Rosenheim – In unserer Serie „Straßennamen in Rosenheim“ geht es jeden Donnerstag um Namen im Stadtgebiet, die man im Alltag oft übersieht – obwohl sich dahinter spannende Geschichten verbergen. Diesmal führt der Weg in die Alfred-Heurich-Straße. Der Name dürfte vielen wenig sagen. Dabei geht die wohl bedeutendste Erfindung der Rosenheimer Bootsgeschichte auf ihn zurück.
Fragt man nach dem Faltboot, fällt vielen zuerst der Name Klepper ein. Und das ist verständlich: Die Rosenheimer Firma machte das Boot weltberühmt. Der Mann, der die Idee dazu hatte, war allerdings ein anderer – Alfred Heurich.
Er entwickelte schon als Jugendlicher ein Boot, das sich auseinandernehmen und bequem transportieren ließ. Eine Idee, die ihrer Zeit weit voraus war und den Wassersport nachhaltig verändern sollte.
Die Geburtsstunde des modernen Faltbootes
Geboren wurde Alfred Heurich am 3. Februar 1883 in Metz. Schon früh faszinierte ihn die Frage, wie sich Boote leichter transportieren lassen. 1897 entstand mit dem „Pfiffikus“ das weltweit erste zerlegbare Kajak-Faltboot aus Bambusstäben und einer Bespannung aus Segeltuch.Während seines Architekturstudiums in München entwickelte Heurich seine Konstruktion weiter. Sein verbessertes Boot, zunächst „Luftikus“, später „Delphin“ genannt, bewies seine Tauglichkeit am 30. Mai 1905 auf spektakuläre Weise: Heurich paddelte mit ihm auf der hochwasserführenden Isar von Bad Tölz nach München – eine damals äußerst riskante Tour. Dieses Ereignis gilt bis heute als Geburtsstunde des modernen Faltbootsports.
Der Weg nach Rosenheim
Für Rosenheim wurde Heurichs Erfindung von besonderer Bedeutung. Der Schneidermeister und Unternehmer Johann Klepper erkannte das Potenzial des neuartigen Bootes. Er lieh sich eines von Heurichs Booten aus, testete es auf dem Inn und erwarb wenig später die Lizenz zur Herstellung des Bootstyps „Delphin“.
Aus dieser Zusammenarbeit entwickelte sich die weltbekannte Rosenheimer Faltbootproduktion. Während Klepper mit dem Boot große wirtschaftliche Erfolge feierte und den Namen seiner Firma international bekannt machte, blieb Alfred Heurich selbst finanziell weitgehend im Hintergrund. Das sorgte zeitweise auch für Spannungen zwischen den beiden Männern.
1923 zog Heurich schließlich dauerhaft nach Rosenheim und blieb der Stadt bis zu seinem Tod treu.
Mehr als nur ein Erfinder
Heurich war nicht nur Architekt und Konstrukteur. Er schrieb Bücher, Flussführer und Abenteuergeschichten, entwickelte Zubehör für Faltboote und setzte sich intensiv für den Kanusport ein. Gemeinsam mit seiner zweiten Ehefrau Maria entstand später sogar die sogenannte „Paddel-Heilweise“, die Bewegung, bewusste Atmung und gesunde Ernährung miteinander verband.
Alfred Heurich starb am 12. April 1967 in Rosenheim. Sein Grab wird bis heute vom Rosenheimer Kajakklub betreut. Auch im Holztechnischen Museum erinnern historische Faltboote und Nachbauten immer wieder an sein außergewöhnliches Lebenswerk.
Ein Straßenname mit besonderer Bedeutung
Die Alfred-Heurich-Straße liegt nicht zufällig in der Nähe der Klepperstraße. Beide Namen erzählen gemeinsam ein Stück Rosenheimer Industrie- und Sportgeschichte. Der eine steht für den Unternehmer, der das Faltboot in alle Welt brachte. Der andere erinnert an den Mann, ohne dessen geniale Idee es diesen Erfolg vermutlich nie gegeben hätte.
So erzählt dieses Straßenschild eine Geschichte – von Erfindergeist, Leidenschaft und einer Rosenheimer Erfolgsgeschichte, die auf dem Wasser ihren Anfang nahm.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild: KI-generiert)


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