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„Gspenstermacher“ in Rosenheim: Makaber, bayerisch, saukomisch

Volksbühne St. Nikolaus. Gspenstermacher Oktober 2026. Foto:s: Josefa Staudhammer

Karin Wunsam

Schreibt immer schon leidenschaftlich gern. Ihre journalistischen Wurzeln liegen beim OVB-Medienhaus. Mit der Geburt ihrer drei Kinder verabschiedete sie sich nach gut 10 Jahren von ihrer Festanstellung als Redakteurin und arbeitet seitdem freiberuflich für die verschiedensten Medien-Unternehmen in der Region Rosenheim.

1. November 2026

Lesezeit: 4 Minute(n)

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Rosenheim – Passender hätte der Premierenabend kaum sein können: Während draußen Halloween gefeiert wurde, spukte es auch auf der Bühne des Rosenheimer Künstlerhofs. Mit dem makabren Schwank „Gspenstermacher“ ließ die Volksbühne Rosenheim St. Nikolaus am Samstagabend Geister auf das Publikum los – und sorgte für viele Lacher. Nach rund zehn Jahren kehrt das beliebte Stück zurück, zu einem großen Teil mit der Besetzung der damaligen Inszenierung. Doch die Neuauflage lebt nicht nur von vertrauten Gesichtern: Das Ensemble hat seine Rollen weiterentwickelt und präsentiert eine turbulente Komödie voller schwarzem Humor, bayerischer Mundart und überraschender Wendungen.

Ein kleines Video von der Generalprobe.

Der „Gspenstermacher“ stammt aus der Feder des Münchner Autors Ralph Wallner. Das 2011 veröffentlichte Stück verbindet schräge Figuren, derben Wortwitz und makabre Einfälle – eine Mischung, die auch bei der Rosenheimer Premiere bestens funktioniert.

Zwei Totengräber als komödiantisches Herzstück

Schippe und Schaufe haben ein Problem: Die Dorfbewohner erfreuen sich bester Gesundheit, doch die beiden Totengräber werden inzwischen pro Beerdigung bezahlt. Ihre Kasse bleibt leer, und so entwickeln sie ihre ganz eigenen Vorstellungen davon, wie sich die Auftragslage verbessern ließe. Ihr Motto ist entsprechend makaber: „Nur a Leich’ macht uns reich!“

Volksbühne St. Nikolaus. Gspenstermacher Oktober 2026. Foto:s: Josefa Staudhammer

Einem Geist begegnet man nicht alle Tage – der Schreck ist groß bei Totengräber Schippe (Peter Kirmair). Die Moorwirtin (Marion Winkler) ist sich indessen noch nicht bewusst, dass sie inzwischen ein Gespenst ist. Fotos: Copyright Josefa Staudhammer

Peter Kirmair als Schippe und Hannes Ginthör als dessen Bruder Schaufe tragen die Komödie mit einem Zusammenspiel, das vom ersten Schlagabtausch an überzeugt. Kirmair liegt das Schrullig-Morbide, das er bereits als Boandlkramer im Klassiker „Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben“ gezeigt hat. Als grantiger, waschscheuer Schippe setzt er auf ausdrucksstarke Mimik, körperliches Spiel und ein ausgezeichnetes Gespür für den richtigen Moment.

Ginthör bildet dazu das ideale Gegenstück. Die beiden spielen sich die Pointen zu, steigern sich gegenseitig in ihre absurden Gedankengänge hinein und treffen auch bei den Slapstick-Szenen den richtigen Takt. Dass sie diese Rollen schon bei der früheren Rosenheimer Inszenierung gemeinsam gespielt haben, zahlt sich aus. Ihr Zusammenspiel wirkt eingespielt, aber nicht abgespult. Die Figuren sind lebendig geblieben – und das macht die beiden Totengräber zum komödiantischen Herzstück des Abends.

Volksbühne St. Nikolaus. Gspenstermacher Oktober 2026. Foto:s: Josefa Staudhammer

Kartenlegerin Philomena (Monika Fath) löst den Fluch aus und damit kommt die skurrile Geschichte erst so richtig in Fahrt.

Giftige Wortgefechte und ein Fluch mit Folgen

In der Moorwirtschaft treffen mit der Wirtin Rosa Moderer und der wohlhabenden Witwe Vevi Veichtl zwei Frauen aufeinander, die sich nichts schenken. Marion Winkler und Doris Reuter liefern sich als die beiden streitbaren Damen bissige Wortgefechte. Ihr gegenseitiges Gifteln gehört zu den unterhaltsamen Momenten des Stücks und bildet einen reizvollen Kontrast zum Männerduo Schippe und Schaufe.

