Ehemaliger Seniorenbeirat Josef Kugler ist tot

Ehemaliger Seniorenbeirat Josef Kugler ist tot

Rosenheim – Elf Jahre war Josef Kugler Mitglied beim Seniorenbeirat Rosenheim, sieben Jahre als Erster Vorsitzender. Außerdem war er im Jahr 2006 Mitgründer des Vereins Aktive Wirtschafts Senioren (AWS). Nun ist Josef Kugler im Alter von 85 Jahren gestorben. 

Im vergangenen Jahr hat sich Josef Kugler aus Rosenheim verabschiedet und zog zusammen mit seiner Frau nach Traun in Oberösterreich. Über die Gründe für den Umzug und seine Zeit als Rosenheimer Seniorenbeirat hat er kurz zuvor noch mit Innpuls.me gesprochen (wir berichteten).
Die Nachricht über seinen Tod sorgt für Betroffenheit und Trauer. „Das Netzwerk von Herrn Kugler war einmalig und somit auch eine der Säulen des Vereins“, schreibt die Vorstandschaft des Vereins Aktive Wirtschafts Senioren im Namen aller Mitglieder im Nachruf.

„Das Netzwerk von 
Josef Kugler war einmalig“

2006 hat Kugler zusammen mit sechs weiteren „Senioren“ den Verein Aktive Wirtschafts Senioren AWS gegründet. Die Gründer wollten ihre Erfahrung und ihr Netzwerk regional in der Beratung einbringen. „Das Netzwerk von Josef Kugler war einmalig und somit auch eine der Säulen des Vereins“, heißt es dazu im Nachruf des Vereins.
Parallel war Kugler Seniorenbeauftragter der Stadt Rosenheim und war bei allen Entscheidungen immer ein gern zu Rate gezogener Gesprächspartner und Mitgestalter.
Ob schwierige Beratungen oder vereinsinterne Abstimmungen, immer konnte Josef Kugler mit seiner ruhigen ausgeglichenen Art die Wogen glätten und zu einer gemeinsam akzeptablen Ergebnis führen.
Gesundheitliche Probleme schränkten in den letzten Jahren seine ehrenamtlichen Engagements zwar etwas ein, aber den Verein Aktive Wirtschafts Senioren hat er dennoch nie aus dem Focus gelassen.
Den Abschied aus Rosenheim feierten die Mitglieder des Vereins noch gemeinsam mit ihm. Die Schwierigkeiten beim Umzug und den damit verbundenen Behördengängen haben Josef Kugler danach zu dem Satz veranlasst. „Jetzt bräuchte ich regionale Berater in Linz“.
Der Verein Aktive Wirtschafts Senioren Rosenheim mit der Vorstandschaft von Bernd Remmelberger, Professor Dr. Zaiss, Harald Wachholz und Maximilian Meyer wollen ihr langjähriges Mitglied so in Erinnerung behalten, wie er war und wie er als Vorbild den Verein prägte – hochengagiert, fachlich versiert, freundlich und immer hilfsbereit.
(Quelle: Pressemitteilung AWS / Beitragsbild: re)

Interview: Irmgard Bauer von „Pro Senioren“

Interview: Irmgard Bauer von „Pro Senioren“

Rosenheim – Seit dem Jahr 2007 gibt es in Rosenheim den Verein „Pro Senioren“. Erklärtes Ziel ist eine Verbesserung der Lebens- und Vorsorgesituation älterer Menschen. Seit kurzem hat der Verein eine neue Vorstandschaft mit Irmgard Bauer an der Spitze. Im Gespräch mit Innpuls.me erzählt sie, was „Pro Senioren“ in den vergangenen 13 Jahren schon alles erreicht hat, was aktuell in Planung ist und was unbedingt noch verbessert werden muss, um den Bedürfnissen älterer Menschen gerecht zu werden.

