Rosenheim – Unsere fotografische Zeitreise geht heute zurück in die Zeit um 1920. Auf der historischen Aufnahme sehen wir das Rosenheimer Kapuzinerkloster – allerdings nicht so, wie viele es heute kennen. Im Mittelpunkt steht diesmal nicht das Gebäude, sondern der großzügige Garten mit einem Springbrunnen, einer hohen Wasserfontäne und üppiger Blütenpracht. Im Hintergrund sind mehrere Menschen bei der Gartenarbeit zu erkennen.
Der Garten des Kapuzinerklosters war damals offenbar eine Welt für sich. Rund um den Brunnen erstrecken sich gepflegte Beete, dazwischen blüht es dicht und üppig. Weiter hinten sind Mönche bei der Arbeit zu sehen. Ein ganz anderes Bild als heute: Das ehemalige Klosterareal ist inzwischen zum Wohnheim für Studenten geworden.
Ein Kloster mit wechselvoller Geschichte
Die Geschichte der Kapuziner in Rosenheim reicht allerdings noch viel weiter zurück. Das erste Rosenheimer Kapuzinerkloster entstand bereits 1606. Es befand sich dort, wo später die Saline und heute das Kultur- und Kongresszentrum stehen. Im Zuge der Säkularisation wurde das Kloster 1803 aufgehoben und in den folgenden Jahren abgerissen. Auf dem Gelände entstand später die Rosenheimer Saline.
1853 wurde die Wiedererrichtung des Kapuzinerklosters beschlossen. Die Stadt stellte dem Orden das Gelände rund um die Sebastianskapelle zur Verfügung. 1856 wurde die umgebaute Kapelle eingeweiht. Weil sie für die wachsende Zahl der Gläubigen bald zu klein war, wurde die Klosterkirche später deutlich erweitert.
Auch der große Garten gehörte zum Klosterleben. Klöster waren traditionell auf ein gewisses Maß an Selbstversorgung angewiesen. Im Rosenheimer Klostergarten wurden unter anderem Obst und Gemüse angebaut. Noch Jahrzehnte später erinnern sich Berichte an die weitläufigen Außenanlagen und an die Nutzung des Gartens.
Ein Garten in schwierigen Zeiten
Die Aufnahme dürfte aus einer Zeit stammen, in der das Kloster nicht nur ein religiöser Ort, sondern auch eine wichtige Anlaufstelle für Menschen in Not war. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden an der Klosterpforte nach Angaben des Stadtarchivs täglich bis zu 200 Bedürftige gespeist.
Vor diesem Hintergrund bekommt die Gartenarbeit auf unserem historischen Foto noch einmal eine besondere Bedeutung. Was heute wie eine idyllische Gartenansicht wirkt, war für die Bewohner des Klosters auch Teil des alltäglichen Lebens und der Versorgung.
Und dann ist da noch dieser Brunnen. Mitten in der Gartenanlage steht das Becken mit seiner hohen Wasserfontäne. Ein Detail, das auf einer solchen historischen Aufnahme leicht zum eigentlichen Blickfang wird – gerade weil von diesem Wasserspiel heute nichts mehr zu sehen ist.
Vom Kloster zum Studentenwohnheim
Die Kapuziner blieben mehr als 160 Jahre an diesem Ort. Nach einem stetigen Rückgang der Zahl neuer Ordensmitglieder wurde der Konvent schließlich 2017 geschlossen. Das historische Areal wurde danach umgebaut und neu genutzt.
Heute befindet sich dort das Studierendenwohnheim St. Sebastian. 2023 wurde die Umgestaltung des ehemaligen Klosterareals abgeschlossen. Rund 60 Studierende finden dort Wohnraum.
Vom einstigen Garten ist ein Teil erhalten geblieben. Der Springbrunnen mit seiner Wasserfontäne aber gehört längst der Vergangenheit an.
Und genau deshalb lohnt sich bei diesem alten Foto der zweite Blick: Nicht nur das Kloster selbst hat sich verändert. Auch der große Garten erzählt von einer Zeit, in der mitten am Rosenheimer Stadtrand Gemüsebeete, Blumen und ein prächtiger Springbrunnen zum Alltag eines Kapuzinerklosters gehörten.
(Quelle: Beitragsbild: Archiv Herbert Borrmann / Artikel: Karin Wunsam)


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