Bayern – Nach zähen Verhandlungen haben Arbeitgeber und Gewerkschaft im bayerischen Einzelhandel einen Tarifabschluss erzielt. Die Löhne und Gehälter steigen über eine Laufzeit von 25 Monaten in zwei Schritten: zum 1. August 2026 um 3,0 Prozent und zum 1. Mai 2027 um weitere 2,0 Prozent.
Auch die Ausbildungsvergütungen werden angepasst. Die Erhöhungen treten jeweils zum 1. September in Kraft. In den unteren Entgeltgruppen fallen die Steigerungen teilweise höher aus. Hintergrund sind der gesetzliche Mindestlohn und tarifliche Untergrenzen.
Der Abschluss folgt einer Vereinbarung, die zuvor als Pilotabschluss in Nordrhein-Westfalen erzielt worden war.
Handelsverband spricht von schwierigen Verhandlungen
Der Handelsverband Bayern (HBE) bewertet den Abschluss als Kompromiss. Nach Angaben des Verbands hätten die Arbeitgeber in den Verhandlungen auf eine Vereinbarung gedrängt, die für die Unternehmen wirtschaftlich tragbar sei und zugleich Planungssicherheit schaffe.
Die tarifpolitische Geschäftsführerin des HBE, Dr. Melanie Eykmann, bezeichnete die Verhandlungen als schwierig:
„Diese Tarifrunde war ein zähes Ringen. Die Gewerkschaft ist mit völlig überzogenen Forderungen gestartet. Angesichts der wirtschaftlichen Realität im Einzelhandel war das schlicht nicht vermittelbar.“ Auch mit dem nun erzielten Ergebnis zeigt sich Eykmann nach Angaben des Handelsverbands nicht uneingeschränkt zufrieden: „Einzelhandelsunternehmen sind keine Selbstbedienungsläden für immer neue Lohnforderungen. Die Kostenexplosion trifft den Handel mit voller Wucht, während gleichzeitig die Kunden beim Konsum zurückhaltend bleiben.“ Zum Tarifabschluss sagte sie: „Begeisterung sieht ehrlicherweise anders aus. Aber Tarifpolitik ist kein Wunschkonzert.“
Kritik äußerte Eykmann außerdem an den politischen Rahmenbedingungen für den Einzelhandel. Sie sagte: „Wenn die Politik den Handel mit immer neuen Kosten und Auflagen überzieht, darf sie sich nicht wundern, wenn Standorte verschwinden und Arbeitsplätze verloren gehen.“
Der Handelsverband Bayern vertritt nach eigenen Angaben die wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Interessen des bayerischen Einzelhandels. Nach Verbandsangaben gehören ihm rund 58.000 Handelsunternehmen mit etwa 320.000 Beschäftigten und einem jährlichen Umsatz von mehr als 70 Milliarden Euro an.
(Quelle: Pressemitteilung Handelsverband Bayern / Beitragsbild: Symbolfoto re)


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