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Innpuls-Tagebuch: Die Loretowiese zwischen Parkplatz und Blumenwiese

Karin Portrait-Foto. Flotomontage mit Hintergrund.

Karin Wunsam

Schreibt immer schon leidenschaftlich gern. Ihre journalistischen Wurzeln liegen beim OVB-Medienhaus. Mit der Geburt ihrer drei Kinder verabschiedete sie sich nach gut 10 Jahren von ihrer Festanstellung als Redakteurin und arbeitet seitdem freiberuflich für die verschiedensten Medien-Unternehmen in der Region Rosenheim.

7. August 2026

Lesezeit: 4 Minute(n)

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Rosenheim – Die Rosenheimer Loretowiese hat uns auch in dieser Woche wieder beschäftigt. Erst wurden die Parkgebühren gesenkt, jetzt soll ein Monatsticket für 39 Euro kommen. Ich sehe diese Entwicklung durchaus positiv. Für mich wäre die beste Lösung allerdings noch immer: kostenloses Parken. Denn wenn wir wollen, dass unsere Innenstadt lebendig und attraktiv bleibt, sollten wir auch denjenigen ein gutes Angebot machen, die mit dem Auto kommen.

Vielleicht liegt es daran, dass wir uns bei unserer täglichen Rubrik „Unsere fotografische Zeitreise“ gerade wieder mit der Loretowiese beschäftigt haben. Auf der historischen Aufnahme aus dem Jahr 1926 ist sie tatsächlich noch das, was ihr Name verspricht: eine grüne, blühende Wiese mit hohen Bäumen und Kieswegen.
Beim Blick auf unsere alten Fotos fällt mir aber noch etwas anderes auf: Wie viel Platz das Auto früher in Rosenheim hatte. Auf historischen Aufnahmen sind Flächen zu sehen, auf denen Autos standen, die heute längst anders genutzt werden. Das ist natürlich keine Statistik über die Entwicklung des gesamten Parkraums. Aber es hat mich zu einer Frage gebracht: Wir haben heute deutlich mehr Autos als früher – warum wird gleichzeitig der Parkraum in unseren Innenstädten immer knapper?

Die Zahl der Pkw in Deutschland ist seit den 1980er Jahren massiv gestiegen. Anfang der 1980er Jahre waren rund 23 bis 26 Millionen Pkw zugelassen, inzwischen sind es laut aktueller Statistiken knapp 50 Millionen. Gleichzeitig wird innerstädtischer Parkraum vielerorts reduziert oder bewirtschaftet. Parkplätze weichen Radwegen, breiteren Gehwegen, Grünflächen oder Außengastronomie. Kostenlose Stellplätze werden immer seltener.
Ich will damit nicht sagen, dass jede dieser Veränderungen falsch ist. Ich gehe selbst gerne zu Fuß und fahre auch gerne mit dem Fahrrad. Aber ich möchte genauso selbstverständlich entscheiden können, wann ich das Auto nehme. Wenn ich mehr einkaufen möchte oder etwas zu transportieren habe, fahre ich eben mit dem Auto. Dafür möchte ich mir auch kein schlechtes Gewissen einreden lassen.

Straßenverkehr sollte für mich nichts mit Ideologie zu tun haben. Es sollte nicht darum gehen, Menschen über Gebühren oder fehlende Parkplätze zu einem bestimmten Verkehrsmittel zu erziehen. Jeder sollte die Möglichkeit haben, das Verkehrsmittel zu wählen, das für ihn gerade sinnvoll ist.
Was mich dabei ärgert: Die Parkplätze direkt an den Geschäften und am Straßenrand werden immer weniger – und das Parken kostet gleichzeitig immer mehr. Natürlich gibt es weiterhin Parkhäuser. Aber für mich ist es einfach etwas anderes, ob ich direkt vor einem Geschäft oder irgendwo im Parkhaus mein Auto abstelle.

Das ist auch eine Frage der Innenstadtbelebung. Gerade Ladenbesitzer beklagen immer wieder, wenn Parkplätze unmittelbar vor ihren Geschäften wegfallen. Ihre Sorge ist nachvollziehbar: Wer nur schnell etwas einkaufen oder erledigen möchte, überlegt sich möglicherweise zweimal, ob er dafür noch in die Innenstadt fährt, wenn die Parkplatzsuche komplizierter und das Parken zusätzlich teuer wird.

Die Loretowiese als Ausweichadresse

Lange Zeit war die Loretowiese deshalb eine willkommene Ausweichmöglichkeit. Zentral gelegen, kostenlos und ohne zeitliche Begrenzung konnte man dort parken. Natürlich war die Fläche wegen des Herbstfestes und anderer Veranstaltungen immer wieder teilweise oder vollständig gesperrt. Trotzdem war sie für viele Autofahrer eine wichtige Adresse, wenn es in der Innenstadt schwierig wurde.
Umso größer war der Aufschrei, als die Stadt im April 2024 auch dort Parkgebühren einführte. Die Loretowiese wurde in der ersten Zeit deutlich weniger genutzt. Viele Autofahrer wichen auf andere Möglichkeiten aus.
Das Auto abgeschafft hat deshalb aber niemand.

