Was geröstetes Essen mit unseren Darmbakterien macht

Was geröstetes Essen mit unseren Darmbakterien macht

München – Knuspriges Brot, gebratenes Fleisch oder gerösteter Kaffee: Beim Erhitzen von Lebensmitteln entstehen nicht nur neue Aromen und die typische braune Farbe. Es bilden sich auch chemisch veränderte Bestandteile. Was anschließend im Darm mit ihnen passiert, haben Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und der TU Dresden untersucht. Dabei stießen sie auf ein erstaunlich vielseitiges Enzym in Darmbakterien.

Im Mittelpunkt der Untersuchung stand eine veränderte Form der Aminosäure Lysin, die sogenannte Nε-Carboxymethyllysin, kurz CML. Sie entsteht unter anderem beim Erhitzen von Lebensmitteln und kommt deshalb in vielen gebräunten oder gerösteten Produkten vor.
Während natürliche Aminosäuren bereits im Dünndarm aufgenommen werden, gelangen solche veränderten Formen teilweise bis in den Dickdarm. Dort treffen sie auf die Darmmikrobiota – also die große Gemeinschaft von Mikroorganismen, die unter anderem an Verdauung und Stoffwechsel beteiligt ist.

Darmbakterien nutzen vorhandene Werkzeuge

Das Forschungsteam untersuchte unter anderem das Darmbakterium Escherichia coli. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass ein Enzym namens SpeC mehr kann als bisher bekannt: Es ist in der Lage, auch CML abzubauen.
„Die Bakterien müssen dafür also keine neuen Werkzeuge entwickeln, sondern nutzen ihr vorhandenes Repertoire auf kreative Weise um“, erklärt PD Dr. Jürgen Lassak von der LMU.

Besonders interessant ist, dass SpeC nicht nur CML verarbeiten kann. Das Enzym kann offenbar auch weitere chemisch veränderte Aminosäuren umsetzen. Die Forscher vergleichen es deshalb mit einem „Multitool“. Für Erica Aveta, die gemeinsam mit Patroklos Vougioukas Erstautorin der Studie ist, könnte diese Fähigkeit auch aus Sicht der Evolution eine Rolle spielen. „Solche Nebenaktivitäten können Bakterien einen ersten Zugang zu neuen Nahrungsbestandteilen eröffnen. Wird ein Nahrungsbestandteil aber regelmäßig verfügbar, kann aus dem ‚Multitool‘ SpeC durch Anpassung ein effizienteres, dafür spezialisiertes Werkzeug entstehen.“

Was bedeutet das für unsere Gesundheit?

Die Wissenschaftler untersuchten auch, wie verbreitet solche Fähigkeiten im menschlichen Darmmikrobiom sind. Computergestützte Analysen deuten darauf hin, dass entsprechende Abbauwege bei vielen Darmbakterien vorkommen.
Außerdem fanden die Forscher Zusammenhänge mit mehreren ernährungs- und lebensstilassoziierten Erkrankungen, darunter Darmkrebs, Fettlebererkrankungen und Hepatitis. Eine mögliche Erklärung wäre, dass der Abbau bestimmter erhitzungsbedingter Nahrungsbestandteile einzelnen Bakterien unter bestimmten Bedingungen Vorteile verschafft. Beim Abbau entstehen zudem sogenannte biogene Amine. Diese Stoffgruppe wird in der Forschung unter anderem im Zusammenhang mit der Kommunikation zwischen Bakterien und ihrem Wirt untersucht. Aus den Ergebnissen lässt sich allerdings nicht ableiten, dass geröstete oder gebräunte Lebensmittel diese Erkrankungen verursachen. Darauf weist auch Lassak ausdrücklich hin: „Die von uns beobachteten Zusammenhänge beweisen allerdings noch keine Ursache-Wirkungs-Beziehung“.
Die Studie liefert nach Einschätzung der Forscher vielmehr neue Hinweise darauf, wie Ernährung und Darmmikrobiom miteinander verbunden sind. „Sie zeigen aber, dass verarbeitete Nahrung, mikrobielle Stoffwechselwege und Gesundheitszustand enger miteinander verbunden sein könnten, als bislang angenommen“, sagt Professor Michael Hellwig von der TU Dresden.

Damit zeigt die Untersuchung einmal mehr, dass die Verarbeitung unserer Lebensmittel nicht mit dem Moment endet, in dem das Essen auf dem Teller liegt: Auch im Darm setzen sich die chemischen Veränderungen fort – und unsere Darmbakterien haben offenbar mehr Möglichkeiten, damit umzugehen, als bisher bekannt.
(Quelle: Pressemitteilung LMU / Beitragsbild: Symbolfoto re)

Baggern für einen Amphibienwinzling

Baggern für einen Amphibienwinzling

Bayern – Nicht einmal einen Zentimeter groß ist die kleine Kreuzkröte, die über die Hand des Biologen Uli Meßlinger krabbelt. Und schon dabei zeigt sich: Ganz gewöhnlich ist dieser Amphibiennachwuchs nicht. „Kreuzkröten hüpfen nicht, sie laufen ähnlich wie eine Maus“, erklärt Meßlinger. Die stark gefährdete Art braucht besondere Lebensräume – und dabei können ausgerechnet Sand- und Kiesgruben eine wichtige Rolle spielen.

