Rosenheim – Eines haben alle Bücher von Roswitha Gruber gemeinsam – sie handeln von starken Frauen, die sich ihren Platz im Leben erkämpfen mussten, gegen mancherlei Widerstände. So auch in ihrem neuesten Werk: „Zwölf Geschwister ohne Mutter“, erschienen im Verlag Rosenheimer.
Roswitha Gruber, geboren 1939, gehört zu den bekanntesten und erfolgreichsten Autorinnen der Region Rosenheim. Sie lebt und arbeitet in Reit im Winkl. Ihr erstes Buch veröffentlichte sie im Alter von 50 Jahren, seither ist sie überaus produktiv und hat in der Vergangenheit sogar mehrfach mehrere Bücher pro Jahr herausgebracht. Mittlerweile sind über 40 Titel von ihr auf dem Markt.
Eine gute Zuhörerin
Alle Werke von Roswitha Gruber leben davon, dass sie zuhören kann. Viele bewegende Lebensgeschichten hat sie auf diese Weise erfahren. Genau das zeichnet ihre Bücher aus: Sie erzählen keine fiktiven Geschichten, sondern reale Schicksale – und das wahre Leben liefert oft die besten Geschichten. So auch ihr neuestes Werk.
Die Geschichte von „Zwölf Geschwister ohne Mutter“ begann mit einer Postkarte, die Gruber eines Tages erhielt. Ein Mann namens Toni bat sie um ein Gespräch. Bei dem Treffen erzählte er seine Lebensgeschichte, in der seine Schwester Rosi, Jahrgang 1938, eine zentrale Rolle spielte.
Rosi ist nun die Protagonistin des Buches. Sie ist eines von zwölf Geschwistern, die im Titel erwähnt werden. Mit 16 Jahren verlor sie auf tragische Weise ihre Mutter: Auf dem Weg zum Gottesdienst stürzte diese mit dem Fahrrad, blieb bewusstlos am Straßenrand liegen und starb wenige Tage später an den Folgen eines Schädelbasisbruchs. Als Ursache wurde ein Schlaganfall vermutet.
Von da an war es mit der unbeschwerten Kindheit für Rosi vorbei. Sie musste sich um Hof und ihre jüngeren Geschwister kümmern, darunter auch Toni, der damals gerade einmal fünf Jahre alt war. Zwei andere Geschwister wurden in eine Pflegefamilie und in ein Waisenhaus gegeben. Rosi beschreibt in einer Szene die enorme Belastung:
„Meine Hausarbeit wuchs mir vor allem deshalb oft über den Kopf, weil es bei uns noch keine Elektrogeräte gab. Wir besaßen weder einen Elektroherd, noch einen Kühlschrank, eine Waschmaschine oder einen Staubsauger – und erst recht keinen Geschirrspüler. Selbst das Bügeleisen war noch vorsintflutlich.“
Ein Stück Zeitgeschichte
Wie gewohnt sind Grubers Werke mehr als Romane: Sie sind ein Stück Zeitgeschichte, das das Leben in früheren Zeiten lebendig macht. Die Handlung ist einfach und anschaulich erzählt, durchgehend spannend und teilweise sehr überraschend.
Und auch ein Happy End gibt es: Trotz der verschlungenen Lebenswege findet Rosi ihr Glück. Im September 2017 feierte sie Goldene Hochzeit, schenkte vier Kindern das Leben und hat mittlerweile acht Enkelkinder. „Und vielleicht ist uns noch das Glück vergönnt, dass wir Urenkel erleben“, endet das Buch.
„Zwölf Geschwister ohne Mutter“ ist ein berührendes, authentisches Buch über Mut, Verantwortung und die Kraft der Familie – typisch für Roswitha Gruber, die es versteht, das wahre Leben in bewegende Geschichten zu verwandeln.
(Quelle: Artikel von Karin Wunsam ( Beitragsbild: Hintergrund: re – Cover: Verlag rosenheimer)


0 Kommentare