Rosenheim – Unsere fotografische Zeitreise geht heute zurück ins Jahr 1858. Mit diesem Bild blicken wir auf einen Neubau, der das Stadtbild Rosenheims über mehr als ein Jahrhundert prägen sollte: das damalige Amtsgerichtsgefängnis an der Münchener Straße, im Volksmund auch „Fronfeste“ genannt.
Das Gebäude wurde zwischen 1856 und 1858 errichtet, in einer Zeit, als Rosenheim noch deutlich kleiner war und die Münchener Straße gerade erst begann, sich zu einer wichtigen Ausfallstraße und späteren Geschäftsstraße zu entwickeln. Das Gefängnis lag damit ursprünglich am Rand der Stadt – rückte aber mit dem Wachstum der Stadt und dem Ausbau der Bahn immer stärker ins Zentrum des öffentlichen Lebens.
In dem Gebäude waren vor allem Untersuchungshäftlinge und Menschen untergebracht, die kurze Freiheitsstrafen verbüßten. Es handelte sich also nicht um ein Zuchthaus, sondern um ein regionales Amtsgerichtsgefängnis für kleinere Straftaten des Alltags – von Diebstahl über Körperverletzung bis hin zu Ordnungsdelikten. Zeitweise saßen hier rund 35 Gefangene gleichzeitig ein.
Die Lage mitten in der Stadt wurde später zunehmend kritisch gesehen, denn das Gefängnis war für die Öffentlichkeit sichtbar und prägte den Straßenzug über Jahrzehnte hinweg.
Seine Geschichte endete schließlich 1968, als die letzten Gefangenen verlegt wurden. Anfang der 1970er Jahre wurde das Gebäude abgerissen. Heute befindet sich an dieser Stelle das moderne Geschäftsviertel rund um die Münchener Straße – dort, wo unter anderem die Buchhandlung Thalia zu finden ist.
Ein Stück Stadtgeschichte, das heute kaum noch sichtbar ist – und doch über 100 Jahre lang mitten in Rosenheim existierte.
(Quelle: Beitragsbild: Archiv Herbert Borrmann / Bildtext: Karin Wunsam)


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