Deutschland / Bayern / Rosenheim – Viele Vögel sind ausgesprochen kommunikativ: Zwitschern, Rufen und Pfeifen sind für sie völlig natürliche Ausdrucksformen. Wenn die Lautstärke allerdings ungewöhnlich hoch ist oder sich zu einem dauerhaften Störfaktor entwickelt, sollten Halter prüfen, ob es eine Ursache gibt.
Gesunde Ziervögel wie Wellensittiche oder Kanarienvögel äußern sich regelmäßig, sei es zur morgendlichen Begrüßung oder beim Kontakt und Spiel mit Artgenossen. Besonders in den frühen Morgenstunden und am Nachmittag sind sie aktiv. „Ein gewisses Maß an Zwitschern und Gesang ist ein positives Zeichen, denn es zeigt, dass die Tiere vital sind und sich mitteilen möchten. Ein Vogel, der singt, ist gesund.“, sagt Tierarzt Dr. Dietmar Steinmetz, der sich in seiner Praxis auf die Behandlung von Geflügel und Ziervögeln spezialisiert hat. Zudem arbeitet er als Veterinär für den Deutschen Kanarien- und Vogelzüchterbund e.V. (DKB).
Wenn Lautstärke zum Warnsignal wird
Ist das Gezwitscher aber permanent, zu ungewohnten Zeiten oder mit extremer Lautstärke zu hören, kann es dem Experten zufolge verschiedene Ursachen geben:
- Langeweile: Vögel äußern sich mitunter durch lautes Rufen, wenn sie mental nicht gefordert werden. Sie brauchen Beschäftigung, vor allem aber Sozialkontakte.
- Stress: Ein unruhiges Umfeld, viel Hektik oder fehlende Rückzugsmöglichkeiten können zu Stress führen, der sich in Protestgeschrei äußert.
- Unzufriedenheit: Ein zu kleiner Vogelbauer, ein ungünstiger Standort, beispielsweise in der Zugluft, oder fehlendes Tageslicht beeinträchtigen das Wohlbefinden.
- Gesundheitliche Probleme: Viele Vögel machen akustisch auf Schmerzen oder Erkrankungen aufmerksam. Oft zeigt sich dabei kein genereller Anstieg des Lautstärkepegels, sondern Schmerzenslaute sind etwa bei Bewegung zu beobachten.
- Paarungszeit: In der Paarungszeit werden einige Vögel lauter, um bei ihren Artgenossen Aufmerksamkeit zu erregen.
Beschäftigung und Routinen als erste Maßnahmen
„Der Schlüssel zu ausgeglichenen, ruhigeren Vögeln ist Abwechslung“, erklärt Dr. Steinmetz. „Kletteräste und Schaukeln fördern Bewegung und Beschäftigung. Wenn sich die Vögel ihr Futter erarbeiten müssen, hält das zusätzlich geistig fit. Aber auch die Interaktion mit den Haltern ist wichtig – denn sie beschäftigt nicht nur, sondern stärkt auch die Bindung zwischen Mensch und Tier.“
Darüber hinaus helfen feste Strukturen im Alltag, Stress zu reduzieren. Wellensittiche und Co. stellen sich auf regelmäßige Fütterungszeiten ein und gewöhnen sich an wiederkehrende Ruhephasen. Eine Abdeckung des Vogelbauers in den Abendstunden kann zudem dabei helfen, einen geregelten Tag-Nacht-Rhythmus zu schaffen.
Zuhören und richtig deuten
Wenn die Lautstärke im Vogelheim ungewohnt zunimmt, sollten Halter sich zuerst immer einen Überblick verschaffen: Können Gründe wie Stress oder Langeweile die Tiere belasten, etwa weil sich in ihrem Umfeld oder Alltag etwas verändert hat? Sind bei den Vögeln andere Auffälligkeiten zu beobachten, bewegen sie sich beispielsweise weniger oder gibt es Verletzungen? Tritt keine Besserung ein, sollten sich Vogelhalter beraten und ihre Ziervögel untersuchen lassen. Bei der Suche nach vogelkundigen Tierärzten unterstützen etwa der Deutsche Kanarien- und Vogelzüchterbund e.V. (DKB) und der Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt) mit Übersichten auf ihren Internetseiten.
(Quelle: Pressemitteilung IVH / Beitragsbild: Symbolfoto re)


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