Frage: Was hat der Verein „Pro Senioren“ in den vergangenen 13 Jahren schon alles erreicht?
Antwort:
– Die Vernetzung der verschiedenen Organisationen konnte vorangebracht werden. Dazu wurden 3 Arbeitskreise installiert, in denen fachlicher Austausch stattfinden kann.
– Besonders wichtig war die Gestaltung der Broschüre „Demenz-Wegweiser für Rosenheim“, der bereits in der 3. Auflage vorliegt.
– Von 2014 bis 2016 nahm der Verein am Bundesprogramm „Lokale Allianzen“ teil. Seither organisiert Pro Senioren Schulungen an den hiesigen Berufsschulen zum Umgang mit Demenzerkrankten.
– Bestehende Versorgungslücken werden gemeinsam mit den Netzwerkpartnern geschlossen und neue Angebote für Senioren entwickelt
– Pro Senioren arbeitet auch sehr eng verzahnt mit dem Seniorenbeirat der Stadt zusammen.
– Der Verein hat eine eigene Webseite, auf der das Angebot gut dargestellt ist.
– Besonders für Angehörige in anderen Städten wohnend, ist Pro Senioren eine wichtige Anlaufstelle, um den in Rosenheim verbliebenen Verwandten helfen zu können.
-Das besondere Kulturangebot. Es werden Führungen in Rosenheimer Museen und Stadtführungen angeboten, speziell für Senioren, auch für Heimbewohner. Die Gruppen sind auf etwa zwölf Teilnehmer begrenzt, damit sich die Senioren gut an den Gesprächen hinterher beteiligen können. Schwerpunkt ist hierbei, die eigene Biographie mit einzubringen. Die Kosten dafür wurden bisher von der Dr. Stöcker Sozial- und Kulturstiftung übernommen.
– Die Stadt Rosenheim hat dem Verein eine eigene Koordinationsstelle eingerichtet. Hier können sich Senioren und Angehörige informieren und beraten lassen.

Frage: Wichtig ist älteren Menschen vor allem, dass sie im Alter selbstbestimmt leben können. Dafür braucht es neue Wohnformen. In der Vergangenheit gab es dazu in Rosenheim schon verschiedene Ansätze. Aber so richtig gut funktioniert hat bis jetzt nichts. Aktuell versucht Ihr Arbeitskreis „Neue Wohnformen“ ein neues Projekt zu etablieren: Wohnen für Hilfe. Was kann man sich darunter vorstellen?
Antwort:
Das Projekt „Wohnen für Hilfe“ ist bundesweit angesiedelt und wird wissenschaftlich von der Uni Köln betreut. In München gibt es beispielsweise jährlich ca. 90  dieser Wohnpartnerschaften.  Gegenseitige Unterstützung steht im Vordergrund dieses Projekts: Senioren haben häufig Wohnraum frei, während junge Leute Wohnraum brauchen und dafür auch gerne ihre Arbeitskraft einsetzen. Als Gegenleistung für diese Hilfe wird die Miete entsprechend reduziert. Es geht dabei nicht um Pflegeleistungen. Vorstellbar sind Hilfe im Haushalt, Begleitung zum Arzt oder zu einer kulturellen Veranstaltung. Daraus kann eine echte Win-Win-Situation entstehen. Vernetzt werden Alt und Jung von Pro Senioren. Sind die passenden Tandems gefunden, bleibt der Verein im Hintergrund, um im Konfliktfall moderierend einzuspringen. Die allgemeinen Erfahrungen zeigen, dass sich das Programm in kleineren Städten zögerlicher etabliert. Der Arbeitskreis „Neue Wohnformen“ möchte auch mit anderen Projekten dazu beitragen, dass Senioren möglichst lange selbstbestimmt leben können.

