Rosenheim / Bayern -Heute, am 1. November, ist Allerheiligen. Auch auf dem Städtischen Friedhof am Kapuzinerkloster in Rosenheim kommen am Nachmittag Menschen zusammen, um der Verstorbenen zu gedenken. Der Gräberumgang beginnt dort um 15 Uhr. Doch warum werden die Gräber gerade an Allerheiligen gesegnet? Welche Bedeutung hat der Tag, seit wann gibt es ihn und wo in Deutschland ist er ein gesetzlicher Feiertag?
Allerheiligen und Allerseelen haben unterschiedliche Bedeutungen
Allerheiligen ist ein Hochfest der katholischen Kirche. An diesem Tag wird aller Heiligen gedacht – nicht nur jener, die offiziell heiliggesprochen wurden, sondern auch der vielen Menschen, die nach christlichem Glauben bei Gott vollendet sind, deren Namen aber niemand kennt.
Das Gedenken an die Verstorbenen hat einen eigenen kirchlichen Feiertag: Allerseelen am 2. November. An diesem Tag betet die katholische Kirche für alle Verstorbenen. In der Praxis sind beide Tage eng miteinander verbunden. Schon an Allerheiligen versammeln sich vielerorts die Menschen auf den Friedhöfen, nehmen an Gräbersegnungen teil und erinnern sich an ihre verstorbenen Angehörigen.
Dass die Gräbersegnungen häufig bereits am 1. November stattfinden, hat auch einen praktischen Grund: Allerheiligen ist in Bayern ein gesetzlicher Feiertag. So können mehr Angehörige an den gemeinsamen Andachten teilnehmen. Die Grablichter, die an diesem Tag besonders zahlreich auf den Friedhöfen zu sehen sind, stehen im christlichen Glauben für das Licht und die Hoffnung auf Auferstehung.
Seit wann gibt es Allerheiligen?
Die Ursprünge des Festes reichen bis ins 4. Jahrhundert zurück. Damals gab es im Osten der Christenheit bereits gemeinsame Gedenkfeiern für alle Märtyrer. Mit der Zeit entwickelte sich daraus das Fest, an dem nicht nur einzelner Heiliger, sondern aller Heiligen gedacht wird.
Der Termin am 1. November setzte sich im westlichen Christentum im 8. Jahrhundert durch. Eine wichtige Rolle spielte dabei die irische Tradition, von der aus sich das Datum über Missionare auf dem europäischen Festland verbreitete. Im Jahr 835 wurde der 1. November unter Papst Gregor IV. und Kaiser Ludwig dem Frommen für die gesamte westliche Kirche festgelegt.
Allerseelen entstand später. Im Jahr 998 führte Abt Odilo von Cluny in den Klöstern seines Einflussbereichs einen eigenen Gedenktag für alle verstorbenen Gläubigen am 2. November ein. Von dort verbreitete sich der Brauch in der katholischen Kirche.
In fünf Bundesländern ist Allerheiligen ein Feiertag
In Deutschland ist Allerheiligen nicht überall arbeitsfrei. Ein gesetzlicher Feiertag ist der 1. November in Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland. In den übrigen elf Bundesländern ist es ein normaler Arbeitstag.
In Bayern gilt Allerheiligen außerdem als sogenannter stiller Tag. Der besondere Schutz beginnt um 2 Uhr nachts und dauert bis Mitternacht. Öffentliche Unterhaltungsveranstaltungen sind in dieser Zeit nur erlaubt, wenn sie dem ernsten Charakter des Tages entsprechen. Öffentliche Tanzveranstaltungen sind grundsätzlich untersagt. Das sogenannte Tanzverbot soll dem religiösen und besinnlichen Charakter von Allerheiligen Rechnung tragen.
Gräberumgang in Rosenheim beginnt um 15 Uhr
Der zentrale Termin in Rosenheim ist der Gräberumgang auf dem Städtischen Friedhof am Kapuzinerkloster. Dort beginnt um 15 Uhr das Totengedenken mit anschließender Gräbersegnung. Zusätzliche Gottesdienste, Andachten und Gräbersegnungen finden heute auch auf den Friedhöfen in den Rosenheimer Stadtteilen statt.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild: Symbolfoto re)


0 Kommentare