Rosenheim – Über 500 Straßen gibt es inzwischen im Stadtgebiet. Viele dienen nicht nur der Orientierung, sondern erzählen auch Geschichten über Menschen, Orte und Ereignisse, die Rosenheim geprägt haben. In unserer Serie über die Straßennamen der Stadt werfen wir jeden Donnerstag einen Blick auf Herkunft und Bedeutung einer Straße. Heute führt uns die Spur in die Adlzreiterstraße.
Hinter der Adlzreiterstraße steckt einer der bemerkenswertesten Aufstiege der Rosenheimer Stadtgeschichte – vom Sohn eines Handwerkers bis in die höchsten Regierungskreise des Kurfürstentums Bayern.
Vom Rosenheimer Handwerkersohn zum Spitzenbeamten
Johann Adlzreiter wurde am 2. Februar 1596 in Rosenheim geboren. Seine Familie lebte in der damaligen Botengasse – genau dort, wo sich heute die Adlzreiterstraße befindet. Sein Vater war Nestlermeister und fertigte geflochtene Bänder und Schnüre, die im Alltag des 17. Jahrhunderts weit verbreitet waren.
Der junge Adlzreiter studierte Rechtswissenschaften in Ingolstadt. Der Weg dorthin war alles andere als selbstverständlich – zeitweise musste er sich sein Studium selbst finanzieren. Doch sein Ehrgeiz zahlte sich aus: Nach dem Abschluss begann er eine juristische Laufbahn, die ihn schnell in den Dienst der bayerischen Herrscher führte.
Im Staatsdienst stieg er Schritt für Schritt auf. Eine besondere Rolle übernahm er als Leiter des kurfürstlichen Archivs, wo er die umfangreichen Bestände neu ordnete und damit wichtige Grundlagen für die Verwaltung des Landes schuf.
Später wurde er zum Geheimer Kanzler des Kurfürstentums Bayern ernannt. Das klingt aus heutiger Sicht fast nach einer Figur aus einem Historienroman oder einem Geheimagentenfilm – tatsächlich hatte das Wort „geheim“ damals jedoch eine andere Bedeutung. Es bezeichnete den engsten Beraterkreis des Herrschers. Als Geheimer Kanzler gehörte Adlzreiter damit zu den wichtigsten politischen Vertrauten des Kurfürsten und zu den einflussreichsten Männern Bayerns.
Für seine Verdienste wurde er schließlich in den Adelsstand erhoben und führte fortan den Namen „von Tettenweis“.
Eine Straße mit Erinnerungswert über Bayern hinaus
Die heutige Adlzreiterstraße trägt seinen Namen bereits seit dem 19. Jahrhundert und erinnert damit an einen Rosenheimer, dessen Lebensweg weit über die Stadt hinaus Bedeutung erlangte.
Rosenheim ist dabei nicht die einzige Stadt, die an Johann Adlzreiter erinnert: Auch in München und Ingolstadt gibt es Straßen, die seinen Namen tragen. Sie stehen jeweils an Orten, die wichtige Stationen seines Lebens markieren – Rosenheim als Geburtsstadt, Ingolstadt als Studienort und München als Zentrum seiner politischen Karriere.
Damit gehört Johann Adlzreiter zu den historischen Persönlichkeiten, deren Name nicht nur in ihrer Heimatstadt, sondern an mehreren bedeutenden Orten Bayerns im Stadtbild weiterlebt.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Infos: Stadtarchiv Rosenheim, Deutsche Boiographie, Bayerische Staatsbibliothek / Beitragsbild: ai generiert)


0 Kommentare