Kreuzkröten laichen nicht nur im Frühjahr. Ihre Fortpflanzungszeit reicht von April bis August. Dafür nutzen sie flache, immer wieder austrocknende Tümpel. Weil diese Gewässer nicht dauerhaft Wasser führen, können sich dort Fressfeinde wie Fische und Libellenlarven kaum halten.
Die Strategie der Kreuzkröte ist auf Schnelligkeit ausgelegt: Innerhalb von vier bis sechs Wochen entwickeln sich die Tiere vom Ei zum kleinen Hüpferling. Außerdem legen die Weibchen eine große Zahl von Eiern. Für die Nahrungssuche benötigen die Kröten offene Flächen mit wenig Bewuchs, auf denen sie nachts nach kleinen Insekten suchen können. Tagsüber verstecken sie sich beispielsweise in Holz- oder Steinhaufen.

Kiesgruben als Ersatzlebensraum

Ursprünglich fanden Kreuzkröten solche Bedingungen vor allem in Fluss- und Bachauen sowie an Seeufern. Hochwasser und wechselnde Wasserstände sorgten dort immer wieder für neue Rohbodenflächen und flache Tümpel. Solche natürlichen Lebensräume sind heute jedoch selten. Einen Ersatz finden die Tiere teilweise in Sand- und Kiesgruben. Durch den Abbau entstehen immer wieder offene Flächen und neue Wasserstellen. Auch bereits stillgelegte Abbauflächen können zu wichtigen Lebensräumen werden.

Doch auch diese Lebensräume sind gefährdet. Der Klimawandel kann dazu führen, dass die flachen Tümpel zu schnell austrocknen. Gleichzeitig werden Abbauflächen geschlossen und rekultiviert oder ihre Nutzung verändert.

Hier setzt das Artenhilfsprogramm Kreuzkröte des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) an. Im Auftrag des LfU erfasst Biologe Uli Meßlinger unter anderem in Mittelfranken die Vorkommen der Art. Gemeinsam mit Verantwortlichen aus Naturschutz und Wirtschaft wird nach Möglichkeiten gesucht, die Lebensbedingungen für die Kreuzkröte zu erhalten.

Manchmal reicht ein kleiner Tümpel

Viel Aufwand ist dafür nicht unbedingt nötig. Einen bestehenden Tümpel etwas zu vertiefen, damit er nicht zu schnell austrocknet, oder an geeigneter Stelle eine kleine zusätzliche Wasserstelle anzulegen, kann bereits helfen. Auch beim Umlagern von Material oder beim Verfüllen von Tümpeln kann darauf geachtet werden, dass zumindest eine kleine Wasserstelle erhalten bleibt.
Ein Beispiel dafür gibt es in einer Sandabbaustelle in Mittelfranken. Dort arbeitet Meßlinger mit dem Abbauunternehmer Josef Haas zusammen. Der Unternehmer zeigt sich offen für die Bedürfnisse der Tiere und will bei Arbeiten auf dem Gelände künftig darauf achten, geeignete Lebensräume zu erhalten.
Meßlinger will die bereits bekannten Fundstellen in Luftbildern markieren. Besonders hilfreich sind dabei die Rufe der Männchen, die zum Wasser kommen, um Weibchen anzulocken.

Das Ziel des Artenhilfsprogramms: Weitere Betreiber von Abbauflächen dafür zu gewinnen, der kleinen Kreuzkröte auf ihren Flächen geeignete Lebensräume zu erhalten oder neu zu schaffen.
(Quelle: Pressemitteilung Bayerisches Landesamt für Umwelt / Beitragsbild: Copyright Stephanie Millonig/LfU)

Vom Chiemsee bis zur Ostsee: Deutschland fährt Boot

Vom Chiemsee bis zur Ostsee: Deutschland fährt Boot

Rosenheim / Bayern / Deutschland – An Sommertagen, wenn eine kühle Brise über den Chiemsee weht, verwandelt sich das „Bayerische Meer“ in ein Meer aus weißen Segeln. Für viele gehört das Bootfahren zum Sommer dazu – und das nicht nur bei uns. Rund 3,6 Millionen Menschen ab 16 Jahren fahren in Deutschland regelmäßig Boot. Das zeigt eine aktuelle Marktforschung der ADAC Sportschifffahrt.

Besonders beliebt sind kurze Ausflüge: Zwei Drittel der Bootsfahrer bevorzugen Tages- oder Abendausflüge. Längere Törns mit Übernachtungen spielen dagegen eine deutlich kleinere Rolle.
Auch am Chiemsee gehört der Wassersport fest zum Sommerbild. Rund um den See gibt es zahlreiche Segelvereine und weitere Angebote für Wassersportler.

Dabei muss das Boot nicht unbedingt den eigenen Namen tragen. 51 Prozent der Bootsfahrer in Deutschland nutzen überwiegend ein gemietetes oder gechartertes Boot. Weitere 25 Prozent fahren Boote von Freunden, Bekannten oder Familienmitgliedern. Nur zwölf Prozent sind überwiegend mit einem eigenen Boot unterwegs.
Am häufigsten kommen Motorboote zum Einsatz, gefolgt von motorisierten Schlauchbooten, Segelbooten und Hausbooten. Knapp zwei Drittel der Bootsfahrer besitzen mindestens einen Bootsführerschein. Laut Studie gibt es rund 1,9 Millionen Inhaber eines amtlichen Sportbootführerscheins, wobei reine Jetskifahrer nicht berücksichtigt sind.

