause einziehen zu lassen, der hat oft eine Idealvorstellung vor Augen. Eine solche Beziehung ist aber immer das Ergebnis von viel Geduld, genauer Beobachtung und großer Rücksichtnahme.

Ob in sozialen Medien, Fernsehen oder im privaten Umfeld: Man sieht oft eingespielte Teams aus Tier und Mensch, wenn etwa Kinder ihre Meerschweinchen vertraut aus der Hand füttern oder mit ihren Kaninchen spielen und gemeinsame Zeit verbringen. Was diese Momentaufnahmen jedoch nicht zeigen, ist der Weg, wie dieses gegenseitige Vertrauen entstanden ist. Dr. Dunia Thiesen-Moussa ist Fachtierärztin für Tierverhalten und leitet eine Tierärztliche Praxis für Kleintierverhalten. Sie erklärt, dass der Grundstein schon bei den Jungtieren gelegt werden muss: „Kaninchen und Meerschweinchen, die Vertrauen zu einem Menschen aufbauen sollen, müssen bereits im jungen Alter Kontakt zu Menschen haben, das heißt, an Menschen sozialisiert werden. Die Annäherung erfolgt dann in kleinen Schritten und mit viel Geduld.“
Diese Sozialisierung und die gemeinsame Beschäftigung von Mensch und Heimtier ersetzen aber nicht den Kontakt zu weiteren Tieren. Ideal ist es bei Kaninchen und Meerschweinchen, wenn sie in Gruppen mit ihren jeweiligen Artgenossen leben.

Langsame Annäherung an das Kleintier

Grundsätzlich empfiehlt die Expertin, sich nicht hektisch zu bewegen, das Heimtier nicht anzustarren und nicht einfach von oben nach dem Kaninchen oder Meerschweinchen zu greifen. Anfangs könne es sogar sinnvoll sein, sich nur an das Gehege zu setzen und zu beobachten. „Bei der Kontaktaufnahme kann es helfen, sich die Hände vorher mit etwas benutzter Kleintierstreu einzureiben, um den vertrauten Geruch zu übernehmen. Außerdem schaffen kleine Stückchen Frischfutter Anreize, dass sich das Tier in die Nähe oder nach einiger Zeit sogar bis auf den Schoß locken lässt“, empfiehlt Dr. Thiesen-Moussa. „Anfassen sollte aber erst stattfinden, wenn die Tiere sich von selbst dem Menschen nähern.“

Signale für Vertrauen und Stress erkennen

Ob die Annäherung für das Tier in Ordnung ist, lässt sich an einigen Anzeichen erkennen. So ist ein entspanntes Tier ruhig, atmet gleichmäßig und versucht weiterhin, ein bisschen die Umgebung zu erkunden. Das ist aber unbedingt von einer Angststarre zu unterscheiden, betont die Tierärztin: „Wird ein Kaninchen einfach vom Menschen auf den Schoß gesetzt oder festgehalten, verhält es sich oft still – aber leider nicht, weil es die Situation genießt, sondern weil es Angst hat. Man nennt das auch Freezing. Erkennbar ist das unter anderem auch an einer geduckten Körperhaltung mit angelegten Ohren und hervorstehenden Augäpfeln.“ Meerschweinchen versuchen außerdem den Kopf drohend zu heben, was allerdings häufig nicht als Signal erkannt wird.
Stress und Schmerzen äußern sich noch durch weitere Symptome. Häufig liegen die Tiere flach und seitlich, die Atemfrequenz steigt und die Körpertemperatur sinkt. Die Augenlider sind dabei halb geschlossen und es kann sich ein Tränenfluss bilden. Kaninchen bewegen sich auch weniger oder nehmen weniger Futter und Wasser auf, wenn sie sich unwohl fühlen. Oder sie putzen plötzlich stärker ihr Fell.

Gemeinsame Beschäftigung mit dem Heimtier

Ist erst mal eine Beziehung zum Meerschweinchen oder Kaninchen aufgebaut, kann diese durch gemeinsame Beschäftigung vertieft werden. Das heißt, in kleinen Trainingseinheiten können die Tiere etwa an Berührungen und Griffe gewöhnt werden, die unter anderem auch bei der täglichen Pflege oder einem Tierarztbesuch helfen können. Mitunter können die Tiere außerdem einfache Kommandos erlernen, mit Suchspielen beschäftigt werden oder bei tiergerechten Übungen ihre Lauf- und Sprungfähigkeiten ausleben.
„Besonders bei Meerschweinchen ist es wichtig zu wissen, dass sie, anders als Kaninchen, keine Streicheltiere sind. Hier sollten gemeinsame Aktivitäten also weniger in Körperkontakt bestehen und mehr in einer beobachtenden oder anleitenden Rolle“, so Dr. Thiesen-Moussa.
Das vertrauensvolle Verhältnis und die intensive Beschäftigung erleichtern auch die Pflege von Kaninchen und Meerschweinchen.
(Quelle: Pressemitteilung IVH / Beitragsbild: re)