Bayern – Almen gehören für viele zum Bild der bayerischen Berge. Doch hinter den alten Gebäuden steckt weit mehr als Bergromantik: Sie erzählen von harter Arbeit, traditioneller Baukunst – und manchmal sogar von berühmten Künstlern oder den Anfängen des Skisports. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege stellt fünf denkmalgeschützte Almen und Alpen in Oberbayern und Schwaben vor.
Wer heute auf eine Alm oder Alpe kommt, sieht vielleicht vor allem eine schöne Landschaft und ein altes Gebäude. Ursprünglich mussten die Bauten vor allem eines sein: praktisch. Sie sollten den Menschen und Tieren Schutz bieten, der Witterung standhalten und mit Materialien aus der Umgebung gebaut werden.
Bis heute haben einige dieser Gebäude viel von ihrer ursprünglichen Struktur bewahrt. Und manches Detail erzählt eine Geschichte, die man beim Vorbeigehen wohl kaum vermuten würde.
Staffelalm bei Jachenau mit Franz Marc-Malerei.
Bildarchiv BLfD/ Bernhard Symank
Auf der Alm wurden Bilder von Franz Marc übermalt
Ein besonders ungewöhnliches Beispiel ist die Staffel- beziehungsweise Rabenkopfalm bei Jachenau im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Das Gebäude wurde nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege um 1868 auf rund 1.320 Metern Höhe errichtet.
Im Inneren befinden sich zwei Wandmalereien von Franz Marc: ein Kuhkopf und die sogenannten „grünen Hirsche“. Marc verbrachte zu Beginn des 20. Jahrhunderts wiederholt die Sommermonate auf der Alm und ließ sich dort zu Tier- und Landschaftsstudien inspirieren.
Das Bemerkenswerte: Die Hirsche waren jahrzehntelang gar nicht zu sehen. Sie waren mit einem dicken Kalkanstrich überdeckt worden. Nach Angaben des Landesamts wurden die Bilder erst in den 1990er Jahren wieder freigelegt. Auf der Website der Alm wird als Grund genannt, dass dem Almpersonal die abstrakten Darstellungen nicht gefallen hätten.
Hintere Längentalalm bei Lenggries. Foto: Tourismus Lenggries
Skitouren mit Petroleumlicht
Auch die Hintere Längentalalm bei Lenggries erzählt eine ungewöhnliche Geschichte. Die vermutlich im 18. Jahrhundert errichtete Alm wurde in den 1920er Jahren vom Skiclub Bad Tölz als Stützpunkt für Skitouren genutzt.
Die Sportler mussten damals zu Fuß zu der abgelegenen Alm gelangen. Dort übernachteten sie bei Petroleumlicht und Kerzenschein, bevor es auf Skitour ging. Das historische Gebäude steht damit nicht nur für die Almwirtschaft, sondern auch für die frühen Anfänge des Wintersports an der Benediktenwand.
Auch sie hat eine Geschichte zu erzählen: die Bäckeralm bei Inzell. Foto: Copyright Bäckeralm
Vom Stall bis zum Wohnraum unter einem Dach
Die Bäckeralm bei Inzell entstand bereits 1799. Sie liegt auf rund 1.067 Metern Höhe am Teisenberg und wird seit der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg auch gastronomisch genutzt.
Trotzdem sind Alm und ehemaliger Stallstadel nach Angaben des Landesamts weitgehend original erhalten. Eine massive Trennwand erinnert noch an die frühere offene Feuerstelle. Die Holzbalkendecken sind vom Rauch der vergangenen Jahrzehnte beziehungsweise Jahrhunderte dunkel gefärbt.
Auch der Name der Alm hat eine Geschichte: Er geht auf den Hofnamen „Beim Bäck“ zurück.
Idyllisch gelegen und ebenfalls einiges zu erzählen hat auch die Alpe Breitengehen in Oberstdorf. Foto: Copyright Alpe Breitengehen
Namen in den Balken erzählen von früheren Bewohnern
Im Allgäu heißen die Almen meist Alpen. Zwei davon befinden sich im Rappenalptal bei Oberstdorf.
Die Alpe Breitengehren liegt auf rund 1.150 Metern Höhe und wurde erstmals 1746 urkundlich erwähnt. Der heute erhaltene Gebäudekern wurde bei einer Untersuchung der verbauten Hölzer auf etwa 1803 datiert.
Besonders spannend sind die Spuren der Menschen, die dort lebten und arbeiteten: In Balken und Türen finden sich eingeschnitzte Initialen und Namen.
Eine weitere Besonderheit ist die Bauweise. Die Ställe liegen auf beiden Seiten und umgeben in der Mitte die Sennküche und den Wohnbereich. Das ist nach Angaben des Landesamts eine im Allgäu ungewöhnliche Anordnung.
Die Alpe wurde 1894 von Prinzregent Luitpold gekauft und in sein Jagdgebiet, den sogenannten Prinzenbogen, einbezogen. Heute gehört sie zur „Manfred Kurrle Naturschutzstiftung Allgäuer Hochalpen“.
Auch die Buchrainer Alpe am Eingang des Rappenalptals geht in ihrer Geschichte bis ins 17. Jahrhundert zurück. Das heutige Gebäude wurde im frühen 19. Jahrhundert weitgehend neu errichtet. Auch sie gehörte einst zum Jagdrevier von Prinzregent Luitpold und ist heute Teil der „Manfred Kurrle Naturschutzstiftung Allgäuer Hochalpen“.
Mehr als alte Hütten
Für Generalkonservator Prof. Mathias Pfeil vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege sind die Gebäude deshalb mehr als idyllische Motive aus den Bergen. Sie zeigen nach seiner Einschätzung, wie Menschen früher unter schwierigen Bedingungen lebten und arbeiteten und welche handwerklichen Lösungen sie dafür entwickelten.
Gerade das macht die alten Almen und Alpen interessant: In ihren Mauern, Balken und Wandflächen steckt ein Stück Alltagsgeschichte – von der Almwirtschaft über die frühe Skitour bis hin zu den Spuren eines berühmten Malers.
(Quelle: Pressemitteilung Bayerisches Landesamt für Denklmalpflege / Beitragsbild, Fotos: Copyright Bilcarchiv BLfD/Bernhard Symank // Maria Mangold // Bildarchiv BLfD/Friedrich Karl Krösser // Fotos: Bäckeralm / Foto: Copyright Buchrainer Alpe // Foto: Copyright Tourismus Lenggries)






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