Viele jüngere Bootsfahrer

Auch bei den Altersgruppen zeigt die Untersuchung eine Entwicklung: Rund die Hälfte der Bootsfahrer ist zwischen 16 und 39 Jahre alt. Mehr als die Hälfte ist erst seit 2010 erstmals als Skipper mit einem Boot unterwegs.
Bei der Wahl des Reviers steht Deutschland an erster Stelle. Besonders häufig genannt werden die Mecklenburgische Seenplatte sowie die Gewässer in Berlin und Brandenburg. Es folgen die Ostsee sowie Rhein, Main und Donau mit ihren Nebenflüssen. Beliebte Ziele im Ausland sind die Niederlande, Italien, Griechenland, Spanien und Kroatien.

Für die Untersuchung wurden im Januar 2026 im Auftrag des ADAC vom Marktforschungsinstitut Nordlight Research insgesamt 13.926 Menschen ab 16 Jahren online befragt, darunter 317 Bootsfahrer. Die Umfrage ist hinsichtlich Alter, Geschlecht, Bundesland und ADAC-Mitgliedschaft repräsentativ für die Bevölkerung in Deutschland ab 16 Jahren.
(Quelle: Pressemitteilung ADAC / Beitragsbild: Symbolfoto re)

Birnensorten entdecken und verkosten

Birnensorten entdecken und verkosten

Höhenmoos / Landkreis Rosenheim – Welche Birnensorten wachsen im Sortenerhaltungsgarten Höhenmoos (Landkreis Rosenheim)? Bei einer Führung mit Birnensortenverkostung am Donnerstag, 20. August, können Interessierte verschiedene alte Sorten kennenlernen und probieren. Beginn ist um 10.30 Uhr.

Organisiert wird die Veranstaltung vom Projekt „Apfel-Birne-Berge“, das seit 2015 vergessene Obstsorten in den sechs Voralpenlandkreisen zwischen Berchtesgaden und Weilheim sammelt und erhält. Im Sortenerhaltungsgarten Rosenheim sind inzwischen 270 Sorten als kleine Spindelbäume nachgezogen worden.
Bei der Führung stehen die früh reifenden Birnensorten im Mittelpunkt. Dazu gehören auch sogenannte Wirtschaftsbirnen, die sich nicht unbedingt zum direkten Verzehr eignen, dafür aber beispielsweise zur Herstellung von Saft oder Edelbrand sowie für Kletzenbrot verwendet werden.

Pomologe Georg Loferer führt durch die Sortenverkostung und informiert über die Herkunft und Verwendung der verschiedenen Birnensorten. Anschließend ist ein Rundgang durch den Sortenerhaltungsgarten geplant. Zum Abschluss besteht bis etwa 12.30 Uhr Gelegenheit zum Fachaustausch.
Die Teilnahme ist kostenlos. Die Veranstaltung findet bei jedem Wetter statt. Um Anmeldung bis Freitag, 15. August, per E-Mail an gartenkultur@lra-rosenheim.de wird gebeten Weitere Infos zum Projekt „Apfel-Birne-Berge“ gibt es hier..

Der Sortenerhaltungsgarten liegt westlich des Friedhofs von Höhenmoos an der Heubergstraße. Höhenmoos gehört zur Gemeinde Rohrdorf.
(Quelle: Pressemitteilung Landratsamt Rosenheim / Beitragsbild: Symbolfoto re)

Landkreis Rosenheim: Daxenfeuer wieder erlaubt

Landkreis Rosenheim: Daxenfeuer wieder erlaubt

Landkreis Rosenheim – Im Landkreis Rosenheim besteht aktuell keine hohe Waldbrandgefahr mehr. Das Landratsamt Rosenheim hat deshalb das Verbot für Daxenfeuer wieder aufgehoben. Das Anzünden von Daxenfeuern ist ab sofort wieder möglich.

Das Sachgebiet Öffentliche Sicherheit und Ordnung hatte das Verbot erlassen, nachdem auf der Waldbrandindexkarte des Deutschen Wetterdienstes (DWD) im Landkreis Rosenheim überwiegend die Gefahrenstufe 4 angezeigt worden war (wir berichteten). Diese steht für eine hohe Waldbrandgefahr.

Da sich die Gefahrenlage inzwischen entspannt hat, kann die Regelung nun wieder aufgehoben werden.
(Quelle: Pressemitteilung Landratsamt Rosenheim / Beitragsbild: Symbolfoto re)

Innpuls-Tagebuch: Die Loretowiese zwischen Parkplatz und Blumenwiese

Innpuls-Tagebuch: Die Loretowiese zwischen Parkplatz und Blumenwiese

Rosenheim – Die Rosenheimer Loretowiese hat uns auch in dieser Woche wieder beschäftigt. Erst wurden die Parkgebühren gesenkt, jetzt soll ein Monatsticket für 39 Euro kommen. Ich sehe diese Entwicklung durchaus positiv. Für mich wäre die beste Lösung allerdings noch immer: kostenloses Parken. Denn wenn wir wollen, dass unsere Innenstadt lebendig und attraktiv bleibt, sollten wir auch denjenigen ein gutes Angebot machen, die mit dem Auto kommen.

Vielleicht liegt es daran, dass wir uns bei unserer täglichen Rubrik „Unsere fotografische Zeitreise“ gerade wieder mit der Loretowiese beschäftigt haben. Auf der historischen Aufnahme aus dem Jahr 1926 ist sie tatsächlich noch das, was ihr Name verspricht: eine grüne, blühende Wiese mit hohen Bäumen und Kieswegen.
Beim Blick auf unsere alten Fotos fällt mir aber noch etwas anderes auf: Wie viel Platz das Auto früher in Rosenheim hatte. Auf historischen Aufnahmen sind Flächen zu sehen, auf denen Autos standen, die heute längst anders genutzt werden. Das ist natürlich keine Statistik über die Entwicklung des gesamten Parkraums. Aber es hat mich zu einer Frage gebracht: Wir haben heute deutlich mehr Autos als früher – warum wird gleichzeitig der Parkraum in unseren Innenstädten immer knapper?