Genau das finde ich an der Entwicklung interessant. Denn wer auf das Auto angewiesen ist, bleibt in der Regel darauf angewiesen. Wenn eine Parkmöglichkeit wegfällt oder deutlich teurer wird, verschwindet das Bedürfnis nach einem Stellplatz nicht automatisch.

Inzwischen hat es bei der Loretowiese deshalb eine kleine Rolle rückwärts gegeben. Die Gebühren wurden gesenkt. Seit Oktober 2025 kostet das Parken für bis zu fünf Stunden 2 Euro, ein Tagesticket bis zu zehn Stunden 3 Euro. Nun soll zusätzlich ein digitales Monatsticket für 39 Euro kommen. Ich empfinde das als Schritt in die bessere Richtung.

Warum eigentlich nicht wieder kostenlos?

Wenn die Stadt möchte, dass die Loretowiese stärker genutzt wird, frage ich mich allerdings: Warum nicht gleich wieder kostenlos?
Mir ist bewusst, dass Parkraumbewirtschaftung politisch gewollt ist. Sie soll unter anderem verhindern, dass Stellplätze dauerhaft blockiert werden, und die Einnahmen können für andere Zwecke eingesetzt werden.

Aber bei der Loretowiese sehe ich das anders. Wir haben dort eine große Fläche am Rand der Innenstadt, die ohnehin als Parkplatz zur Verfügung steht. Warum sollte man sie nicht bewusst als attraktives Angebot für Menschen nutzen, die mit dem Auto in die Innenstadt kommen? Wenn wir über eine lebendige Innenstadt sprechen, sollten wir meines Erachtens nicht nur darüber nachdenken, wie wir Menschen vom Auto wegbringen. Wir sollten auch überlegen, wie wir Menschen in die Innenstadt bekommen. Und dazu gehört für mich ein vernünftiges und bezahlbares Parkplatzangebot.

Die Blumenwiese bleibt trotzdem schön

In der aktuellen Diskussion kam aus der Linken-Fraktion auch die Vorstellung auf, die Loretowiese künftig ganz anders zu nutzen: weg von Autos und Parkplatz – hin zu einer besseren Zustand –  und da kamen mir dann eben wieder die historischen Fotos in den Sinn, die die Loretowiese als echte Wiese zeigen.

Ganz ehrlich: Romantisch finde ich diesen Gedanken durchaus. Eine blühende Wiese mit hohen Bäumen und Kieswegen hätte sicherlich ihren Reiz. Aber sie entspricht derzeit halt nicht der Realität. Autos werden noch viele Jahre zu unserem Verkehrsbild gehören. Und solange das so ist, brauchen wir auch Plätze, an denen sie abgestellt werden können. Ich glaube deshalb nicht, dass es sinnvoll ist, die Diskussion auf „Auto oder Fahrrad“, „Parkplatz oder Grünfläche“ zu reduzieren.

Wir brauchen gute Radwege und attraktive Fußwege. Wir brauchen einen öffentlichen Nahverkehr, der auch für Menschen aus dem Landkreis eine echte Alternative darstellt. Und wir brauchen gleichzeitig ausreichend Parkmöglichkeiten für diejenigen, die mit dem Auto kommen wollen oder darauf angewiesen sind. Die Loretowiese wird vermutlich noch lange Parkplatz und Festplatz bleiben. Und vielleicht ist das auch gut so.

Auch wenn ich beim Blick auf das historische Foto zugeben muss: Eine blühende Blumenwiese mit hohen Bäumen hätte natürlich auch ihren Reiz.

Liebe Grüße aus der Redaktion

Karin

2 Kommentare

  1. Sehr gut kann ich mich noch an die Lorettowiese erinnern. Als Kinder konnten wir dort spielen – auf der Wiese! 😀 Und die Oma hat die Lindenblüten am Kapuzinerweg für den Tee gepflückt. Der Herderbach war auch noch nicht abgedeckt und die Buben sind runtergeklettert bis zum Gitter des Klostergartens. Wenn uns der Onkel mit seinem „Schneewittchensarg “
    ( Kabinenroller) besuchte, wurde er schon bestaunt. Nur beim Aufbau des Volksfestes und der Südostmesse war die Wiese belebt. Auch an einen Zirkus kann ich mich erinnern.
    Es war schon sehr schön, ich habe doch zumindest die Erinnerung, was war – doch so etwas wird nicht mehr kommen – leider! 😞

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  2. Habe falsch abgeschrieben, Loretowiese nur ein t. 😉

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