München / Südostoberbayern – Die Wirtschaft in Südostoberbayern zeigt erste Anzeichen einer Erholung. Der regionale IHK-Konjunkturindex ist im Herbst 2026 um elf Punkte auf 109 gestiegen. Damit erreicht er laut IHK einen der höchsten Werte seit knapp vier Jahren. Von einem nachhaltigen Aufschwung kann allerdings noch keine Rede sein: Der Index liegt weiterhin unter seinem langfristigen Durchschnitt von 113 Punkten. Zudem planen mehr Unternehmen einen Stellenabbau als Neueinstellungen.
Die aktuelle Geschäftslage bewerten die Unternehmen besser als noch im Frühjahr. Bei der jüngsten Befragung bezeichneten 39 Prozent ihre Geschäftslage als zufriedenstellend, 15 Prozent waren unzufrieden. Im Frühjahr hatten noch 27 Prozent ihre Lage positiv und 22 Prozent negativ bewertet.
Bei den Erwartungen an die kommenden Monate bleibt die Zurückhaltung groß. Zwar rechnen 19 Prozent der Unternehmen mit einer Verbesserung ihrer Geschäfte, 23 Prozent erwarten dagegen eine Verschlechterung. Die IHK sieht deshalb trotz der besseren aktuellen Geschäftslage keinen bevorstehenden Aufschwung.
Hohe Kosten und wirtschaftspolitische Unsicherheit
Als größte Risiken nennen die befragten Unternehmen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. 67 Prozent sehen darin ein Problem. Hohe Arbeitskosten beschäftigen 61 Prozent der Betriebe, hohe Energie- und Rohstoffpreise 58 Prozent. Auch die Sorge vor einer zu schwachen Inlandsnachfrage betrifft weiterhin mehr als die Hälfte der Unternehmen.
Die IHK führt die verbesserte Geschäftslage unter anderem auf die schuldenfinanzierten Staatsausgaben zurück. Diese könnten die Nachfrage im Inland stützen und für eine bessere Auslastung der Unternehmen sorgen. Gleichzeitig bremsten die Kostenbelastung und die Unsicherheit über die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen nach Einschätzung der IHK die Investitionsbereitschaft.
Das zeigt sich auch in den Plänen der Betriebe: 19 Prozent wollen ihre Investitionen ausweiten, 25 Prozent planen dagegen, weniger zu investieren. Damit überwiegt in Südostoberbayern die Zahl der Unternehmen, die ihre Investitionen zurückfahren wollen.
Mehr Betriebe planen Stellenabbau als Neueinstellungen
Auch auf dem Arbeitsmarkt zeichnet sich laut IHK keine Trendwende ab. Rund zehn Prozent der befragten Unternehmen wollen Beschäftigung aufbauen, etwa 20 Prozent planen dagegen Stellenstreichungen. Die IHK sieht darin eine Folge der hohen Arbeitskosten und der schwachen wirtschaftlichen Aussichten.
IHK-Vizepräsidentin fordert Reformen
Denise Schurzmann, Vizepräsidentin der IHK, bewertet die Entwicklung zwiespältig: „Es geht leicht bergauf, das ist ein Hoffnungsschimmer für die Wirtschaft in Südostoberbayern – wenn auch ein kleiner.“ Zugleich kritisiert sie die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. „Dass die Unternehmen vor allem über die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen klagen, muss jedoch ein Weckruf sein! Statt den Unternehmen den Rücken zu stärken, verschleppt die Politik in Berlin notwendige Reformen. Das hat zur Folge, dass die Firmen auf der Personalbremse stehen und vermehrt im Ausland anstatt bei uns in der Region investieren“, sagte Schurzmann. Insbesondere beim Bürokratieabbau sowie im Steuer- und Sozialsystem sieht sie Handlungsbedarf. Die Region habe grundsätzlich wirtschaftliches Potenzial. Damit neue Unternehmen langfristig vor Ort wachsen, investieren und Arbeitsplätze schaffen könnten, brauche es aus ihrer Sicht verlässlichere Rahmenbedingungen.
Für den Konjunkturbericht befragte die IHK Mitte bis Ende September Unternehmen aus den Landkreisen Berchtesgadener Land, Altötting, Mühldorf und Traunstein sowie aus Stadt und Landkreis Rosenheim. Der Bericht erscheint dreimal im Jahr.
(Quelle: Pressemitteilung IHK für München und Oberbayern / Beitragsbild: Symbolfoto: re)


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