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Ein Blick in das Geschäft von I. Sigl

Postkarte mit der Fassade des Rosenheimer Geschäfts I.Sigl in Rosenheim. Foto: Archiv Herbert Borrmann

Karin Wunsam

Schreibt immer schon leidenschaftlich gern. Ihre journalistischen Wurzeln liegen beim OVB-Medienhaus. Mit der Geburt ihrer drei Kinder verabschiedete sie sich nach gut 10 Jahren von ihrer Festanstellung als Redakteurin und arbeitet seitdem freiberuflich für die verschiedensten Medien-Unternehmen in der Region Rosenheim.

17. September 2026

Lesezeit: 2 Minute(n)

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Rosenheim – Unsere fotografische Zeitreise geht heute zurück in die Zeit um 1909 – diesmal allerdings mit einer kleinen Besonderheit: Wir zeigen kein historisches Foto, sondern eine alte Postkarte. Und die hat es durchaus in sich. Denn sie gibt nicht nur einen Blick auf ein Rosenheimer Geschäft, sondern auch ins Innere eines Hauses, in dem einst mit Leder und Schuhen gehandelt und gearbeitet wurde.

Auf der Fassade ist deutlich „I. Sigl“ zu lesen, darunter „Cäzilia Sigl“. In den Schaufenstern stehen die Begriffe „Lederhandlung“ und „Schäfte-Fabrikation“. Der Poststempel auf der Karte stammt aus dem Jahr 1909. Das bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass die Aufnahme selbst in diesem Jahr entstanden ist – sicher ist, dass die Postkarte 1909 verschickt wurde.

Besonders spannend ist der Blick in das Geschäft. Auf der Innenaufnahme sind zahlreiche Fläschchen, Gläser und Tiegel zu sehen. Die Auslagen sind aufwendig gestaltet, sogar Palmwedel schmücken die Präsentation.Was genau sich in den kleinen Gefäßen befand, lässt sich anhand der Postkarte nicht mehr sicher sagen. Im Zusammenhang mit einem Leder- und Schuhgeschäft könnten darunter beispielsweise Lederpflegemittel, Farben oder andere für das Handwerk benötigte Produkte gewesen sein.

Was bedeutete „Schäfte-Fabrikation“?

Der Begriff klingt heute ungewohnt. Mit „Schäften“ sind bei Schuhen und Stiefeln die oberen Teile gemeint – also der Teil über der Sohle, der den Fuß beziehungsweise bei Stiefeln auch das Bein umschließt. In dem Geschäft wurde also nicht nur Leder verkauft. Offenbar wurden auch solche Schuhschäfte hergestellt.

Der Name Sigl taucht später erneut in der Geschichte des Hauses am Ludwigsplatz auf. Eine historische Aufnahme aus den 1910er beziehungsweise 1920er Jahren wird mit „Ignaz Sigl’s Witwe“ und „Inhaber Alfons Sigl“ bezeichnet. Das legt nahe, dass es sich bei dem „I. Sigl“ auf unserer Postkarte um Ignaz Sigl handelt. Die genaue Familiengeschichte lässt sich anhand der Postkarte allein allerdings nicht vollständig rekonstruieren.
Fest steht: Der Name Sigl gehörte in Rosenheim schon früh zur Geschichte des Schuh- und Lederhandels. Später übernahm Alfons Sigl das Geschäft. Das Stadtarchiv Rosenheim berichtet, dass er 1919 das sogenannte Daumann-Haus am Ludwigsplatz am Eingang zum Mittertor erwarb. Sein bereits bestehendes, 1881 gegründetes Geschäft wollte er mit dem neu erworbenen Eckhaus verbinden und vergrößern.

Und genau dabei kam es zu einer Geschichte, die heute fast unglaublich klingt: Am 1. März 1920 brach das Eckhaus während der Umbauarbeiten seitlich auseinander. Ein tragender Eckpfeiler aus Huglfinger Tuffstein hatte den Belastungen nicht standgehalten. Glücklicherweise waren weder die Bewohner noch die Bauarbeiter im Gebäude, sodass niemand verletzt wurde.
Schon im August 1920 stand dort wieder ein neues Sigl-Geschäftshaus – größer und moderner und sogar um ein Stockwerk höher. Die geplante geschlossene Häuserfront bis zum Gietlhaus wurde schließlich erst in den 1930er Jahren verwirklicht.

Unsere alte Postkarte zeigt damit einen deutlich früheren Ausschnitt aus dieser Geschichte: ein Rosenheimer Geschäft, wie es vor mehr als 115 Jahren ausgesehen hat. „Lederhandlung“ und „Schäfte-Fabrikation“ erzählen dabei ganz nebenbei davon, wie vielfältig ein Schuhgeschäft damals arbeiten konnte.
(Quelle: Beitragsbild: Archiv  Herbert Borrmann / Artikel: Karin Wunsam)

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