Die Zahl der Pkw in Deutschland ist seit den 1980er Jahren massiv gestiegen. Anfang der 1980er Jahre waren rund 23 bis 26 Millionen Pkw zugelassen, inzwischen sind es laut aktueller Statistiken knapp 50 Millionen. Gleichzeitig wird innerstädtischer Parkraum vielerorts reduziert oder bewirtschaftet. Parkplätze weichen Radwegen, breiteren Gehwegen, Grünflächen oder Außengastronomie. Kostenlose Stellplätze werden immer seltener.
Ich will damit nicht sagen, dass jede dieser Veränderungen falsch ist. Ich gehe selbst gerne zu Fuß und fahre auch gerne mit dem Fahrrad. Aber ich möchte genauso selbstverständlich entscheiden können, wann ich das Auto nehme. Wenn ich mehr einkaufen möchte oder etwas zu transportieren habe, fahre ich eben mit dem Auto. Dafür möchte ich mir auch kein schlechtes Gewissen einreden lassen.

Straßenverkehr sollte für mich nichts mit Ideologie zu tun haben. Es sollte nicht darum gehen, Menschen über Gebühren oder fehlende Parkplätze zu einem bestimmten Verkehrsmittel zu erziehen. Jeder sollte die Möglichkeit haben, das Verkehrsmittel zu wählen, das für ihn gerade sinnvoll ist.
Was mich dabei ärgert: Die Parkplätze direkt an den Geschäften und am Straßenrand werden immer weniger – und das Parken kostet gleichzeitig immer mehr. Natürlich gibt es weiterhin Parkhäuser. Aber für mich ist es einfach etwas anderes, ob ich direkt vor einem Geschäft oder irgendwo im Parkhaus mein Auto abstelle.

Das ist auch eine Frage der Innenstadtbelebung. Gerade Ladenbesitzer beklagen immer wieder, wenn Parkplätze unmittelbar vor ihren Geschäften wegfallen. Ihre Sorge ist nachvollziehbar: Wer nur schnell etwas einkaufen oder erledigen möchte, überlegt sich möglicherweise zweimal, ob er dafür noch in die Innenstadt fährt, wenn die Parkplatzsuche komplizierter und das Parken zusätzlich teuer wird.

Die Loretowiese als Ausweichadresse

Lange Zeit war die Loretowiese deshalb eine willkommene Ausweichmöglichkeit. Zentral gelegen, kostenlos und ohne zeitliche Begrenzung konnte man dort parken. Natürlich war die Fläche wegen des Herbstfestes und anderer Veranstaltungen immer wieder teilweise oder vollständig gesperrt. Trotzdem war sie für viele Autofahrer eine wichtige Adresse, wenn es in der Innenstadt schwierig wurde.
Umso größer war der Aufschrei, als die Stadt im April 2024 auch dort Parkgebühren einführte. Die Loretowiese wurde in der ersten Zeit deutlich weniger genutzt. Viele Autofahrer wichen auf andere Möglichkeiten aus.
Das Auto abgeschafft hat deshalb aber niemand.

Genau das finde ich an der Entwicklung interessant. Denn wer auf das Auto angewiesen ist, bleibt in der Regel darauf angewiesen. Wenn eine Parkmöglichkeit wegfällt oder deutlich teurer wird, verschwindet das Bedürfnis nach einem Stellplatz nicht automatisch.

Inzwischen hat es bei der Loretowiese deshalb eine kleine Rolle rückwärts gegeben. Die Gebühren wurden gesenkt. Seit Oktober 2025 kostet das Parken für bis zu fünf Stunden 2 Euro, ein Tagesticket bis zu zehn Stunden 3 Euro. Nun soll zusätzlich ein digitales Monatsticket für 39 Euro kommen. Ich empfinde das als Schritt in die bessere Richtung.

Warum eigentlich nicht wieder kostenlos?

Wenn die Stadt möchte, dass die Loretowiese stärker genutzt wird, frage ich mich allerdings: Warum nicht gleich wieder kostenlos?
Mir ist bewusst, dass Parkraumbewirtschaftung politisch gewollt ist. Sie soll unter anderem verhindern, dass Stellplätze dauerhaft blockiert werden, und die Einnahmen können für andere Zwecke eingesetzt werden.

Aber bei der Loretowiese sehe ich das anders. Wir haben dort eine große Fläche am Rand der Innenstadt, die ohnehin als Parkplatz zur Verfügung steht. Warum sollte man sie nicht bewusst als attraktives Angebot für Menschen nutzen, die mit dem Auto in die Innenstadt kommen? Wenn wir über eine lebendige Innenstadt sprechen, sollten wir meines Erachtens nicht nur darüber nachdenken, wie wir Menschen vom Auto wegbringen. Wir sollten auch überlegen, wie wir Menschen in die Innenstadt bekommen. Und dazu gehört für mich ein vernünftiges und bezahlbares Parkplatzangebot.

Die Blumenwiese bleibt trotzdem schön

In der aktuellen Diskussion kam aus der Linken-Fraktion auch die Vorstellung auf, die Loretowiese künftig ganz anders zu nutzen: weg von Autos und Parkplatz – hin zu einer besseren Zustand –  und da kamen mir dann eben wieder die historischen Fotos in den Sinn, die die Loretowiese als echte Wiese zeigen.

