Wasserburg / Landkreis Rosenheim – Ein schwerer Busunfall mit zahlreichen Verletzten, dieses Szenario hat die RoMed Klinik Wasserburg gemeinsam mit Rettungsorganisationen und der Integrierten Leitstelle geprobt. Ziel der Übung war es, die Abläufe bei einem sogenannten Massenanfall von Verletzten (MAN) unter möglichst realistischen Bedingungen zu überprüfen.
Auch Jahre nach schweren Unglücken wie dem Zugunglück von Bad Aibling bleibt die Vorbereitung auf solche Ereignisse für Rettungsdienste und Krankenhäuser ein wichtiger Bestandteil der Notfallplanung. Entscheidend ist, dass Patienten bei einer großen Zahl an Verletzten schnell und strukturiert versorgt werden können.
Simulierter Busunfall auf der B15
Das Übungsszenario sah einen schweren Busunfall auf der Bundesstraße 15 mit mehreren Schwerverletzten vor. Insgesamt 15 geschminkte Darsteller wurden als sogenannte Mimen eingesetzt. Die Johanniter-Unfall-Hilfe bereitete sie für die realistische Unfalldarstellung vor.
Zwei Rettungswagen von den Johannitern und dem Bayerischem Roten Kreuz brachten die simulierten Patienten anschließend in kurzen Abständen zur Klinik. Zusätzlich wurde ein weiterer medizinischer Notfall eingebunden, um die Belastung möglichst realistisch abzubilden.
„Heute geht es um eine reine Belegungsübung – maßgeschneidert für unsere Klinik. Wir trainieren Wege, Übergaben, Entscheidungen. Der Rettungsdienst liefert in diesem Setting die Patientinnen und Patienten an, ohne aber direkt aus Fahrzeugen zu retten“, erklärte Dr. Julia Härtl, ärztliche Leiterin der Übung.
Echtbetrieb lief parallel weiter
Eine besondere Herausforderung: Die Übung fand während des normalen Klinikbetriebs statt. Echte Notfälle wurden weiterhin priorisiert behandelt und in die Abläufe der Sichtung einbezogen. Bei nicht dringlichen Fällen kam es laut Klinik zu Wartezeiten von rund 30 Minuten.
„Die Sicherheit der echten Patienten ist natürlich unser oberstes Gebot“, betonte Dr. Härtl.
Bei einem größeren Schadensereignis übernimmt am Klinikeingang der Leitende Arzt der Sichtung die Ersteinschätzung der Patienten. Anschließend koordiniert ein zentraler operativer Notfallkoordinator (ZONK) die weitere Behandlung und verteilt die Patienten auf die entsprechenden Teams und Räume.
Übung zeigt Stärken und Verbesserungsmöglichkeiten
Die Notfallübung diente auch dazu, die nach dem Umzug der RoMed Klinik Wasserburg auf das neue Gelände Ende 2022 erstellten Alarm- und Einsatzpläne zu überprüfen.
Die Klinik bestätigte dabei die Leistungsfähigkeit der bestehenden Strukturen, insbesondere bei der Versorgung schwerverletzter Patienten im Schockraum. Gleichzeitig wurden kleinere praktische Verbesserungsmöglichkeiten sichtbar.
„Sich automatisch ständig öffnende Türen stören den Sichtungsbereich. Solche Details sieht man nur im Betrieb. Dafür brauchen wir eine pragmatische Lösung“, sagte Dr. Härtl.
Zusammenarbeit von Rettungsdiensten und Klinik
An der Übung beteiligt waren neben der RoMed Klinik Wasserburg das Bayerische Rote Kreuz, die Johanniter-Unfall-Hilfe Wasserburg, die Integrierte Leitstelle, das Landratsamt Rosenheim sowie weitere Beobachter aus Klinik und Rettungsdienst.
Die Organisation erfolgte größtenteils zusätzlich zum regulären Arbeitsalltag, durch ehrenamtliches Engagement und Überstunden. Insgesamt unterstützten fünf Einsatzkräfte und sechs Übungsbeobachter der Johanniter und des Roten Kreuzes die Durchführung.
Johanniter-Wachleiter Frank Schulz hob die Bedeutung solcher Trainings hervor: „Gerade wenn es in der Notaufnahme hektisch zugeht und nur wenig Zeit für die Übergabe bleibt, ist eine reibungslose Zusammenarbeit zwischen Rettungskräften und dem Team der zentralen Notaufnahme entscheidend.“
Die Übung zeigte, dass die vorhandenen Strukturen funktionieren, und lieferte gleichzeitig wichtige Erkenntnisse, um die Abläufe für mögliche zukünftige Großschadenslagen weiter zu verbessern.
(Quelle: Pressemitteilung RoMed Kliniken / Beitragsbild: Im Schockraum werden die schwerverletzten Schauspiel-Patienten an das Klinikpersonal übergeben und versorgt, Copyright Johanniter/Gerhard Bieber)


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