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Beleidigungen an Absperrungen: Appell der Feuerwehr Traunstein

Eine Videobotschaft in den sozialen Medien der Feuerwehr Traunstein hat kürzlich für viel Aufsehen gesorgt. Traunsteins Kommandant Christian Schulz appelliert darin für mehr Gelassenheit im Straßenverkehr. Foto: Hubert Hobmaier

Karin Wunsam

Schreibt immer schon leidenschaftlich gern. Ihre journalistischen Wurzeln liegen beim OVB-Medienhaus. Mit der Geburt ihrer drei Kinder verabschiedete sie sich nach gut 10 Jahren von ihrer Festanstellung als Redakteurin und arbeitet seitdem freiberuflich für die verschiedensten Medien-Unternehmen in der Region Rosenheim.

30. Dezember 2025

Lesezeit: 3 Minute(n)

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Traunstein – Die Feuerwehr Traunstein thematisiert zunehmend ein Problem im Straßenverkehr: Einsatzkräfte sehen sich an Absperrungen immer häufiger verbalen Beleidigungen und Bedrohungen ausgesetzt. Kommandant Christian Schulz spricht über die Beweggründe für ein Video, das die Wehr in den sozialen Medien veröffentlicht hat, und richtet einen Appell an Verkehrsteilnehmer.

Beleidigungen, Bedrohungen oder umgefahrene Ausrüstungsgegenstände gehören seit einigen Jahren immer häufiger zum Alltag der Feuerwehrleute. Besonders oft treten solche Vorfälle bei Straßensperrungen infolge von Verkehrsunfällen oder im Rahmen von Veranstaltungen auf, wenn Verkehrsteilnehmer ihre geplante Route nicht wie vorgesehen nutzen können.
In einem kurzen Video hat die Feuerwehr Traunstein dieses Thema aufgegriffen. „Wir haben hier sehr viel Zuspruch erhalten“, resümiert Christian Schulz. Auf Facebook wurde das Video rund 65.000-mal angesehen und mit etwa 1.300 „Likes“ versehen, auf Instagram erreichte der Beitrag knapp 90.000 Aufrufe und rund 2.200 „Likes“.

Hier  das Video auf Facebook: 
„Hinter jeder Uniform steckt auch ein Mensch“

„Hinter jeder Uniform steckt auch ein Mensch“, betont Schulz. Frauen und Männer engagierten sich freiwillig im Dienst am Nächsten und sorgten bei Veranstaltungen sowie Einsätzen im Straßenverkehr für Sicherheit. „Niemand sperrt eine Straße ohne Grund“, stellt der Kommandant klar, „und die Feuerwehr hat keinerlei Interesse daran, Verkehrsteilnehmer zu schikanieren oder zu gängeln.“

Bei Einsätzen im Straßenverkehr liegt meist ein Unfall zugrunde: Verletzte müssen gerettet oder getötete Personen aus Fahrzeugen geborgen werden. „Bei Veranstaltungen wird eine Straßensperrung meist durch das Ordnungsamt der jeweiligen Kommune angeordnet“, erklärt Schulz. „Darüber hinaus wird dies im Vorfeld in den Amtsblättern kommuniziert.“

Gerade bei wiederkehrenden Veranstaltungen wie dem Traunsteiner Georgiritt, der jedes Jahr am Ostermontag durch die Innenstadt führt, stellt sich der Kommandant immer wieder die Frage: „Warum sind es ausgerechnet viele einheimische Verkehrsteilnehmer, die unsere Einsatzkräfte regelmäßig beschimpfen und beleidigen?“ Auswärtige Fahrer reagierten seiner Beobachtung nach deutlich gelassener.

Rund 40 Vorfälle pro Jahr

Rund 40 Vorfälle verbaler Entgleisungen oder Sachbeschädigungen wurden 2025 bei der Feuerwehr Traunstein registriert. Diese reichten von Beschimpfungen wie „dummer Hund“ oder „Trottel“ bis hin zu Beleidigungen aus der „untersten Schublade“. Besonders drastisch werde es, wenn Fahrzeuge als Waffe eingesetzt werden: „Wenn Einsatzkräfte bewusst mit Fahrzeugen bedrängt oder durch Aufheulen des Motors eingeschüchtert werden“, so Schulz.