Ganz ehrlich: Romantisch finde ich diesen Gedanken durchaus. Eine blühende Wiese mit hohen Bäumen und Kieswegen hätte sicherlich ihren Reiz. Aber sie entspricht derzeit halt nicht der Realität. Autos werden noch viele Jahre zu unserem Verkehrsbild gehören. Und solange das so ist, brauchen wir auch Plätze, an denen sie abgestellt werden können. Ich glaube deshalb nicht, dass es sinnvoll ist, die Diskussion auf „Auto oder Fahrrad“, „Parkplatz oder Grünfläche“ zu reduzieren.

Wir brauchen gute Radwege und attraktive Fußwege. Wir brauchen einen öffentlichen Nahverkehr, der auch für Menschen aus dem Landkreis eine echte Alternative darstellt. Und wir brauchen gleichzeitig ausreichend Parkmöglichkeiten für diejenigen, die mit dem Auto kommen wollen oder darauf angewiesen sind. Die Loretowiese wird vermutlich noch lange Parkplatz und Festplatz bleiben. Und vielleicht ist das auch gut so.

Auch wenn ich beim Blick auf das historische Foto zugeben muss: Eine blühende Blumenwiese mit hohen Bäumen hätte natürlich auch ihren Reiz.

Liebe Grüße aus der Redaktion

Karin

68jährige Radfahrerin nach Sturz in Vogtareuth in Lebensgefahr

68jährige Radfahrerin nach Sturz in Vogtareuth in Lebensgefahr

Vogtareuth / Landkreis Rosenheim – Eine 68-jährige Radfahrerin aus Rheinland-Pfalz ist am heutigen Freitag (7. August) bei einem Sturz im Gemeindegebiet von Vogtareuth schwerst verletzt worden. Nach Angaben der Polizei besteht weiterhin Lebensgefahr.

Die Frau war gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten auf einer Radtour unterwegs. Beide fuhren auf der Gemeindeverbindungsstraße von Gaffl in Richtung Sulmaring. Die 68-Jährige fuhr dabei hinter ihrem Lebensgefährten, als sie nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei aus bislang ungeklärter Ursache alleinbeteiligt stürzte.
Dabei fiel sie mit ihrem Fahrrad auf den Asphalt und zog sich schwere Verletzungen im Kopf- und Oberkörperbereich zu. Einen Fahrradhelm trug sie nach Angaben der Polizei zum Unfallzeitpunkt nicht.

Die alarmierten Rettungskräfte versorgten die Frau zunächst an der Unfallstelle. Anschließend wurde sie mit einem Rettungshubschrauber in ein nahegelegenes Krankenhaus gebracht. Nach medizinischer Auskunft, auf die sich die Polizei beruft, besteht weiterhin Lebensgefahr. Nach aktuellem Ermittlungsstand geht die Polizei von einem Unfall ohne Fremdbeteiligung aus. Am Fahrrad entstand nach ihren Angaben kein nennenswerter Sachschaden.

Der Lebensgefährte der 68-Jährigen wurde den Angaben zufolge durch ein Kriseninterventionsteam (KIT) an der Unfallstelle betreut. Das Paar befindet sich derzeit im Urlaub im südlichen Oberbayern.
(Quelle: Pressemitteiljung Polizeiinspektion Rosenheim / Beitragsbild: Symbolfoto re)

Loretowiese, Rosenheim, 1926

Loretowiese, Rosenheim, 1926

Rosenheim – Unsere fotografische Zeitreise geht heute zurück in das Jahr 1926. Auf der historischen Aufnahme zu sehen ist die Loretowiese in Rosenheim – und zwar noch zu einer Zeit, in der sie ihrem Namen tatsächlich alle Ehre machte.

Eine blühende Blumenwiese erstreckt sich über das Areal. Hohe Bäume säumen die Fläche, dazwischen führen Kieswege hindurch. Einer davon verläuft in Richtung der damaligen höheren Töchterschule, die heute das Karolinengymnasium beherbergt. Auch die Loretokapelle ist auf der Aufnahme zu erkennen.
Heute ist der Anblick ein völlig anderer: Die Loretowiese wird vor allem als Veranstaltungs- und Parkplatzfläche genutzt. Dass hier einmal eine richtige Wiesenlandschaft mit Blumen und Bäumen zu finden war, lässt sich auf der historischen Aufnahme noch sehr gut nachvollziehen.

Namensgeberin ist die Loretokapelle

Ihren Namen verdankt die Loretowiese der Loretokapelle, die 1635/1636 am nördlichen Rand des Platzes errichtet wurde. Die Geschichte ihrer Entstehung reicht allerdings noch weiter zurück.
Der Rosenheimer Gastwirt und Ratsherr Georg Schaur (1579–1652) war im Jahr 1600 auf einer Pilgerreise nach Rom und zum italienischen Wallfahrtsort Loreto schwer erkrankt. Er gelobte, im Falle seiner Genesung eine originalgetreue Nachbildung des sogenannten Heiligen Hauses von Loreto in seiner Heimatstadt errichten zu lassen.

Die Kapelle und die später angelegte Sebastianiallee prägten auch die Gestaltung des Areals. Die Loretowiese blieb über lange Zeit eine weitgehend unbebaute Grünfläche am Rand der Stadt.

