Hilpoltstein / Bayern – Angesichts zunehmender Niedrigwasserprobleme in der Donau und anderen Flüssen warnt der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) davor, Fahrrinnen für die Schifffahrt weiter zu vertiefen. Aus Sicht des bayerischen Naturschutzverbands bekämpfen solche Maßnahmen lediglich die Folgen niedriger Wasserstände und können zugleich ökologische Probleme verschärfen. Stattdessen fordert der LBV, die natürliche Widerstandsfähigkeit der Flüsse zu stärken.
Am Mittwoch (12. August) beraten die Verkehrsministerinnen und Verkehrsminister erneut über die Folgen niedriger Wasserstände. Medienberichten zufolge geht es dabei auch um weitere Maßnahmen zum Ausbau der Wasserstraßen. Im Raum stehen unter anderem punktuelle Vertiefungen von Fahrrinnen, damit Schiffe auch bei niedrigen Pegeln fahren können. Der LBV hält diesen Ansatz für problematisch. Geschäftsführer Helmut Beran kritisiert, dass damit aus seiner Sicht nicht die eigentlichen Ursachen der zunehmenden Niedrigwasserprobleme angegangen würden.
„Die Verkehrsminister reden über Symptombekämpfung, statt die eigentliche Ursache anzugehen. Die Klimakrise verändert unsere Flüsse – und darauf muss sich die Schifffahrt einstellen. Die Schiffe müssen an die Wasserstraßen angepasst werden, nicht umgekehrt. Wer jetzt Milliarden in weitere Vertiefungen steckt, riskiert ein Fass ohne Boden: Die Bauprojekte dauern viele Jahre, während Extremwetter und sinkende Wasserstände den technischen Lösungen längst davonlaufen. Tiefer bedeutet nicht mehr Wasser in den Flüssen“, sagt Beran.
Mögliche Folgen für Flüsse und Grundwasser
Nach Einschätzung des LBV stehen Flüsse und ihre Lebensgemeinschaften bereits heute unter großem Druck. Eine weitere Vertiefung von Fahrrinnen könne die ökologischen Probleme verstärken.
Werde die Strömung auf eine kleinere Rinne konzentriert, könne dies laut LBV die Tiefenerosion verstärken und zu einer weiteren Eintiefung des Flussbetts führen. Dadurch könnten Grundwasserstände sinken und Probleme für die Landwirtschaft entstehen. Auch die Verbindung zwischen Fluss und Auen könne sich weiter verschlechtern. Lebensräume im und am Fluss würden dadurch zusätzlich belastet. Zudem sieht der Naturschutzverband mögliche Konflikte mit den Zielen der europäischen Wasserrahmenrichtlinie, insbesondere mit dem dort verankerten Verschlechterungsverbot.
LBV setzt auf mehr Raum für Flüsse
Statt Flüsse technisch weiter an die Anforderungen der Schifffahrt anzupassen, fordert der LBV mehr natürliche Wasserspeicher. Renaturierungen, die Wiederanbindung von Auen sowie der Schutz von Mooren könnten dazu beitragen, Wasser länger in der Landschaft zu halten. „Wir müssen die jahrzehntelange Entwässerung unserer Landschaften rückgängig machen und können zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Wer Flüssen mehr Raum gibt, stärkt die Widerstandsfähigkeit unserer Landschaften gegenüber Dürre und Hochwasser. Intakte Ökosysteme wirken hierbei wie ein Schwamm: Sie halten Wasser in der Landschaft zurück und geben es in Trockenzeiten langsam wieder ab. Davon profitieren sowohl die Natur als auch die Schifffahrt“, so Beran.
Darüber hinaus fordert der LBV Lösungen für Schifffahrt, Industrie und Handel, die auch bei niedrigen Wasserständen funktionieren. Als Beispiele nennt der Verband zusätzliche umweltschonende Transportmöglichkeiten auf der Schiene, eine ausreichende Förderung für niedrigwassergeeignete Schiffe und zusätzliche Lagerkapazitäten.
(Quelle: Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e. V. / Beitragsbild: Symbolfoto re)


0 Kommentare