Rosenheim – Wie funktioniert Bürgernähe in der Praxis? Rosenheims neuer Oberbürgermeister Abuzar Erdogan wollte darauf am gestrigen Mittwochabend (3.6.2026) eine erste Antwort geben – nicht im Sitzungssaal, sondern mitten auf dem Rathausvorplatz. Bei seinem ersten „Community-Event“ (Treffen zum direkten Austausch mit Bürgern) wurde gefragt, diskutiert – und auch Klartext gesprochen.
Im Wahlkampf zur Stichwahl um das Amt des Rosenheimer Oberbürgermeisters hatte Abuzar Erdogan mehr Bürgernähe und nachvollziehbare Stadtpolitik versprochen. Außerdem kündigte er regelmäßige Treffen an, bei denen Bürger ihre Fragen, Wünsche und Probleme direkt an ihn herantragen können. Dieses Versprechen löste er nun ein.
Für die Gäste gab es Eis und Getränke. Fotos: Innpuls.me
Für seine erste Veranstaltung dieser Art hatte Erdogan den Rathausvorplatz gewählt. Kostenloses Eis und Getränke sorgten schon zu Beginn für eine ungezwungene Atmosphäre. Gut 100 Interessierte waren der Einladung gefolgt. Geduzt wurde ebenfalls – und Erdogan bemühte sich sichtbar, auf alle Anliegen einzugehen. Die Veranstaltung bezeichnete er im Vorfeld auf seinem Instagram-Kanal als Versuch, sein „Insta-Live quasi in die Realität zu holen“.
Wohnungsnot bewegt die Bürger
Schnell zeigte sich, welche Themen viele Rosenheimer derzeit besonders bewegen. Ganz oben auf der Liste: Wohnungsnot und Wohnbebauung.
Eine Besucherin wollte wissen, wie der Oberbürgermeister die Wohnungsknappheit in den Griff bekommen will – insbesondere mit Blick auf Gebäude, die seit Jahren leer stehen. Erdogan erklärte, dass aktuell bereits an einer sogenannten Leerstandssatzung gearbeitet werde.
Kommt eine Abgabe für leerstehende Wohnungen?
Wer künftig Wohnungen „willkürlich“ leer stehen lasse, müsse mit einer finanziellen Abgabe rechnen, erklärte Erdogan. Ziel sei es, leerstehenden Wohnraum wieder auf den Markt zu bringen. Wie genau eine solche Regelung aussehen könnte, ist derzeit noch offen.
Besonders viel Diskussionsbedarf gab es außerdem rund um die Weinlände – konkret um zwei Gebäude im Besitz der GRWS. Anwohner sorgen sich, dass diese durch deutlich größere Wohnbebauung ersetzt oder erweitert werden könnten. Ganz ausräumen konnte Erdogan diese Sorgen nicht.
Nach seinen Angaben sei es eine realistische Option, dass die GRWS die Gebäude verkauft, um dringend benötigte Mittel für andere Wohnprojekte zu erhalten. Ein aktueller Bauvorbescheid solle zunächst klären, was auf dem Grundstück überhaupt möglich sei. Denkbar sei eine Erweiterung von derzeit acht auf bis zu 16 Wohnungen. Sollte sich jedoch ein Käufer finden, der die Gebäude zu dem durch ein Gutachten ermittelten Preis übernimmt und lediglich saniert, habe er „natürlich auch nichts dagegen“, erklärte Erdogan sinngemäß. Das entspräche den Wünschen vieler Anwohner, die das bestehende Erscheinungsbild des Wohngebiets erhalten möchten.
Vom Oberbahnamt bis zum Jugendtreff
Für Erdogan steht zugleich fest, dass die Schaffung von weiterem Wohnraum notwendig ist. Konflikte seien dabei künftig wohl auch in anderen Stadtteilen vorprogrammiert – zwischen dem Wunsch nach mehr Wohnungen auf der einen Seite und dem Erhalt bestehender Wohnstrukturen auf der anderen.
Auch das ehemalige Oberbahnamt am Bahnhofsvorplatz wurde angesprochen. Nachdem die Stadt Rosenheim das Gebäude nach jahrelangem Leerstand und einem Rechtsstreit mit einem Investor gerichtlich zurückerworben hat, seien längst nicht alle Probleme gelöst, erklärte Erdogan. So sei das Grundstück von dem ehemaligen Investor mit einer Hypothek belastet worden.
Ganz anderes Thema: Ein Betreiber einer Bar ärgerte sich zudem über die Verkürzung seiner Sperrzeit von 4 Uhr auf 2 Uhr und wollte wissen, warum diese Entscheidung getroffen wurde. Erdogan versprach, sich in den Sachverhalt einzuarbeiten.
Ein weiterer Besucher fragte nach den plötzlich verschwundenen Fußballtoren am Jugendtreff Jump. Diese seien quasi über Nacht abgebaut worden. Auch hier kündigte Erdogan an, nachzuforschen: Wer die Tore entfernt habe, wohin sie gekommen seien und warum der Abbau erfolgt sei.
Nach rund einer Stunde endete das erste „Community-Event“. Weitere Treffen dieser Art sollen folgen. Die Besucher, die am Mittwoch dabei waren, zeigten sich mit dem neuen Format überwiegend zufrieden.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild, Fotos: Josefa Staudhammer)






Schön dass sich der neue Bürgermeister die Zeit nimmt mit den Bürgern ungezwungen zu diskutieren.
Lustig finde ich die Themen vom ersten Event.
Wohnungsnot und gleichzeitig Anst vor Neubauten und Veränderung. Das passt doch hinten und vorne nicht zusammen, zeigt aber deutlich die Einstellung vieler Menschen. Hauptsache mir geht’s gut, ob andere ein bezahlbares Dach über dem Kopf haben, ist mir wurscht.