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Straßennamen in Rosenheim: Aisinger Straße

Aisinger Straße. Foto: ai generiert

Karin Wunsam

Schreibt immer schon leidenschaftlich gern. Ihre journalistischen Wurzeln liegen beim OVB-Medienhaus. Mit der Geburt ihrer drei Kinder verabschiedete sie sich nach gut 10 Jahren von ihrer Festanstellung als Redakteurin und arbeitet seitdem freiberuflich für die verschiedensten Medien-Unternehmen in der Region Rosenheim.

9. Juli 2026

Lesezeit: 3 Minute(n)

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Rosenheim – Warum heißt eine Straße eigentlich Aisinger Straße? Die Antwort scheint zunächst einfach: Sie führt nach Aising. Doch hinter diesem Namen steckt weit mehr als nur eine Richtungsangabe. In unserer Serie „Straßennamen in Rosenheim“ geht es jeden Donnerstag um Namen im Stadtgebiet, die man im Alltag oft übersieht, die aber Geschichten über die Entwicklung der Stadt erzählen. Diesmal führt der Blick auf eine Straße, die den Weg von einem alten Bauerndorf zum heutigen Rosenheimer Stadtteil nachzeichnet.

Die Aisinger Straße gehört zu den Straßennamen, die keine einzelne Person oder ein besonderes Ereignis würdigen. Sie zählt zu den sogenannten Ortsnamen: Der Name verweist auf den Ort, zu dem die Straße einst führte – und mit dem sie über Jahrhunderte eng verbunden war.

Von „Agusinga“ zum Rosenheimer Stadtteil

Aising ist deutlich älter als die heutige Straße. Bereits im Jahr 778 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt – damals unter dem Namen „Agusinga“. Der Name gilt als frühmittelalterliche Urform des heutigen Ortsnamens Aising.

„Agusinga“ lässt sich sinngemäß mit „Siedlung des Aghis“ oder „bei den Leuten des Aghis“ übersetzen. Der erste Teil des Namens geht vermutlich auf einen bajuwarischen Sippenführer oder Grundherrn namens Aghis zurück. Der althochdeutsche Personenname wiederum wird mit dem Wort „agiso“ in Verbindung gebracht, das „Schrecken“ bedeutet (Quelle Wikipedia)

Die Endung „-inga“ war typisch für viele bajuwarische Ortsnamen des frühen Mittelalters. Sie bezeichnete die Zugehörigkeit zu einer Person – also etwa die Sippe, die Nachkommen oder die Gefolgschaft eines Grundherrn. Viele dieser Ortsnamen entwickelten sich später weiter: Aus „-inga“ wurde im heutigen Deutsch die Endung „-ing“.

Zu dieser Zeit gab es Rosenheim in seiner heutigen Form noch nicht. Der Bereich rund um Aising war landwirtschaftlich geprägt und entwickelte sich über die Jahrhunderte zu einem großen Haufendorf mit zahlreichen bäuerlichen Anwesen.
Eine dem heiligen Stephanus geweihte Kirche ist in Aising bereits seit dem Jahr 1315 nachgewiesen. Um 1800 war der Ort mit seinen umliegenden Weilern längst eine gewachsene Siedlung: Im Jahr 1803 lebten dort rund 330 Menschen in 55 Häusern.

Mit dem Gemeindeedikt von 1818 wurde Aising eine eigenständige Landgemeinde. Ihr Gebiet reichte im Norden bis zur damaligen Gemeinde Roßacker. Erst viele Jahrzehnte später sollte sich die Verbindung zu Rosenheim grundlegend verändern: Am 1. Mai 1978 wurde die Gemeinde Aising im Zuge der bayerischen Gebietsreform mit damals 5.888 Einwohnern in die Stadt Rosenheim eingegliedert.

Ein alter Weg zwischen Stadt und Land

Die Aisinger Straße selbst ist deutlich älter als ihr heutiger Name. Über lange Zeit war sie die Verbindung vom Markt Rosenheim hinaus in das südwestlich gelegene Aising. Sie war eine klassische Landstraße, auf der Menschen, Waren und Fuhrwerke zwischen Stadt und Umland unterwegs waren.

Entlang dieser Verbindung entstanden im 19. Jahrhundert zahlreiche landwirtschaftliche Anwesen. Ein Beispiel dafür ist das denkmalgeschützte Bauernhaus an der Aisinger Straße 96. Der stattliche Tuffsteinbau erinnert bis heute an die Zeit, als Aising noch stark vom bäuerlichen Leben geprägt war.

Auch der „Alte Wirt“ war über viele Jahrzehnte ein wichtiger Fixpunkt an dieser Straße. Das Gasthaus am südlichen Ortsrand von Aising lag günstig an der alten Landstraße Richtung Tirol. Bereits um 1838 befand es sich im Besitz des Gastwirts Georg Schmid. Lange Zeit galt der „Alte Wirt“ als Wahrzeichen des Ortes. Erst im vergangenen Jahr wurde das historische Gebäude abgerissen.

In den 1950er und 1960er Jahren war die Wiese vor dem Gasthaus außerdem Schauplatz der überregional bekannten Aisinger Ochsenrennen. Damit wurde der Bereich rund um die Aisinger Straße auch zu einem Treffpunkt weit über die Ortsgrenzen hinaus.

Vom Dorfweg zur Hauptverkehrsader

Die Entwicklung rund um die Aisinger Straße spiegelte auch das Wachstum der Stadt wider. Anfang des 20. Jahrhunderts war die Umgebung noch vergleichsweise locker bebaut. Vor allem in den 1920er und 1930er Jahren entstanden neue Siedlungen entlang der Aisinger Landstraße und in der Aisingerwies.

Schon 1910 lebte mehr als die Hälfte der damaligen Gemeindebevölkerung in den Siedlungsbereichen nahe der Stadt Rosenheim. Aus dem ursprünglichen Verbindungsweg zwischen Stadt und Dorf wurde zunehmend eine wichtige Verkehrsachse.

Heute verbindet die Aisinger Straße die Stadtteile Oberwöhr, Aisingerwies und das alte Aisinger Ortszentrum. Ihr Name erinnert also an einen Ort mit einer langen Geschichte – und daran, dass Rosenheim aus vielen ehemals eigenständigen Dörfern und Siedlungen zusammengewachsen ist.
((Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild: ai generiert)

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