Vom Festplatz zum Parkplatz

Bereits ab 1861 wurde die Loretowiese auch als Festplatz genutzt. Das Rosenheimer Volksfest, aus dem später das Herbstfest hervorging, fand hier statt. Nach Unterbrechungen während des Ersten Weltkriegs kehrte das Fest 1925 wieder auf die Loretowiese zurück – ein Jahr vor der Entstehung unserer historischen Aufnahme.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts veränderte sich das Erscheinungsbild der Loretowiese zunehmend. Aus der grünen Wiese wurde eine befestigte Fläche. Die Anforderungen des Festbetriebs mit Festzelten, Fahrgeschäften und Schaustellerfahrzeugen sowie die spätere Nutzung als Parkplatz machten eine Schotterung notwendig.

Das Foto von 1926 erinnert damit an eine Zeit, in der die Loretowiese ihren Namen noch ganz wörtlich verdiente: als grüne, blühende Wiese mit hohen Bäumen und Kieswegen – und nicht als Schotter- und Parkplatzfläche.
Wie gefällt euch die Loretowiese von damals?
(Quelle: Beitragsbild: Archiv Herbert Borrmann / Bildtext: Karin Wunsam)

Mistel breitet sich aus: Rund 700 Streuobstbäume im Raum Bad Feilnbach betroffen

Mistel breitet sich aus: Rund 700 Streuobstbäume im Raum Bad Feilnbach betroffen

Bad Feilnbach / Landkreis Rosenheim – Die Mistel breitet sich im Raum Bad Feilnbach zunehmend aus und bedroht dort heimische Streuobstbestände. Rund 700 Bäume sind nach Angaben des Landkreises bereits befallen. Im kommenden Winter sollen die betroffenen Bäume im Rahmen einer großflächigen und geförderten Aktion gepflegt werden. Für Grundeigentümer findet dazu am Mittwoch (12. August) ein Infoabend statt.

Besonders auffällig sind Misteln im Winter, wenn die Bäume kein Laub tragen. Dann sind die immergrünen Kugeln mit ihren weißen Früchten gut zu erkennen. Für die betroffenen Bäume können sie allerdings zum Problem werden: Die Mistel entzieht ihnen dauerhaft Wasser und Nährstoffe. Bei starkem Befall kann dies laut Landkreis im schlimmsten Fall zum Absterben des Baumes führen.

Was ist eigentlich eine Mistel?

Die Laubholzmistel (Viscum album) ist eine immergrüne Pflanze, die auf Bäumen wächst. Sie gilt als Halbschmarotzer: Mit speziellen Saugorganen zapft sie die Leitungsbahnen ihres Wirtsbaumes an und entzieht ihm Wasser und darin gelöste Mineralstoffe. Zucker und andere organische Stoffe kann sie durch Fotosynthese selbst bilden.
Mistelbüsche wachsen vor allem auf Laubbäumen. In Bayern sind sie unter anderem auf Apfelbäumen, Pappeln, Weiden, Linden und Ahorn zu finden. Die kugelförmigen, immergrünen Pflanzen können mehrere Jahrzehnte alt werden. Ihre weißen, klebrigen Beeren reifen im Winter.
Die Mistel ist in Mitteleuropa heimisch und keine neu eingewanderte Pflanzenart. Sie dürfte bereits seit vielen Jahrtausenden Teil der heimischen Flora sein. Verbreitet wird sie vor allem durch Vögel: Sie fressen die Beeren und sorgen mit ihren Ausscheidungen dafür, dass die klebrigen Samen auf neuen Wirtsbäumen landen. Besonders eng mit der Mistel verbunden ist die Misteldrossel.

Zwischen Schädling und Lebensraum

Ökologisch hat die Mistel zwei Seiten. Starker Befall kann einzelne Bäume schwächen, weil ihnen dauerhaft Wasser und Nährstoffe entzogen werden. Gerade ältere Streuobstbäume können dadurch zusätzlich belastet werden.
Gleichzeitig ist die Mistel selbst Teil des Ökosystems. Ihre Beeren dienen verschiedenen Vogelarten als Nahrung, und ihre Blüten, Früchte und das Mistelholz werden von unterschiedlichen Insekten genutzt. Einige Arten sind sogar auf die Mistel spezialisiert. Die Pflanze ist damit nicht einfach nur ein „Schädling“, sondern erfüllt auch eine ökologische Funktion.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild: Copyright Landratsamt Rosenheim)

Die Bekämpfung ist zudem aufwendig. Die Mistel bildet bis zu 80 Zentimeter lange Wurzeln in der Baumrinde aus. Ein oberflächlicher Schnitt reicht deshalb häufig nicht aus.

Großflächige Bekämpfung geplant

Da sich die Mistel schnell ausbreitet, sei eine Bekämpfung einzelner Bäume nur begrenzt wirksam, erklärt der Landkreis. Um den Befall nachhaltig einzudämmen, sollen deshalb zusammenhängende Flächen möglichst gleichzeitig saniert werden. So soll verhindert werden, dass die Misteln von benachbarten Grundstücken erneut verbreitet werden. Der Erfolg der Aktion hänge damit auch von der Beteiligung möglichst vieler Grundeigentümer ab. Die Pflegemaßnahmen sollen im kommenden Winter von speziell geschulten Baumwarten durchgeführt werden.

Infoabend für Grundeigentümer

Für betroffene Grundeigentümer findet am Mittwoch (12. August) um 19 Uhr ein Infoabend im Gasthaus Weingast in Kematen statt. Streuobstberater Martin Landes und Monika Maier vom Landschaftspflegeverband Rosenheim informieren über die Laubholzmistel. Zudem soll bereits konkret geplant werden, welche Maßnahmen auf den betroffenen Flächen notwendig sind.
Die Grundeigentümer werden gebeten, ihre Flurnummern zum Infoabend mitzubringen. Damit kann die Antragstellung für die vorgesehene Förderung vorbereitet werden.

