Rosenheim – Ein Deutscher Meister zu Gast vor dem Rosenheimer Rathaus: Bei schönstem Spätsommerwetter empfing die Stadt am Dienstagnachmittag (1. September) die Herrenmannschaft des TSV 1860 Rosenheim. Im Gepäck hatten die Tennisspieler den Pokal für ihren historischen Erfolg. Erstmals in der Vereinsgeschichte holte die Mannschaft in diesem Sommer die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft in der 1. Tennis-Bundesliga.
Stolz auf den Erfolg – Didi Dörfler, einer der Verantwortlichen des TC 1860 Rosenheim bei seiner Rede. Fotos: Josefa Staudhammer
Rosenheims Oberbürgermeister Abuzar Erdogan, der zweite Bürgermeister Daniel Artmann und die dritte Bürgermeisterin Gabriele Leicht waren gekommen, um der Mannschaft zu gratulieren. Erdogan sprach von einer „grandiosen Leistung“. Und dass dieser Titel etwas Besonderes ist, lässt sich tatsächlich an einigen Zahlen ablesen.
Heiß begehrt. Aber nur die wenigsten dürfen ihn in den Händen halten – der Meisterpokal.
Die Rosenheimer blieben in der gesamten Bundesliga-Saison 2026 ungeschlagen. Am letzten Spieltag reichte der Mannschaft ein 3:3 beim Traditionsverein TK GW Mannheim, um die Tabellenführung zu verteidigen und den Meistertitel perfekt zu machen. Damit verwies der TSV 1860 den amtierenden Deutschen Meister TC Bredeney auf den zweiten Platz.
Ein langer Weg bis an die Spitze
Der Meistertitel ist zugleich der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, die bereits vor vielen Jahren begonnen hat. Einer, der diesen Weg nahezu vollständig begleitet und maßgeblich mitgestaltet hat, ist Dieter „Didi“ Dörfler.
Seit mehr als 20 Jahren ist Dörfler Vorsitzender und Sportwart der Tennisabteilung des TSV 1860 Rosenheim. Er kennt deshalb auch noch die Zeiten, in denen an einen Deutschen Meistertitel im deutschen Oberhaus nicht zu denken war.
Mit Blick auf den Pokal hielt Rosenheims Oberbürgermeister Abuzar Erdogan seine Ansprache beim Empfang.
Nach einer Abmeldung aus der Bayernliga ging es vor rund zwei Jahrzehnten zunächst in der Bezirksliga weiter. Schritt für Schritt arbeitete sich die Mannschaft wieder nach oben. Von 2017 bis 2019 spielte sie in der 2. Bundesliga. Im Sommer 2019 gelang als ungeschlagener Meister der Aufstieg in die 1. Bundesliga.
Die Premiere im deutschen Oberhaus hätte eigentlich bereits 2020 stattfinden sollen. Doch die Corona-Pandemie sorgte dafür, dass die komplette Bundesliga-Saison abgesagt wurde. So schlug der TSV 1860 Rosenheim erst 2021 erstmals in der 1. Bundesliga auf. Inzwischen ist die Mannschaft dort angekommen, wo sie bislang noch kein Rosenheimer Tennis-Team gesehen hat: ganz oben.
Internationale Profis im Trikot des TSV 1860
Zum Erfolg beigetragen hat eine Mannschaft mit internationaler Besetzung. Die Herren treten unter dem Sponsorennamen Team Marc O’Polo Rosenheim an. Zum Meisterkader gehörten unter anderem der Österreicher Sebastian Ofner und der Chilene Cristian Garín. Beide haben in ihrer Karriere bereits deutlich weiter oben in der ATP-Weltrangliste gestanden: Ofner erreichte Platz 37, Garín sogar Platz 17. Dazu kamen Profis aus Italien, Brasilien, Georgien, Bolivien, Argentinien, Frankreich und Peru.
Das zeigt zugleich, in welcher sportlichen Liga sich die Rosenheimer inzwischen bewegen. Internationale Profis dieser Qualität für eine Bundesliga-Saison nach Rosenheim zu holen, ist mit entsprechendem finanziellen Aufwand verbunden. Flugreisen, Unterbringung, Spielerhonorare und die Organisation rund um die Spieltage müssen finanziert werden.
Eine wichtige Rolle spielen dabei die Sponsoren. Der Name Marc O’Polo ist deshalb nicht nur Bestandteil des Mannschaftsnamens, sondern steht auch für einen Teil der finanziellen Grundlage, auf der das Bundesliga-Team aufgebaut ist.
Gleichzeitig ist der Rosenheimer Meistertitel gerade deshalb bemerkenswert, weil die Tennisabteilung im Vergleich zu einigen anderen Bundesliga-Schwergewichten mit einem vergleichsweise kleinen Etat arbeitet.