Mehrfach mussten Ausrüstungsgegenstände wie Verkehrsleitkegel oder Faltsignale ersetzt werden. „Gerade bei vergleichsweise kleinen Schäden werden Anzeigen aufgrund der Geringfügigkeit häufig nicht weiterverfolgt“, bedauert Schulz. Auffällige Unterschiede zwischen Fahrerinnen und Fahrern verschiedener Altersgruppen gebe es nicht.

Auch Radfahrer zeigen laut Schulz immer wieder ein ausgeprägtes Machtverhalten, ignorieren Absperrungen oder fahren mit Schwung auf Einsatzkräfte zu. Fußgänger hingegen ließen sich meist gut an Einsatzstellen vorbeileiten. Lobende Worte findet Schulz für viele Lkw-Fahrer: „Diese reagieren bei Streckensperrungen häufig sehr gelassen und nutzen die Situation beispielsweise für ihre vorgeschriebene Pause.“ Gleichzeitig betont er: „Natürlich darf man nicht alle Autofahrer über einen Kamm scheren. Viele von ihnen reagieren gelassen und situationsangepasst. Dennoch ist eine Zunahme von Beleidigungen und Bedrohungen gerade von dieser Personengruppe spürbar.“

Selbstkritik bei Sicherungsausrüstung und Ausbildung

Selbstkritisch äußert sich Schulz insbesondere zur Ausrüstung: „Die Fahrzeugbeleuchtung hat sich in den vergangenen Jahren zwar deutlich verbessert, doch unsere Einsatztechnik, etwa Warnlampen, entspricht teilweise noch dem Stand von vor 20 Jahren.“ Er appelliert an die Ausrüster, die Technik dringend anzupassen.

Auch die Ausbildung innerhalb der Feuerwehren sieht Schulz kritisch: „Wir sind in vielen Bereichen ein ‚Mädchen für alles‘ und ausbildungstechnisch breit aufgestellt. Bei der deeskalierenden Gesprächsführung gibt es jedoch sicherlich noch Lernfelder.“ Neben der Persönlichkeit jedes einzelnen Feuerwehrmitglieds seien rhetorische Kompetenzen erforderlich, um mit aufgebrachten Verkehrsteilnehmern angemessen umgehen zu können.

Obwohl die Gruppenführer bei der Personalplanung versuchen, für Straßensperren geeignete Persönlichkeiten einzuteilen, lasse sich dies bei Freiwilligen Feuerwehren nicht immer steuern. „Gerade tagsüber sind wir oft froh, wenn wir alle benötigten Fahrzeuge überhaupt besetzen können. Entsprechend schwieriger wird dann auch die Personalauswahl“, schildert Schulz.

„Möchte ich so behandelt werden?“

Schulz wünscht sich ein spürbares Mehr an Gelassenheit im Umgang miteinander: „Natürlich darf man auch einmal Druck abbauen und seinen Unmut über ein ungeplantes Ereignis äußern. Darüber ist auf Seiten der Feuerwehr niemand eingeschnappt.“ Gleichzeitig richtet er einen Appell an alle Verkehrsteilnehmer: „Wenn es uns gelingt, ein Gespräch ohne Beleidigungen oder Bedrohungen zu führen, dann haben wir bereits viel erreicht.“

Die entscheidende Frage für den Kommandanten lautet: „Möchte ich selbst so behandelt werden?“ Es sei wichtig, das eigene Verhalten regelmäßig zu reflektieren. „Wenn dadurch auch nur eine Handvoll verbaler Entgleisungen verhindert werden kann, ist das ein Gewinn – für das ehrenamtliche Engagement ebenso wie für ein gutes gesamtgesellschaftliches Miteinander“, so Christian Schulz abschließend.
Das Video der Feuerwehr Traunstein zum Thema Beleidigungen und Bedrohungen an Absperrungen ist auf Facebook abrufbar: Hier auf Facebook ansehen.
Quelle:(Artikel Hubert Hobmaier / Beitragsbild: Hubert Hobmaier)

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