Zusätzlich ist in Zusammenarbeit mit den Gartenbauvereinen Bad Feilnbach und Au ein spezieller Mistelkurs geplant. Dort soll vermittelt werden, wie die Mistel fachgerecht entfernt und eine weitere Ausbreitung möglichst verhindert werden kann.
(Quelle: Pressemitteilung Landratsamt Rosenheim /  Beitragsbild: Copyright Landratsamt Rosenheim)

Fast neun Stunden in der Luft: Rosenheimer Hagelflieger im Dauereinsatz

Fast neun Stunden in der Luft: Rosenheimer Hagelflieger im Dauereinsatz

Rosenheim / Landkreis Rosenheim – Die Hagelabwehr Rosenheim hatte in den vergangenen Tagen viel zu tun. Am vergangenen Wochenende (1. und 2. August) waren die Hagelflieger insgesamt fast neun Stunden im Einsatz. Vor allem das Inntal, aber auch weitere Teile des Landkreises Rosenheim, waren von schweren Gewittern und Hagel bedroht.

Hagelflieger über dem Chiemsee mit Blick auf die Gewitterzelle am 5. August 2026. Fotos:  Hagelabwehr Rosenheim

Hagelflieger über dem Chiemsee mit Blick auf die Gewitterzelle am 5. August 2026. Fotos: Hagelabwehr Rosenheim

Besonders intensiv war der Einsatz laut einer Pressemitteilung des Landratsamts Rosenheim am Sonntag (2. August). Die Piloten waren an diesem Tag jeweils bis zu zwei Stunden in der Luft und arbeiteten dabei an derselben Gewitterzelle.

Auch am Mittwoch (5. August) wurde die Hagelabwehr aktiv. Eine Gewitterzelle zog aus dem Inntal in Richtung Norden über Achenmühle, Riedering und Söllhuben. Aus Riedering wurden Hagelkörner mit einem Durchmesser von bis zu drei Zentimetern gemeldet.

Gewitterzelle bei Stephanskirchen abgefangen

Nach Angaben des Landratsamts entwickelte sich die Gewitterzelle zunächst nur langsam und verharrte nahezu an Ort und Stelle. Dann nahm sie deutlich an Dynamik und Geschwindigkeit zu. Die Hagelflieger konnten die Zelle auf Höhe Stephanskirchen abfangen und mit der Ausbringung von Silberjodid beginnen. 

Sicht auf die Eggstätt-Hemhofer-Seenplatte am 5. August 2026. Fotos: Hagelabwehr Rosenheim

Sicht auf die Eggstätt-Hemhofer-Seenplatte am 5. August 2026.

Bereits nach wenigen Minuten habe die Maßnahme laut Landratsamt Wirkung gezeigt. „Im weiteren Verlauf gingen keine weiteren Hagelmeldungen ein, obwohl die Gewitterzelle vom Boden aus weiterhin deutlich sichtbar war“, so der Wortlaut in der Pressemitteilung.

Nicht jeder vorbereitete Einsatz führt allerdings auch zu einem Start. Andrea Lindner, Leiterin der Rosenheimer Hagelflieger, beschreibt die Arbeit der Piloten so: „Unsere Piloten sind nicht nur im Einsatz beschäftigt, sondern verfolgen die Wetterlage an ihren Bereitschaftstagen quasi schon beim Zähneputzen. Es gibt Tage in der Hagelabwehr, an denen bereits morgens klar ist: Da kommt was. Das Potenzial für schwere Gewitter mit Regen, Wind und Hagel liegt in der Luft. Dann sind die Piloten bereit.“

Im Juli habe es dagegen immer wieder Situationen gegeben, in denen ein Einsatz kurz vor dem Start abgebrochen wurde. Grundlage dafür seien die aktuellen Radaraufnahmen und die Abstimmung mit Meteorologen gewesen. „Dann heißt es, die Flugzeuge wieder einzuräumen und auf den nächsten Alarm zu warten“, so Lindner.

Hagelflieger live verfolgen

Die Einsatzflüge des Hagelfliegers mit dem Kennzeichen D-GITY können über die App „RO-BERTA“ und einen Livestream auf YouTube verfolgt werden.
(Quelle: Pressemitteilung Landratsamt Rosenheim / Beitragsbild: Hagelabwehr Rosenheim)

Hübsch, niedlich – oder doch eher ein „hässliches Entlein“?

Hübsch, niedlich – oder doch eher ein „hässliches Entlein“?

Happing / Rosenheim – Am Happinger See in Rosenheim sind derzeit Blässhuhnküken unterwegs. Mit ihren roten Köpfchen und den orangefarbenen Federbüscheln am Hals sehen die kleinen Wasservögel ziemlich ungewöhnlich aus. Aber warum sind die Küken eigentlich so bunt – und was steckt sonst noch hinter dem Blässhuhn?

Bei der Frage, ob die kleinen Blässhuhnküken am Happinger See nun besonders hübsch, niedlich oder vielleicht doch eher ein „hässliches Entlein“ sind, dürfte es unterschiedliche Meinungen geben. Auffällig sind sie auf jeden Fall: Der Kopf ist rot und auch am Hals leuchten orangefarbene Federbüschel. Dazu kommt das dunkle, fast schwarze Gefieder.
So sehen die Küken allerdings nicht für immer aus. Mit zunehmendem Alter verändert sich ihr Aussehen. Aus den auffällig gefärbten Jungvögeln werden die eher schlicht wirkenden schwarzen Blässhühner mit dem charakteristischen weißen Stirnschild.

