Bayern – Wälder, Moore, Grünflächen und natürliche Wasserflächen erfüllen wichtige Funktionen für Landschaften. Ein neuer Grün-Feucht-Kühl-Index (GFKI) soll zeigen, wie gut verschiedene Regionen noch Wasser speichern, kühlen und natürliche Schutzfunktionen erhalten können. Der LBV sieht die Ergebnisse als Hinweis darauf, dass auch in Bayern Handlungsbedarf besteht.
Der Index wurde vom NABU und dem ECONICS Institut vorgestellt. Er bewertet Landschaften anhand der drei Faktoren Grün, Feucht und Kühl. Nach Angaben der Initiatoren basiert die Untersuchung unter anderem auf hochauflösenden Satellitendaten und soll zeigen, welche Gebiete besonders geschützt, stabilisiert oder wiederhergestellt werden könnten.
„Die Ergebnisse des ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index‘ und seines Veränderungstrends beruhen nicht auf Experteneinschätzungen, sondern werden gemessen. Es werden vor allem große Mengen hochauflösender Satellitendaten eingesetzt. Neu ist auch, dass wir sehr konkret vorschlagen, welche Gebiete mit hoher Priorität geschützt, stabilisiert oder wiederhergestellt werden müssen“, sagt Studienautor Prof. Dr. Pierre Ibisch.
LBV sieht Bedarf für mehr Schutz von Lebensräumen
Der bayerische Naturschutzverband LBV bewertet die Ergebnisse als Anlass, natürliche Lebensräume stärker zu schützen. „Wiedervernässte Moore, lebendige Wälder und strukturreiche Agrarlandschaften sind unverzichtbar für eine lebenswerte Zukunft“, betont der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer.
Nach Ansicht des Verbandes können intakte Lebensräume dazu beitragen, Wasser in der Landschaft zu halten und Belastungen durch hohe Temperaturen abzumildern. Schäffer fordert deshalb, den Schutz und die Wiederherstellung solcher Lebensräume stärker zu berücksichtigen.
„Wir können es uns nicht mehr leisten, den Schutz unserer Natur als freiwillige Zusatzaufgabe zu sehen. Der Erhalt und die Wiederherstellung intakter Lebensräume müssen endlich die notwendige Priorität erhalten, damit Bayern lebenswert bleibt“, sagt Schäffer.
Nach Angaben des LBV zeigen unter anderem wiedervernässte Moore, naturnahe Wälder, strukturreiche Landwirtschaftsflächen sowie renaturierte Flüsse und Auen, wie Landschaften ihre natürlichen Funktionen erhalten oder zurückgewinnen können.
Moorprojekt im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen
Als Beispiel nennt der LBV ein Projekt im Ebenbergfilz bei Dietramszell im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Dort wurden nach Angaben des Verbandes im Jahr 2024 rund 11,5 Hektar Hochmoor wiedervernässt.
„Durch die Wiedervernässung von Mooren werden große Mengen an CO2-Emmissionen eingespart und so aktiv Klimaschutz betrieben. Gleichzeitig speichern diese Flächen Wasser – was angesichts der derzeitigen Trockenperiode unverzichtbar ist“, erklärt Dr. Sabine Tappertzhofen, Leiterin der LBV-Geschäftsstelle Bad Tölz-Wolfratshausen.
Der LBV berichtet, dass nahegelegene Moorflächen ohne Wiedervernässung in den vergangenen Wochen trockengefallen seien. Die renaturierten Bereiche im Ebenbergfilz könnten dagegen Wasser speichern.
Umfrage zur Wiederherstellung von Natur
Der LBV verweist außerdem auf eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des NABU. Demnach sprechen sich 83 Prozent der Befragten in Bayern für das EU-Gesetz zur Wiederherstellung der Natur aus. „Mit dem Volksbegehren Artenvielfalt oder den Bayerischen Zielen zum Moorschutz haben wir im Freistaat bereits wichtige Grundlagen für den Schutz unserer Natur“, sagt Norbert Schäffer. „Die europäische Wiederherstellungsverordnung fordert nun die Umsetzung dieser Ziele ein und will sicherstellen, dass auch zukünftige Generationen eine leistungsfähige und lebenswerte Natur in Bayern vorfinden.“
(Quelle: Pressemitteilung LBV / Beitragsbild: Symbolfoto re)


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