Rosenheim – Unsere fotografische Zeitreise geht heute zurück in das Jahr 1943. Unser Foto zeigt eine Loretowiese, die man heute kaum wiedererkennt: Statt einer großen Parkfläche erstreckt sich vor dem heutigen Karolinen-Gymnasium eine blühende Wiese. Ein Stück Natur mitten in Rosenheim, das auf der historischen Aufnahme eine ganz besondere Schönheit entfaltet.
Wo heute Autos parken, blühte einst die Wiese
Wer die Loretowiese heute kennt, erlebt sie vor allem als großen Parkplatz, der außerhalb des Herbstfestes zum Abstellen von Autos genutzt wird. Das Foto aus dem Jahr 1943 zeigt eine ganz andere Seite des Areals. Die Wiese wirkt weitläufig, grün und voller Blüten. Ein Anblick, der daran erinnert, wie viel Natur einst zum Rosenheimer Stadtbild gehörte.
Ganz ohne Verkehr und Veranstaltungen war die Loretowiese allerdings auch damals nicht. Sie ist seit Langem ein wichtiger Platz für das öffentliche Leben. Das Rosenheimer Herbstfest findet dort bereits seit 1861 statt. Abseits solcher Veranstaltungen blieb die Fläche jedoch lange eine grüne Wiese. Mit dem zunehmenden Autoverkehr veränderte sich ihr Erscheinungsbild im Laufe des 20. Jahrhunderts. Heute dient sie vor allem als Parkfläche – eine praktische Nutzung, die allerdings wenig von der früheren Blütenpracht erahnen lässt.
Ihren Namen verdankt die Loretowiese der Loretokapelle, die 1635/36 errichtet wurde. Einst prägten außerdem Baumalleen das Bild des Areals.
Das heutige Karolinen-Gymnasium war ein Mädchenlyzeum
Auch das Gebäude im Hintergrund erzählt Geschichte. Das heutige Karolinen-Gymnasium war 1943 noch eine Schule für Mädchen. Die Wurzeln der Einrichtung reichen bis ins Jahr 1890 zurück, als in Rosenheim die „Höhere Töchterschule“ gegründet wurde. Weil die Zahl der Schülerinnen rasch stieg, ließ die Stadt 1907/08 den markanten Altbau an der Ebersberger Straße errichten.
Ein Mädchenlyzeum war eine weiterführende Schule, die Mädchen eine über die Volksschule hinausgehende Allgemeinbildung vermittelte. Der Zugang zu höherer Bildung und zum Universitätsstudium war für Frauen lange deutlich eingeschränkter als für Männer.
Das Jahr 1943 markierte für die Schule einen besonderen Meilenstein: Damals legten dort erstmals Schülerinnen das Abitur ab. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude später als Lazarett genutzt. Nach einer zwischenzeitlichen Verwendung als Krankenhaus kehrte die Schule zurück. Den heutigen Namen Karolinen-Gymnasium erhielt sie 1965. Jungen werden dort erst seit 1987 unterrichtet.
Das Foto aus dem Jahr 1943 hält damit gleich zwei Seiten des alten Rosenheim fest: ein Schulgebäude, das für einen wichtigen Schritt in der Mädchenbildung steht, und eine Loretowiese, deren blühende Schönheit heute kaum noch vorstellbar ist.
(Quelle: Beitragsbild: Archiv Herbert Borrmann / Artikel: Karin Wunsam)


Schön wäre es, die Wiese wieder herzustellen – vielleicht mit einer mehrgeschossigen Tiefgarage darunter. Das Herbstfest – verlegt wohin ? – via Shuttle-Bus erreichbar ?
Lange Zeit habe ich neben der Loretowiese gewohnt, als sie den Namen “ Wiese “ noch verdiente! 😀 Für uns Kinder in den 50er Jahren so schön, den Spielplatz vor der Haustür zu haben! 😀 Außer dem Herbstfest gab es noch ab und zu die Süd-Ost-Messe, auf einem meiner Fotos vom Mai 1957 ist das Holzgerippe der Zelte zu sehen. Ansonsten eine Spielwiese ohne Autos! Wenn da der Onkel in seinem „Schneewittchensarg “ zu Besuch kam war das schon bestaunenswert! 😀 Das Loretkrankenhaus gab es auf alle Fälle 1963 noch . Viele schöne Sommer habe ich auf der Wiese barfuß mit „meinem“ Freund Willi verbracht! 😀 Leider kommen nur noch wenige Kinder in diesen Genuss!