Rosenheim – Eine Dampflok fährt plötzlich in die Rosenheimer Rathausstraße ein, wo heute Autos unterwegs sind: Möglich macht das eine neue Augmented-Reality-Station (AR) der Stadt Rosenheim. Das heutige Rathaus war einst der Bahnhof der Stadt – nun lässt die digitale Technik diese Vergangenheit wieder sichtbar werden.
Die neue AR-Station findet man beim Eingang zum Rosenheimer Rathaus in der Rathausstraße. Foto: Innpuls.me
Wer vor dem Eingang des Rosenheimer Rathauses an der Rathausstraße steht, blickt heute auf eine Straße mitten in der Innenstadt. Wer dagegen sein Smartphone zückt, kann sich auf eine Zeitreise begeben: Über Augmented Reality erscheinen auf dem Bildschirm Gleise auf der heutigen Fahrbahn und eine Dampflok fährt scheinbar direkt vor dem historischen Gebäude ein.
Vorgestellt wurde die neue AR-Erlebnisstation am Donnerstagabend (9.7.2026) im Ausschuss für Wirtschaft, Tourismus und Kultur. Sie ergänzt die interaktive Tour der Stadt Rosenheim, mit der historische Orte, bekannte Persönlichkeiten und besondere Projekte mithilfe digitaler Technik erlebbar werden.
Vom Bahnhof zum Rathaus
Der Standort der neuen Station wurde bewusst gewählt: Das heutige Rathaus war früher der Rosenheimer Bahnhof. Das historische Bahnhofsgebäude wurde nach den Plänen des Architekten Eduard Rüber im Sichtziegel-Stil errichtet und 1858 eröffnet. Die damalige Bahnhofstraße – die heutige Königstraße – führte direkt auf das Gebäude zu.
Mit dem Wachstum der Stadt wurde der Bahnhof jedoch schnell zu klein. 1876 wurden deshalb die Gleisanlagen und der Bahnhof an den heutigen Standort am Südrand Rosenheims verlegt. Das alte Empfangsgebäude erwarb anschließend die Stadt. Nach dem Umbau dient es seit 1878 als Rathaus.
Heute ist das Gebäude nicht nur Sitz der Stadtverwaltung, sondern auch vielen Fernsehzuschauern bekannt: Als Kulisse der ZDF-Serie „Die Rosenheim-Cops“ gehört es zu den bekanntesten Orten der Stadt.
Rosenheim aus neuen Perspektiven entdecken
Die neue Bahnhofsstation ergänzt bereits bestehende AR-Angebote in der Rosenheimer Innenstadt. Vor dem Rathaus zur Königstraße hin können Besucher beispielsweise ein Selfie mit den virtuellen Kommissaren der ZDF-Serie „Die Rosenheim-Cops“ machen.
An der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus ermöglicht die Technik einen virtuellen Aufstieg auf den Kirchturm. Auf dem Bildschirm entsteht ein 360-Grad-Blick über Rosenheim und das Bergpanorama – ohne tatsächlich die vielen Stufen hinaufsteigen zu müssen.
Am Ludwigsplatz lässt sich ein Stück verschwundene Stadtgeschichte wieder sichtbar machen: Das frühere Inntor kann virtuell aufgebaut werden. Neben dem heute noch erhaltenen Mittertor gab es in Rosenheim einst fünf weitere Stadttore. Das Inntor war der südöstliche Ein- und Ausgang der Stadt und befand sich am Beginn der heutigen Innstraße hinter dem Kreisverkehr.
Eine weitere Station befindet sich im Innenhof des Städtischen Museums. Dort erklärt der Künstler Mr. Woodland als digitaler Avatar die Entstehung seines Kunstwerks, das im Rahmen des Kunstfestivals transit art eine Fassade im Innenhof gestaltet.
So funktioniert die AR-Tour
Für die Nutzung werden lediglich ein Smartphone oder Tablet sowie ein Internetzugang benötigt. Zusätzlich ist die kostenlose App „YONA“ erforderlich.
Die App führt zu den verschiedenen Orten und Angeboten. Gestartet werden die Touren durch das Scannen des dazugehörigen Flyers, über einen Link auf rosenheim.jetzt oder direkt über die QR-Codes an den AR-Erlebnisorten.
Geschichte trifft digitale Technik
Augmented Reality (AR) verbindet die reale Umgebung mit digitalen Inhalten. Anders als bei Virtual Reality ist dafür keine spezielle Brille notwendig. Ein Smartphone oder Tablet reicht aus.
Mit den AR-Erlebnissen möchte die Stadt Rosenheim Geschichte, Kultur und besondere Orte auf eine neue Weise zugänglich machen. Die digitalen Angebote ergänzen klassische Stadtführungen und ermöglichen es, bekannte Plätze aus einer anderen Perspektive zu entdecken – und das auch zu Zeiten, an denen es keine Stadtführung gibt und die Museen geschlossen sind.
Nach Angaben der Stadt sollen die Angebote künftig weiter ausgebaut werden.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild: Fotomontage: Hintergrund: Archiv Herbert Borrmann – Zeichnung Krämer / eingeblockt Foto: Innpuls.me)



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