Bayern – Die Kartoffelernte in Bayern dĂŒrfte in diesem Jahr unterdurchschnittlich ausfallen. Das erwarten der Bayerische Bauernverband (BBV) und die Erzeugergemeinschaften fĂŒr QualitĂ€tskartoffeln in Bayern. Als GrĂŒnde nennen sie vor allem die Trockenheit und Hitze im Sommer. Hinzu kommt der Befall durch die Schilf-GlasflĂŒgelzikade.
Die Kartoffeln kamen zwischen Ende MĂ€rz und Ende April zunĂ€chst unter guten Bedingungen in den Boden. Ărtlich verursachten SpĂ€tfröste SchĂ€den am Kraut. Trotz zunehmender Trockenheit im Mai entwickelten sich die BestĂ€nde zunĂ€chst gut. NiederschlĂ€ge Anfang Juni sorgten fĂŒr krĂ€ftige Laubentwicklung und einen guten Knollenansatz.
Dann verschĂ€rfte sich die Situation. Die starke Hitze ab Ende Juni stoppte nach Angaben des BBV vielerorts das Wachstum. Gleichzeitig fehlte etwa die HĂ€lfte der ĂŒblichen NiederschlĂ€ge. In einer Umfrage bewerteten die Betriebe rund ein Drittel der bayerischen BestĂ€nde mit mangelhaft bis ungenĂŒgend. In Schwaben und im frĂ€nkischen Knoblauchsland kamen gröĂere HagelschĂ€den hinzu.
Wie stark die Ernte ausfĂ€llt, unterscheidet sich allerdings von Region zu Region. Wo punktuell Regen fiel oder bewĂ€ssert werden konnte, ist die Situation besser. BBV-PflanzenbauprĂ€sident Hermann Greif rechnet dennoch mit Folgen: âWir rechnen mit kleineren KnollengröĂen sowie spĂŒrbaren Ertrags- und QualitĂ€tseinbuĂen.â
Weniger KartoffelflÀche in Bayern
Die KartoffelanbauflĂ€che in Bayern ist 2026 um rund vier Prozent auf etwa 37.400 Hektar zurĂŒckgegangen. Besonders bei Verarbeitungs- und Speisekartoffeln wurde die FlĂ€che reduziert. Dagegen nahm der Anbau von StĂ€rkekartoffeln zu.
Schwerpunkte des bayerischen Kartoffelanbaus liegen in Ober- und Niederbayern, der Oberpfalz und Schwaben. Auch die Schilf-GlasflĂŒgelzikade stellt die Erzeuger zunehmend vor Probleme. Sie kann die Krankheiten Stolbur und SBR ĂŒbertragen und dadurch KartoffelbestĂ€nde erheblich schĂ€digen.
Der amtliche Pflanzenschutz-Warndienst rief in diesem Jahr fĂŒr 40 Landkreise und zwölf kreisfreie StĂ€dte zu besonderer Aufmerksamkeit auf. Schwerpunkte liegen unter anderem entlang der Donau und im Raum WĂŒrzburg. FĂŒr die Betriebe kommen zu den Wetter- und SchĂ€dlingsproblemen gestiegene Energie- und DĂŒngemittelkosten hinzu. Gleichzeitig trafen die höheren Kosten zu Jahresbeginn auf niedrige Erzeugerpreise.
Kartoffelmarkt derzeit ausgeglichen
Die geringere AnbauflĂ€che hat auch mit der Situation im vergangenen Jahr zu tun. Nach einer ĂŒberdurchschnittlichen Ernte herrschten Ăberangebot sowie Preis- und Vermarktungsdruck. Die Landesvereinigung der Erzeugergemeinschaften fĂŒr QualitĂ€tskartoffeln empfahl ihren Mitgliedsbetrieben deshalb, die AnbauflĂ€chen zu reduzieren. âUns ist wichtig, langfristig ein vernĂŒnftiges Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage zu haltenâ, erklĂ€rt Konrad Zollner, Vorsitzender der Landesvereinigung der Erzeugergemeinschaften fĂŒr QualitĂ€tskartoffeln in Bayern.
FĂŒr die Verbraucher sei die Versorgung mit heimischen Kartoffeln derzeit weiterhin gut, so Zollner. Gleichzeitig bleibe die wirtschaftliche Situation vieler Kartoffelbetriebe angespannt.
BewÀsserung wird wichtiger
FĂŒr die Zukunft sehen BBV und Erzeugergemeinschaften mehrere Herausforderungen. Neben Wetterextremen geht es um neue Pflanzenkrankheiten und SchĂ€dlinge, aber auch um steigende Kosten und geopolitische Entwicklungen.
Bei der BekĂ€mpfung der Zikade sieht Greif bereits AnsĂ€tze fĂŒr eine gemeinsame Strategie von Politik, Forschung und Landwirtschaft. Gleichzeitig fordert er bessere Voraussetzungen fĂŒr die BewĂ€sserung.
âGerade bei der Zikade zeigt Bayern schon jetzt, was möglich ist, wenn Politik, Forschung und Praxis an einem Strang ziehenâ, so Greif. âUm unsere Ernten zu sichern, mĂŒssen wir aber auch ĂŒber BewĂ€sserung sprechen. Die Landwirtschaft hat nur einen kleinen Anteil an der gesamten Wassernutzung, braucht hier aber dringend bessere Planungssicherheit. Dabei geht es nicht um Luxus, sondern um die Sicherung unserer Grundversorgung.â
FĂŒr Verbraucher bedeutet die aktuelle Entwicklung zunĂ€chst keine leeren Kartoffelregale. Die Versorgung mit heimischen Kartoffeln ist nach Angaben der Erzeugergemeinschaften weiterhin gut. FĂŒr die Landwirte zeigt die Saison jedoch erneut, wie stark Ertrag und QualitĂ€t von Wetter, SchĂ€dlingsdruck und den Möglichkeiten zur BewĂ€sserung abhĂ€ngen.
(Quelle: Pressemitteilung Bayerischer Bauernverband / Beitragsbild: Symbolfoto re)


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