Dörfler und Detterbeck halten die Fäden zusammen
Neben Dörfler steht dabei Thomas Detterbeck als Bundesliga-Teammanager im Zentrum. Während Dörfler als langjähriger Abteilungsleiter die Entwicklung der Tennisabteilung prägt, kümmert sich Detterbeck um zahlreiche organisatorische Aufgaben rund um die Bundesligamannschaft. Welche Spieler kommen nach Rosenheim? Wer ist gerade auf einem internationalen Turnier unterwegs und muss kurzfristig zum Bundesliga-Spieltag eingeflogen werden? Wie werden die Einsätze koordiniert? Und wie lässt sich der Spielbetrieb finanzieren?
Dörfler und Detterbeck arbeiten dabei seit vielen Jahren Hand in Hand.
Wie sehr Dörfler mit der Tennisabteilung verbunden ist, zeigt sich auch auf der Anlage an der Pürstlingstraße. Dort trägt inzwischen sogar der Center Court seinen Namen.
„Der Profisport zahlt sich für den Breitensport aus“
Für Detterbeck ist der finanzielle und organisatorische Aufwand für das Bundesligateam dennoch mehr als eine Investition in den Spitzensport. Er sieht darin auch einen direkten Nutzen für die gesamte Tennisabteilung. „Der Profisport zahlt sich für den Breitensport aus. Wenn ein Sportler vorneweg läuft, laufen die anderen ihm nach“, sagte Detterbeck beim Empfang.
Dass Tennis in Rosenheim weit mehr ist als Bundesliga, zeigen die Mitgliederzahlen. Aktuell zählt die Tennisabteilung des TSV 1860 insgesamt 495 Mitglieder. 36 Prozent davon sind Kinder und Jugendliche.
Auch Oberbürgermeister Erdogan berichtete, dass sich sein eigener Blick auf den Tennissport durch die Entwicklung beim TSV 1860 verändert habe. „Früher habe ich immer gedacht, Tennissport ist eine elitäre Angelegenheit“, sagte er. Die Mitgliederstruktur der Rosenheimer Tennisabteilung habe ihm aber gezeigt, dass Tennis deutlich breiter aufgestellt sei.
Der Meistertitel ist greifbar
Beim Empfang wurde der historische Erfolg dann auch ganz praktisch greifbar. Die Tennisabteilung hatte den Meisterpokal mitgebracht. Erdogan, Artmann und Leicht ließen sich die Trophäe aus nächster Nähe zeigen. „Wir sind mächtig stolz, die deutsche Meisterschaft gewonnen zu haben in einer der stärksten Ligen der Welt“, sagte Detterbeck.
Wie außergewöhnlich der Erfolg ist, zeigt auch ein Blick auf die Geschichte der Bundesliga. Die Herren-Bundesliga wurde 1972 erstmals ausgespielt. Seitdem haben es nur 16 verschiedene Vereine geschafft, Deutscher Mannschaftsmeister zu werden. Der TSV 1860 Rosenheim ist nun der jüngste Verein in diesem Kreis. Vier der bislang 16 Meistervereine kommen aus Bayern. Der Rosenheimer Titel ist damit nicht nur der erste der Vereinsgeschichte, sondern schreibt auch ein neues Kapitel in der Geschichte des deutschen Mannschaftstennis.
Eine Titelverteidigung wäre „nicht unmöglich“
Dass der Erfolg nun automatisch zur Titelserie führt, glaubt bei den Rosenheimern allerdings niemand. Das Ziel sei, die Mannschaft weiterzuentwickeln und noch besser zu werden. „Erneut den Titel zu gewinnen ist nicht unmöglich, aber es wird schwer“, sagte Detterbeck mit Blick auf die kommende Saison.
Zunächst durfte am Dienstag aber einfach einmal gefeiert werden. Und dafür war der Rathausvorplatz mit Sonnenschein, Meisterpokal und Deutschem Meister genau der richtige Ort.
Vom Tennis zum Padel
Ganz zum Schluss wurde es dann noch einmal persönlich. Didi Dörfler und Abuzar Erdogan vereinbarten, demnächst gemeinsam zum Schläger zu greifen. Allerdings nicht auf dem Tennisplatz. Seit kurzem gibt es in Rosenheim auch eine eigene Padel-Anlage. Dort wollen sich der Tennis-Macher und der Oberbürgermeister zu einem Match treffen.
Ob es dabei ähnlich spannend wird wie beim Saisonfinale in Mannheim, bleibt abzuwarten. Einen Meisterpokal gibt es dannl jedenfalls nicht zu gewinnen.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild, Fotos: Josefa Staudhammer)





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