Frage: Wie gut sehen Sie Rosenheim generell zum Thema „Wohnen im Alter“ aufgestellt?
Antwort:
Bereits im Jahr 2018 machte das Pestel-Institut in seiner Studie „Wohnen der Altersgruppe 65plus klar, wie dringend zukünftig barrierearmer Wohnraum sowie gemeinschaftlich zu nutzende Wohnungen gebraucht werden, um für den Eintritt der geburtenstarken Jahrgänge ins Rentenalter gerüstet zu sein. Als Kommune steht Rosenheim hinsichtlich dieser Kriterien sicher nicht besser da als die meisten anderen: Die Zeit läuft davon. Denn der Wohnungsbestand in Rosenheim ist die ausschlaggebende Größe, hier ist Barrierefreiheit eher Mangelware. Bei jeder noch so kleinen Umbaumaßnahme sollte daher gelten, was beim Neubau zunehmend an Akzeptanz gewinnt: barrierefreie Erreichbarkeit und Nutzbarkeit.
Pro Senioren möchte mit seinem Arbeitskreis „Neue Wohnformen“ Initiativen ins Leben rufen, die sich mit Modellen gemeinschaftlichen Wohnens in Rosenheim befassen und diese auch in die Realität umsetzen. Dabei arbeitet der Verein immer wieder auch eng mit der TH Rosenheim zusammen und unterstützt Forschungsprojekte, wie das aktuelle Projekt von Professorin Dr. Sabine Ittlinger zum Thema technikunterstütztes Wohnen „Dein Haus 4.0“. Auch die Wohnberatung, derzeit gemeinsam durchgeführt mit Caritas und Diakonie, wurde von Pro Senioren entwickelt. Bei Hausbesuchen werden gemeinsam mit den Senioren beispielsweise Stolperfallen oder ungenügende Lichtquellen umgestaltet, um so die Sicherheit in den Wohnungen zu verbessern.

Frage: Unter dem Dach von Pro Senioren ist vor einigen Jahren auch das Netzwerk Demenz entstanden. Was ist Ihnen bei diesem Thema wichtig?
Antwort: Das Netzwerk Demenz war der erste Arbeitskreis, der sich unter dem Dach von Pro Senioren zusammengefunden hat. Das Gründungstreffen war im Jahr 2008. Wichtig sind folgende Inhalte: Das Thema Demenz in den öffentlichen Diskurs bringen, um Sensibilisierung für die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen zu erreichen. Dazu gibt es Schulungen für Berufsschüler im Umgang mit Demenzerkrankten, Gespräche mit dem RoMed-Klinikum, Teilnahme am Weltalzheimertag,  Vergissmeinnicht-Gottesdienste und Presseveröffentlichungen. Ferner wird an einer Inklusion von Betroffenen und deren Angehörigen in Rosenheim gearbeitet. Hilfsstrukturen für Betroffene und Angehörige wurden aufgebaut und weiterentwickelt, zum Beispiel der Demenzwegweiser für Rosenheim, den es nun schon in der 3. Auflage gibt. Der Arbeitskreis bietet eine Plattform für alle Fachkräfte, die in diesem Bereich tätig sind, für Vernetzung, Gedankenaustausch und gemeinsamer Pressearbeit. Fachvorträge werden organisiert. Der Verein Pro Senioren arbeitet dabei eng mit der Alzheimer Gesellschaft Südostbayern zusammen. Dieses Jahr wird gemeinsam mit der Alzheimer Gesellschaft Südostbayern eine Konzertlesung mit der Psychologin und Sängerin Sarah Straub veranstaltet.

Frage: Dann hat sich unter dem Dach von Pro Senioren im Jahr 2013 noch der Arbeitskreis „Pflege“ zusammengeschlossen. In diesem kommen regelmäßig Leitungskräfte ambulanter Pflegedienste aus Stadt und Landkreis Rosenheim zusammen und tauschen sich miteinander aus. Gerade der Bereich der häuslichen Pflege steht aktuell vor enormen Herausforderungen. Was muss Ihrer Meinung nach passieren, um die Lage zu verbessern?
Antwort: Auch der Bereich der ambulanten Pflege unterliegt gesetzlichen Bestimmungen, die der Rahmen für alle Tätigkeiten sind. Wichtige Punkte sind, wie bei allen Berufen, die Entlohnung und die Arbeitsbedingungen, im Bereich der Pflege ist es der Zeitfaktor. Auch eine zu aufwendige Bürokratie im Bereich der Abrechnung und Mittelbeschaffung erschweren den Ablauf. Vor zwei Jahren wurde der Investitionskostenzuschuss von den Kommunen eingestellt, was Pflegeleistungen für Senioren verteuerte. Auch die neue Generalistische Ausbildung verursacht Kosten, da die Ausbildungsumlage auf die Patienten umgelegt wird. Die Zukunft wird zeigen, ob die neue Generalistische Pflegeausbildung für mehr Berufsnachwuchs sorgt. Positiv ist, dass dadurch die ambulanten Pflegedienste, Seniorenheime und Kliniken als gleichberechtigte Partner fungieren. Durch den Arbeitskreis können die Pflegedienste den Meinungsaustausch pflegen und gemeinsam Strategien entwickeln, um auf die speziellen Problematiken in der Seniorenversorgung hinzuweisen.

