Hilpoltstein / Bayern – Vergiftet, beschossen, in Fallen gefangen: Auch 2025 wurden Bayerns Großvögel wieder illegal verfolgt. Der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) und die Gregor-Louisoder-Umweltstiftung (GLUS) ziehen Bilanz im Projekt „Tatort Natur“: Insgesamt wurden 30 Fälle von Vergiftung nachgewiesen, so viele wie seit vier Jahren nicht mehr. Dazu kommen weitere Straftaten wie Beschüsse und illegale Fangmethoden. Experten gehen zudem von einer hohen Dunkelziffer aus.
Insgesamt meldeten die Naturschützer 133 tote Großvögel mit Verdacht auf illegale Verfolgung – fast dreimal so viele wie 2024. Wird die Todesursache nicht sofort klar, folgen toxikologische Untersuchungen. Besonders oft wurde das seit 2008 verbotene Insektizid Carbofuran eingesetzt, das bereits bei Hautkontakt wirkt und sowohl für Tiere als auch für Menschen gefährlich ist. „Greifvögel sterben häufig qualvoll nur wenige Meter entfernt vom Giftköder“, erklärt LBV-Projektmitarbeiterin Nicole Meier.
Besondere Fälle sorgten für Aufsehen:
- Landkreis Dingolfing-Landau: Ende Juli wurden über zwölf tote Greifvögel, darunter Schwarzmilan, Rotmilan und Mäusebussard, gefunden. Alle Tiere starben an Carbofuran-Vergiftungen. Die Polizei ermittelt weiterhin.
- Landkreis Haßberge: Im Oktober wurde ein Mäusebussard mit Parathion (E605) vergiftet. Parathion ist hochtoxisch und kann bereits bei Hautkontakt zu schweren Symptomen oder Tod führen. Im Fundgebiet starben im gleichen Jahr auch mehrere Hunde.
Projekt „Naturschutzkriminalität dokumentieren und stoppen“
Seit 2019 dokumentieren LBV und GLUS Straftaten gegen geschützte Vögel in einer bayernweiten Datenbank. Sie dient als Melde- und Informationsplattform für Behörden und Öffentlichkeit, unterstützt die Strafverfolgung und bietet Fortbildungsangebote. Projektleiter sind Franziska Baur (GLUS) und Dr. Andreas von Lindeiner (LBV).
Kamikazetauben als Köder
Immer wieder werden gezielt Tauben als lebendige Köder eingesetzt: Die Tiere werden mit Gift bestrichen und in der Nähe ihres Schlags freigelassen. Greifvögel wie Habicht oder Wanderfalke erlegen die Tauben und sterben selbst an dem Gift. 2025 wurden zwei solche Fälle im Landkreis Regensburg und Landkreis Miesbach dokumentiert.
Fahrlässige Vergiftungen und Sekundärvergiftungen
Neben vorsätzlichen Tötungen kommen auch unbeabsichtigte Vergiftungen vor: Im Unterallgäu starb ein Gänsegeier an Bleivergiftung, vermutlich durch Aas von mit bleihaltiger Jagdmunition erlegten Tieren. Zudem führten Rattengifte wie Brodifacoum zu Sekundärvergiftungen bei Greifvögeln: 2025 betraf es einen Mäusebussard, einen Rotmilan und einen Uhu.
Weitere illegale Verfolgung: Fallen und Schüsse
Greifvögel werden auch mit Fallen gefangen oder beschossen. Im niederbayerischen Landkreis Deggendorf wurde ein Habichtfangkorb mit lebenden Tauben gefunden. Zwei Sperber in der Oberpfalz starben an Schussverletzungen. Ein Weißstorch im Unterallgäu konnte nach Schussverletzungen rechtzeitig behandelt und wieder ausgewildert werden.
LBV und GLUS führen Schulungen zu Naturschutzkriminalität durch und fördern den Austausch zwischen Behörden, Ehrenamtlichen und Polizei. Ein Handlungsleitfaden für bayerische Polizeibehörden soll die Meldung und Dokumentation von Delikten erleichtern. „Sensibilisierung ist entscheidend, um Täter zur Rechenschaft zu ziehen“, betont Franziska Baur (GLUS).
(Quelle: Pressemitteilung LBV – Landesbund für Vogelschutz, Gregor-Louisoder-Umweltstiftung (GLUS) / Beitragsbild:


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