Ein Redner machte bei der Auftaktkundgebung lautstark deutlich, wofür die Teilnehmer auf die Straße gingen. Es ging um mehr Geld für Schulen und bessere Bildung, aber auch um grundlegende gesellschaftliche Veränderungen. Gefordert wurde ein „besseres Leben für alle“ und dass die „Grundbedürfnisse aller Menschen abgesichert sind“. Der Sprecher warb für einen Weg hin zum Sozialismus statt zum Kapitalismus.
Scharfe Kritik richtete er an CSU, SPD und AfD sowie an die Polizeigewerkschaft. Auch die starke Polizeipräsenz sorgte bei den Teilnehmern für Unmut. Davon werde man sich jedoch nicht einschüchtern lassen, betonte der Redner: „Unser Kampf ist gerechtfertigt.“ Ein weiteres Thema war die Ablehnung von Wehrdienst und Kriegstreiberei.
Als sich der Demonstrationszug anschließend durch die Innenstadt in Bewegung setzte, skandierten die Teilnehmer: „Die Deutschen wollen Krieg, die Jugend eine Zukunft“.
Geschäfte schlossen früher – Halloween-Gäste unterwegs
Während die Demonstranten ihre Forderungen auf der Straße kundtaten, richteten sich am Rand der Route viele Blicke auf den Zug. Einige Geschäftsinhaber und Mitarbeiter standen vor ihren Läden und beobachteten das Geschehen mit besorgten Mienen.
Ein Geschäft hatte bereits um 16.45 Uhr geschlossen. An der Eingangstür hing ein Schild mit dem Hinweis, dass dies „aus Sicherheitsgründen“ geschehe. Wir beobachteten, wie ein Ehepaar davor stehen blieb. Die beiden wollten offenbar noch einkaufen und waren von der vorzeitigen Schließung überrascht. Sie fotografierten das Schild, schüttelten den Kopf und gingen schließlich weiter. „So was hätte man sich vor ein paar Jahren auch noch nicht vorstellen können“, meinte der Mann.
Nicht alle, die an diesem Samstagabend in der Innenstadt unterwegs waren, interessierten sich allerdings für die Kundgebung. Viele waren auf dem Weg zu den verschiedenen Halloween-Veranstaltungen und wollten einfach einen fröhlichen Abend verbringen. So trafen die Demonstranten immer wieder auf Menschen in Gruselkostümen. Manche trugen schaurige Masken, andere hatten Kunstblut im Gesicht.
Was an Halloween ganz selbstverständlich dazugehört, wirkte in der angespannten Stimmung dieses Abends plötzlich ungewohnt: Die schaurig geschminkten und verkleideten Menschen bildeten einen eigenartigen Kontrast zum Demonstrationsgeschehen.
Der Demo-Aufruf beschäftigte schon den Stadtrat
Die Demonstration hatte in Rosenheim bereits im Vorfeld für politische Diskussionen gesorgt. Auslöser war der Aufruf des Instagram-Accounts „Gen Z regelt das – Rosenheim“ unter dem Slogan „Auf die Straße wie Frankreich“. Das dazugehörige Plakat zeigte eine gewaltsame Konfrontation zwischen Demonstranten und Polizei.
Am 21. Oktober brachte der Zweite Bürgermeister Daniel Artmann (CSU) das Thema im Stadtrat zur Sprache. Er kritisierte die Bildsprache des Aufrufs und erklärte: „Wir sollten hier in Rosenheim den Riegel vorschieben.“ Oberbürgermeister Abuzar Erdogan berichtete von seinem Kontakt mit der Polizei. Gewalt werde nicht zugelassen, betonte er. (Wir berichteten.)
Fünf Tage vor der Demonstration äußerte sich auch Erdogan auf seinem Instagram-Account. Er betonte das Recht junger Menschen, für ihre Anliegen auf die Straße zu gehen, machte aber ebenso deutlich: „Gewalt und Straftaten haben aber keinen Platz“. Nach eigenen Angaben hatte er sich im Vorfeld mit der Polizei über die bevorstehende Versammlung ausgetauscht.
Die Reaktionen auf seinen Beitrag fielen unterschiedlich aus. Während einige Nutzer angesichts der Bilder aus Frankreich ihre Sorge vor möglichen Ausschreitungen in Rosenheim äußerten, hielten andere die Warnungen im Vorfeld für überzogen. Sie mahnten, friedlich demonstrierende junge Menschen nicht bereits vorab unter einen Generalverdacht zu stellen.
In anderen Städten kam es zu Ausschreitungen
Dass die Befürchtungen vor dem Demonstrationssamstag nicht nur Rosenheim beschäftigten, zeigte sich auch andernorts. Bundesweit waren am 31. Oktober in mehr als 30 Städten Aktionen der Initiative „Gen Z regelt“ angekündigt. Während viele Kundgebungen friedlich verliefen, kam es in mehreren Städten zu teils erheblichen Auseinandersetzungen.
In Bayern war insbesondere Nürnberg betroffen. Dort nahmen nach Angaben des Polizeipräsidiums Mittelfranken in der Spitze rund 2.000 Menschen an einer Demonstration teil. Im Verlauf des Aufzugs warfen einzelne Teilnehmer Flaschen, Steine und Böller in Richtung der Einsatzkräfte. Ein Teilnehmer wurde durch einen Böllerwurf verletzt. Im weiteren Verlauf setzte die Polizei mehrere Personengruppen vorläufig fest. Insgesamt stellten die Beamten bei mehr als 200 Menschen die Identität fest. Auch Sachbeschädigungen wurden gemeldet.
In Frankfurt kam es nach zunächst weitgehend friedlichem Verlauf der Demonstration am Abend in der Innenstadt zu Ausschreitungen. Im Bereich der Einkaufsstraße Zeil wurden Schaufensterscheiben eingeschlagen und Geschäfte geplündert. Außerdem kam es zu Angriffen auf Polizeibeamte.‘
Auch in Hamburg musste die Polizei wiederholt eingreifen. Dort wurden Einsatzkräfte mit Steinen, Pyrotechnik und anderen Gegenständen beworfen. Nach dem vorzeitigen Ende der Demonstration kam es im Umfeld des Hauptbahnhofs zu weiteren Störungen. Die Polizei setzte bei Räumungen auch einen Wasserwerfer ein.
Die Ereignisse in den verschiedenen Städten zeigten ein unterschiedliches Bild der bundesweiten Proteste: Neben zahlreichen friedlichen Kundgebungen gab es auch Gruppen, aus denen heraus es zu Angriffen, Sachbeschädigungen und Plünderungen kam. In Rosenheim blieb es nach den bisherigen Beobachtungen von Innpuls.me bei einer friedlichen Demonstration.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild, Fotos: Josefa Staudhammer)






0 Kommentare