Frage: Durch das Engagement des Vereins in Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Seniorenbeirat ist der Luitpoldpark zu einem Mehrgenerationenpark geworden. Wie gut wird er tatsächlich von Alt und Jung angenommen?
Antwort: Der Park wird soweit gut angenommen. Hauptsächlich nutzen derzeit Familien mit ihren Kindern den Spielbereich. Derzeit setzen sich beiden, Seniorenbeirat und Pro Senioren dafür ein, sanitäre Anlagen, sowie Strom und Wasser im Luitpold-Park zu installieren. Wegen dieser fehlenden Infrastruktur konnte das beliebte Parkfest nicht weiter durchgeführt werden. Die Stadt arbeitet daran und zusätzlich soll ein Beach-Volleyball-Feld angelegt werden, um auch etwas für Jugendliche zu bieten. Schön wären noch einige Trimm-Dich-Geräte. Deren Anschaffung ist jedoch zu teuer. Vielleicht findet sich ein Sponsor oder eine Patenschaft. Wenn diesbezügliche Entscheidungen getroffen werden, kann gemeinsam mit dem Seniorenbeirat eine Weiterentwicklung des Parks geplant werden.

Frage: Die Corona-Pandemie hat die Lage gerade für ältere Menschen zusätzlich erschwert. Wie hat der Verein Pro Arbeit diese Zeit erlebt?
Antwort: Viele bereits fertig geplante Veranstaltungen konnten nicht durchgeführt werden. Insgesamt war es schwieriger, den Kontakt zu allen Netzwerkpartnern zu halten. Gleichzeitig war im Bewusstsein, dass die ambulanten Pflegedienste sehr viel mehr leisten mussten und die Senioren in dieser schwierigen Situation von Ehrenamtlichen auch häufig nicht persönlich besucht werden konnten. Während einer Veranstaltung von Pro Senioren im Bildungswerk zum Thema „Wie ging es Ihnen im Lockdown“, zeigte sich, dass Senioren, die bisher an keine Einrichtung angebunden waren, nur schwerlich Zugang zu Hilfsangeboten fanden. Nach wie vor sind Senioren nicht so sehr durch Presse oder Online-Informationen zu erreichen, sondern durch persönliche Informationsgespräche.

Frage: Was plant der Verein noch für dieses Jahr?
Antwort:  Die Teilnahme am Themenmonat des Evangelisch-Lutherischen Dekanats mit einer Veranstaltung zu „Zimmer frei“ und der Konzertlesung mit Sarah Straub. Der Vereinsflyer und der Demenzwegweiser sollen neu gestaltet werden. Außerdem soll es wieder besondere Stadtführungen zu den Themen Ro-Cops, Max-Josefs-Platz, Riedergarten und Färberviertel geben. Geplant ist außerdem ein Filmbeitrag zu Stadtgeflüster.

Frage: Welche längerfristigen Ziele verfolgen Sie?
Antwort: Wie schon erwähnt die Weiterentwicklung des Mehrgenerationenparks. Außerdem der Ausbau der Netzwerkverbindungen. Die besonderen Museums- und Stadtführungen sollen sich etablieren. Nicht zuletzt plant der Verein auch noch eine Neuauflage des Demenzwegweisers für Rosenheim.
(Quelle: Beitragsbild: Copyright Fineart Weiand)