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Jahresempfang der Diakonie in Bad Aibling: Wie viel Verantwortung fürs Gemeinwohl ist freiwillig?

Dr. Andreas Dexheimer, Militärdekan Jochen Bernhard, Dekanin Dagmar Häfner-Be-cker und Prof. Dr. Christian Albrecht (v.l.n.r). Foto: Copyright Lena Erhard-Diakonie Rosenheim

Karin Wunsam

Schreibt immer schon leidenschaftlich gern. Ihre journalistischen Wurzeln liegen beim OVB-Medienhaus. Mit der Geburt ihrer drei Kinder verabschiedete sie sich nach gut 10 Jahren von ihrer Festanstellung als Redakteurin und arbeitet seitdem freiberuflich für die verschiedensten Medien-Unternehmen in der Region Rosenheim.

18. September 2026

Lesezeit: 2 Minute(n)

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Bad Aibling / Landkreis Rosenheim – Wie gewinnt man Menschen dafür, Verantwortung für das Gemeinwohl zu übernehmen – und wo beginnt dabei die Pflicht? Über diese Frage diskutierten rund 150 Gäste beim gemeinsamen Jahresempfang der Bezirksstelle der Diakonie Bayern in Rosenheim und des Evangelisch-Lutherischen Dekanats Rosenheim in Bad Aibling (Landkreis Rosenheim). Auch die aktuelle Debatte über Wehrpflicht und Gesellschaftsjahr wurde dabei thematisiert.

Moderiert wurde die Gesprächsrunde von Dekanin Dagmar Häfner-Becker und Dr. Andreas Dexheimer, Vorstand und Sprecher der Geschäftsleitung der Diakonie Rosenheim. Landrat Otto Lederer betonte in seinem Grußwort, dass vieles, was die Gesellschaft zusammenhalte, in Vereinen, Kirchen, sozialen Einrichtungen, bei Feuerwehren und Hilfsorganisationen sowie im persönlichen Umfeld geschehe. Dieses Engagement könne der Staat weder verordnen noch ersetzen. Gleichzeitig sprach er sich dafür aus, neben der Förderung freiwilligen Engagements auch über Pflichten gegenüber dem Gemeinwesen zu diskutieren.

Selbstwirksamkeit statt Pflicht

Prof. Dr. Christian Albrecht, Professor für Praktische Theologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, stellte die Frage, wie Verantwortungsbereitschaft entsteht. Menschen müssten früh erfahren können, dass sie selbst etwas bewirken können. Kindergarten und Schule könnten dafür wichtige Voraussetzungen schaffen. Ebenso wichtig sei, dass Menschen ihr Engagement als sinnvoll empfänden. „Wir müssen den Menschen nicht nur fragen: Was kannst du tun? Sondern vielmehr: Wer willst du eigentlich sein?“, sagte Albrecht.

Pfarrer Jochen Bernhard, Militärdekan am Evangelischen Militärpfarramt Neubiberg und an der Universität der Bundeswehr München, sagte: „Verantwortung heißt für mich, aufeinander bezogen zu bleiben, einander wahrzunehmen und daraus dann auch die Konsequenzen abzuleiten“. Zugleich verwies er darauf, dass sich die Formen des Engagements veränderten. Langfristige ehrenamtliche Bindungen würden seltener, während projektbezogenes Engagement an Bedeutung gewinnen könne.

Wehrpflicht und Gesellschaftsjahr

Kritisch betrachteten die Gesprächsteilnehmer eine Vermischung der Debatten über Wehrpflicht und Gesellschaftsjahr mit dem aktuellen Personalmangel bei Bundeswehr und sozialen Einrichtungen.

Albrecht formulierte dazu: „Wenn man ein Stück weit ehrlich ist, dann führen wir diese Diskussion ja heute unter dem Aspekt, dass Personal fehlt – das Personal in der Bundeswehr fehlt, dass es im sozialen Bereich Lücken gibt.“ Er stellte deshalb die Frage, ob es nicht ein „Etikettenschwindel“ sei, die Debatte nachträglich mit Begriffen wie Sinnhaftigkeit und gesellschaftlichem Engagement zu versehen.
Auch Dexheimer sprach sich gegen eine einseitige Verpflichtung junger Menschen aus: „Verantwortung fürs Gemeinwesen ist unverzichtbar, aber sie darf nicht einseitig per Pflicht auf junge Menschen abgewälzt werden“. Wer über eine Dienstpflicht spreche, müsse klären, wofür sie gelten solle und warum sie gerecht sei. „Und wir müssen auch über generationengerechte Verantwortung im gesamten Lebenslauf reden. Aus diakonischer Sicht gilt: Engagement stärken ja, aber keinen Pflichtdienst als Reparaturbetrieb für Lücken im Sozialstaat.“

Zum Abschluss ging es um die Frage, wie unterschiedliche gesellschaftliche Positionen miteinander im Gespräch bleiben können. Häfner-Becker sagte: „Aus christlicher Perspektive gilt es, sich für Frieden zu engagieren. Das geht nicht über Abgrenzung. Vielmehr gilt es, sich gegenseitig zuzuhören, andere Meinungen zuzulassen und nicht pauschal zu urteilen oder zu verurteilen.“ Dafür brauche es Räume in Form von Gebäuden und in Form der Freiheit der Gedanken. 

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion wurde der Jahresempfang mit Essen und Getränken fortgesetzt.
(Quelle: Pressemitteilung Diakonie Rosenheim / Beitragsbild: Copyright Lena Erhard-Diakonie Rosenheim)

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