Deutschland / Bayern / Rosenheim – Fische gelten als stille Tiere, doch im Aquarium herrscht reger Austausch. Über Farben, Bewegungen, Laute und chemische Signale verständigen sich Aquarienbewohner untereinander. Wer genau hinsieht, kann ihr Verhalten besser deuten und Rückschlüsse auf Wohlbefinden, Stress oder Sozialverhalten ziehen.
Viele Tierfreunde haben zur Entspannung ein Aquarium im Wohnzimmer stehen und genießen die Ruhe, die es ausstrahlt. Wer hätte gedacht, dass darin so viel trubelige Kommunikation erfolgt? „Fische senden unter anderem mit Körperhaltungen, Farbveränderungen oder bestimmten Schwimmbewegungen klare Botschaften untereinander hin und her“, sagt Daniel Konn-Vetterlein, Chefredakteur des aquaristik-Magazins aus dem Dähne Verlag.
Für Menschen mit geübtem Auge ist das erkennbar, auch wenn es Grenzen gibt: „Mit bloßem Auge können wir nicht alle Details sehen“, fügt Konn-Vetterlein hinzu. „Viele Fische können zum Beispiel UV-Licht sehen, einige Arten kommunizieren zusätzlich über Pheromone, senden also Duftstoffe aus.“ Viele Aquarienbewohner sind außerdem nicht stumm, sondern erzeugen Knurr- oder Knacklaute, die zur Abstimmung innerhalb der Gruppe oder als Warnhinweis dienen.
Balz- und Revierverhalten ist besonders gestenreich
Besonders eindrucksvoll zeigt sich die Kommunikation zur Paarungszeit. „Viele Fischarten intensivieren dann ihre Farben, führen ausdrucksstarke Bewegungstänze auf oder präsentieren ihr Revier“, erklärt der Experte. Dieses Balzverhalten dient der Partnerwahl und ist für Aquarianer ein Indiz, dass sich die Tiere artgerecht verhalten und wohlfühlen.
Auch abseits der Brautwerbung lassen sich viele Signale beobachten – je nachdem, welche Fische man im Aquarium hält. „Die klassische Drohgebärde ist, sich größer zu machen“, berichtet Konn-Vetterlein. „Fische stellen dazu ihre Flossen auf.“ Besonders hektische Bewegungen signalisieren Stress oder Angst. „Und Schwarmfische spiegeln ihr Befinden als Kollektiv, wenn sie etwa enger zusammenschwimmen, um sich zu schützen oder sich gleichmäßig und ruhig bewegen, wenn sie entspannt sind.“
Fische sprechen Fremdsprachen
Fische können sich sogar über Artgrenzen hinweg verständigen. Droh- oder Beruhigungsgesten werden meist universell verstanden. „Eine weitere Besonderheit sind chemische Alarmstoffe: Viele Fische geben bei Gefahr Stoffe ins Wasser ab, um andere Aquarienbewohner zu warnen“, sagt der Experte. Ein faszinierendes Beispiel aus der Natur sind zudem Putzsymbiosen, also Putzerfische, die von anderen Arten durch Gesten dazu eingeladen werden, sie von Parasiten zu befreien. „Dieses Verhalten lässt sich eher in größeren Meerwasseraquarien beobachten.“
Beobachtungstipps für Aquarianer
Wer die Kommunikation seiner Aquarienbewohner beobachten möchte, sollte dazu einen ruhigen und strukturierten Lebensraum mit Pflanzen und Rückzugszonen anlegen, in dem sich die Tiere natürlich verhalten können. Dann gilt es besonders auf die folgenden Signale zu achten:
- Farbintensität und Musterwechsel
- Schwimmweise und Körperhaltung
- Synchronisiertes Schwarmverhalten
- Interaktionen zwischen verschiedenen Arten, etwa Ausweichbewegungen oder beim Annähern an die Futterstelle
Wer sich Zeit nimmt und genau beobachtet, entdeckt im Aquarium eine erstaunlich differenzierte Sprache. Diese zu verstehen hilft, Wohlbefinden und Stressanzeichen zu erkennen.
(Quelle: Pressemitteilung IVH / Beitragsbild: Symbolfoto re)


0 Kommentare