Die „Blesse“ gibt dem Blässhuhn seinen Namen

Und genau dieses Stirnschild erklärt auch den Namen. Die weiße Zeichnung wird als Blesse bezeichnet – daher Blässhuhn. Die Art gehört zur Familie der Rallen und ist bei uns weit verbreitet. Das Blässhuhn zählt zu den häufigsten Wasservögeln Mitteleuropas.

Auch am Happinger See fühlen sich die Tiere offenbar wohl. Blässhühner besiedeln gerne stehende Gewässer wie Seen, Weiher und Teiche. Wichtig sind geeignete Uferbereiche und ausreichend Nahrung.

Anfang August sind die Küken spät dran

Wer jetzt Anfang August noch so kleine Blässhuhnküken entdeckt, kann sich allerdings fragen, ob die Familie nicht etwas spät dran ist. Tatsächlich liegt die Brutzeit der Blässhühner in Bayern normalerweise zwischen März und Anfang August. Die Küken am Happinger See sind damit schon eher Spätstarter – ungewöhnlich ist Nachwuchs zu dieser Jahreszeit aber nicht.

Das Blässhuhn ist in Bayern auch keineswegs vom Aussterben bedroht. Die Art gilt hier als ungefährdet. Dennoch sind geeignete Gewässer und naturnahe Uferbereiche für die Vögel wichtig.

Ein vergleichsweise kühler See

Und während sich viele Gewässer in diesem Sommer stark erwärmen, hat der Happinger See eine Besonderheit: Er ist ein Grundwassersee. Das Wasser stammt zu einem großen Teil aus dem Grundwasserstrom des Inntals und wird ständig ausgetauscht. Dadurch erwärmt sich der See deutlich weniger stark als viele andere Gewässer im Rosenheimer Stadtgebiet. Ob der Blässhuhn-Nachwuchs nun kaltes oder warmes Wasser mehr schätzt, wissen wir nicht. Mit Blick auf unser Beitragsbild können wir aber sagen: Im Happinger See, so wie er sich derzeit präsentiert, scheinen sich die kleinen Wasservögel jedenfalls sehr wohlzufühlen
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild: Fotomontage Gisela Schreiner)

 

Rosenheimer Färberstraße: Geplante Balkone sorgen für Diskussion

Rosenheimer Färberstraße: Geplante Balkone sorgen für Diskussion

Rosenheim – Das bestehende Gebäude an der Färberstraße 41 in Rosenheim soll weichen. Geplant ist dort ein neues Mehrfamilienhaus. Im Stadtentwicklungs- und Baugenehmigungsausschuss sorgten vor allem die geplanten Balkone für Diskussionen. Mehrere Stadträte sahen kritisch, dass diese in den Straßenraum ragen sollen und befürchteten Auswirkungen auf das Erscheinungsbild der historischen Färberstraße.

Das Gebäude an der Färberstraße 41 soll abgerissen werden. An seiner Stelle ist ein neues Mehrfamilienhaus geplant. Dafür wurde bei der Stadt zunächst ein Antrag auf Vorbescheid eingereicht.
Vorgesehen sind zwei Varianten: Bei einer soll das Gebäude fünf Wohneinheiten und sechs Vollgeschosse, bei der anderen vier Wohneinheiten und vier Vollgeschosse haben. Beide Varianten sehen zwei Stellplätze auf dem Grundstück vor. Aus Sicht der Stadtverwaltung fügt sich die niedrigere Variante hinsichtlich des Maßes der baulichen Nutzung in die nähere Umgebung ein. Die höhere Variante mit sechs Vollgeschossen wird in diesem Punkt dagegen kritisch gesehen.

Balkone als Knackpunkt

Für längere Diskussionen sorgten vor allem die geplanten Balkone an der zur Färberstraße gerichteten Gebäudeseite. Sie sollen vom zweiten bis zum vierten Obergeschoss auskragen und rund 1,50 Meter in den Straßenraum hineinragen.

Die Färberstraße gehört zu den historisch geprägten Bereichen der Rosenheimer Innenstadt. Die Färbergasse wurde bereits 1579 erstmals urkundlich erwähnt. Nach dem großen Brand von 1847 wurden zahlreiche Gebäude in diesem Bereich neu aufgebaut. Der gewachsene Charakter des Viertels spielt deshalb auch bei heutigen Bauvorhaben eine Rolle.

Eine Mehrheit der Stadträte sah die geplanten Balkone kritisch. Befürchtet wurde, dass die Ausführung das bisherige Erscheinungsbild der Färberstraße deutlich verändern könnte. Die Stadträte sprachen sich deshalb dafür aus, dass die Stadtverwaltung noch einmal das Gespräch mit der Antragstellerin sucht.

Oberbürgermeister Abuzar Erdogan gab dabei zu bedenken, dass Balkone grundsätzlich auch die Wohnqualität eines Gebäudes erhöhen würden. Außerdem verwies er darauf, dass es in der Färberstraße unweit des geplanten Neubaus bereits ein Gebäude gibt, bei dem Balkone ab dem zweiten Obergeschoss ebenfalls in den Straßenraum ragen (siehe unser Beitragsbild).
Mit der Beratung im Ausschuss ist noch keine endgültige Genehmigung des Neubaus verbunden. Zunächst soll die Stadtverwaltung noch einmal das Gespräch mit der Antragstellerin suchen.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild: Josefa Staudhammer)