Deutschland / Bayern / Rosenheim – Spinnen als Terrarientiere werden beliebter. Besonders Vogelspinnen faszinieren viele Halter, aber auch Springspinnen finden zunehmend ihren Weg in deutsche Terrarien. Wer sich für die Haltung der außergewöhnlichen Tiere interessiert, sollte sich allerdings vorab mit ihren besonderen Ansprüchen beschäftigen.
In Deutschland gibt es rund eine Million Terrarien. Darin leben die unterschiedlichsten Tiere. Am häufigsten werden Schildkröten gehalten, gefolgt von Schlangen. Spinnen sind laut der Marktforschung für 2025 des Industrieverbands Heimtierbedarf (IVH) und des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) immerhin in fast jedem zehnten Terrarienhaushalt anzutreffen.
Welche Spinne passt zu Einsteigern?
Nicht jede Art stellt die gleichen Anforderungen. „Besonders beliebt sind Vogelspinnen, aber selbst innerhalb dieser Spinnenfamilie gibt es große Unterschiede hinsichtlich Größe, Temperament und Haltungsansprüchen“, sagt Dr. Tobias Hauke, 2. Vorsitzender der Deutschen Arachnologischen Gesellschaft (DeArGe) und Autor mehrerer Fachartikel zur Spinnenhaltung.
Wer sich eine Spinne anschaffen möchte, sollte sich deshalb vorher genau über die jeweilige Art informieren. Größe, Verhalten und die Bedingungen im Terrarium können sich deutlich unterscheiden.
Das richtige Terrarium
Auch wenn Spinnen häufig weniger Platz benötigen als andere Haustiere, sollte ihr Terrarium möglichst an ihre natürliche Lebensweise angepasst sein. „Wichtig ist zu wissen, wie sich die gewählte Spinnenart verhält“, erklärt Hauke.
„Bodenbewohnende Spinnen benötigen zum Beispiel ausreichend Bodengrund zum Graben, baumbewohnende Arten brauchen eher Klettermöglichkeiten und nutzen die Höhe eines Terrariums mehr aus.“
Verstecke gehören ebenso zur Grundausstattung wie ein für die jeweilige Art geeignetes Klima. Temperatur und Luftfeuchtigkeit müssen zu den Bedürfnissen des Tieres passen. Wichtig ist außerdem eine sichere Ausbruchsicherung.
Bei der Gestaltung gilt laut Hauke allerdings: Weniger kann mehr sein. „Wer zum ersten Mal ein Terrarium einrichtet, neigt häufig dazu, den Lebensraum möglichst aufwendig zu gestalten“, sagt der Experte. „Bei Spinnen bietet sich aber eine eher zurückhaltende Einrichtung an. Entscheidend ist weniger die Dekoration als eine Umgebung, die den natürlichen Bedürfnissen der Art entspricht.“
Beobachten statt Streicheln
Spinnen sind keine Haustiere, die den Kontakt zu Menschen suchen. Anders als Hunde oder Katzen haben sie kein ausgeprägtes Sozialverhalten gegenüber ihrem Halter. Der besondere Reiz der Haltung liegt daher vor allem darin, das natürliche Verhalten der Tiere zu beobachten – etwa beim Netzbau oder während der Häutung.
Gerade die Häutung ist für Halter ein wichtiger Vorgang. „Viele Menschen wissen gar nicht, dass sich Spinnen häuten – ähnlich wie Schlangen – und dabei oft bemerkenswerte Wachstumsschübe machen“, sagt Dr. Hauke.
Bei weiblichen Vogelspinnen kann dieser Prozess auch nach der Geschlechtsreife weitergehen. „Weibliche Vogelspinnen häuten sich sogar nach Erreichen der Geschlechtsreife weiterhin etwa einmal im Jahr und wachsen damit quasi ein Leben lang. Während der Häutung sind Spinnen besonders empfindlich und sollten nicht gestört werden. Bereits einige Zeit vorher stellen sie die Futteraufnahme ein. Das wirkt gerade für unerfahrene Halter manchmal besorgniserregend, gehört aber zur normalen Entwicklung dazu.“
Anschaffung gut überlegen
Die Haltung einer Spinne ist eine langfristige Entscheidung. Weibliche Vogelspinnen können 10 bis 20 Jahre alt werden, manche Arten sogar noch älter.
Beim Kauf sollte deshalb auf einen seriösen Fachhändler oder einen erfahrenen Züchter geachtet werden. Käufer sollten Informationen über Herkunft und Alter des Tieres sowie über die passenden Haltungsbedingungen erhalten.
Auch bei der Ernährung sind viele Terrarienspinnen vergleichsweise unkompliziert. Sie werden mit lebenden Futtertieren wie Heimchen, Grillen oder Schaben versorgt. Häufig reicht es, sie nur alle ein bis zwei Wochen zu füttern.
Wer sich für die Haltung entscheidet, sollte sich dennoch vor dem Kauf ausführlich über die konkrete Art informieren. Denn auch wenn Spinnen vergleichsweise wenig Platz benötigen, haben sie sehr spezifische Bedürfnisse, die für eine artgerechte Haltung berücksichtigt werden müssen.
(Quelle: Pressemitteilung IVH / Beitragsbild: Symbolfoto re)


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