Für die geheimnisvolle Seite des Geschehens sorgt Monika Fath als Kartenlegerin Philomena. Mit ausdrucksstarker Mimik und Gestik gibt sie der exzentrischen Dorffigur eine besondere Präsenz. Ihre Prophezeiungen und ein ausgesprochener Fluch bringen die Geistergeschichte erst richtig ins Rollen. Helmut Dengl spielt den Schuster-Jackl, der ebenfalls seine eigenen Interessen verfolgt. Als erfahrener Darsteller fügt er sich sicher in das Ensemble ein – auch wenn seine Figur nicht gerade zu den Sympathieträgern gehört.

Mit Lisa Sebald als vermeintlicher Nichte Lena und Thomas Wratzlawek als Knecht Leo kommen zwei weitere Darsteller ins Spiel. Beide sind neu bei dieser Inszenierung, bringen aber bereits reichlich Bühnenerfahrung mit. Sie fügen sich überzeugend in die Gruppe ein und sorgen für frischen Schwung.

Volksbühne St. Nikolaus. Gspenstermacher Oktober 2026. Foto:s: Josefa Staudhammer

Drei Frauen – und alle sind nicht gerade zimperlich im Umgang miteinander: von links: Moorwirtin Rosa Moderer (Marion Winkler), Witwe Vevi Veichtl (Doris Reuter) und Karrtenlegerin Philomena (Monika Fath)

Schwarzer Humor in der heruntergekommenen Moorwirtschaft

Was den „Gspenstermacher“ auszeichnet, ist das Zusammenspiel vieler kleiner Geschichten, die sich auf der Bühne nach und nach zu einem turbulenten Ganzen verbinden. „Da finden viele Geschichten gleichzeitig auf der Bühne statt“, beschreibt Lisa Sebald im Gespräch mit Innpuls.me einen besonderen Reiz des Stücks. Tatsächlich bleibt es in der Moorwirtschaft selten lange bei einer Sache: Während Schippe und Schaufe um ihre Einnahmen bangen, werden zwischen den anderen Figuren eigene Rechnungen beglichen und Geheimnisse offenbar. Der Gespensterfluch sorgt zusätzlich für reichlich Verwirrung. Wie sich alles auflöst, bleibt lange offen.

Regisseur Richard Martl hat die Inszenierung nach rund zehn Jahren bewusst nicht einfach wiederholt. „Ganz im Gegenteil. Die Theaterspieler haben sich ja in den vergangenen zehn Jahren weiterentwickelt und wir haben auch ihre Rollen weiterentwickelt“, erklärte er im Gespräch mit Innpuls.me. Dass diese Entwicklung gelungen ist, zeigt sich im Zusammenspiel des Ensembles: Die vertraute Besetzung wirkt eingespielt, ohne vorhersehbar zu sein.

Dazu gehört auch die bisweilen derbe Sprache. Die Dialoge sind unverblümt, manchmal ziemlich deftig – und gerade deshalb passend zu den beiden Totengräbern, die in ihrem Alltag wenig Berührungsängste mit dem Tod haben. Wenn sie sich darüber beklagen, dass die Dorfbewohner einfach nicht sterben wollen, wird daraus schwarzer Humor, der nicht zimperlich ist. Die bayerische Mundart gibt den Figuren dabei eine zusätzliche Direktheit und macht den Wortgefechten ihren besonderen Reiz.

Auch das Bühnenbild trägt zur Wirkung bei. Die liebevoll ausgestaltete, heruntergekommene Moorwirtschaft lässt das Publikum unmittelbar in die Welt des Stücks eintauchen. Dazu kommen überraschende Einfälle: Eine „tote Maus“ fliegt plötzlich in Richtung Zuschauerraum. Der unerwartete Moment passt zum schrägen Humor des Abends und sorgt für zusätzliche Heiterkeit.

Dass bei einer Generalprobe nicht jeder Satz auf Anhieb sitzt, gehört zum Live-Theater. Auch diesmal gab es kleinere Texthänger. Die Darsteller ließen sich davon jedoch nicht aus der Ruhe bringen und überspielten die Unsicherheiten souverän. Das Spiel blieb im Fluss.

Drei Monate Proben – und viel zu lachen

Hinter der Premiere steckt eine intensive Vorbereitungszeit. Drei Monate lang probte das Ensemble, meist dreimal pro Woche. Für die ehrenamtlichen Darsteller und die Helfer hinter den Kulissen bedeutete das viele Stunden Einsatz neben Beruf und Alltag. Dass dabei offenbar auch der Spaß nicht zu kurz kam, verriet Lisa Sebald im Gespräch mit Innpuls.me: „Wir haben selten so viel gelacht, wie bei diesen Proben.“

Die Spielfreude war auch bei der Premiere spürbar. Die Volksbühne verbindet in ihrer Inszenierung schwarzen Humor, bayerische Mundart und ein spielfreudiges Ensemble zu einem unterhaltsamen Theaterabend. Statt den Geisterspuk auf bloßen Grusel zu reduzieren, macht sie daraus eine Komödie, in der selbst der Tod Anlass zum Lachen gibt.

Neun weitere Aufführungen stehen im Künstlerhof am Ludwigsplatz  noch auf dem Programm. Die nächste Vorstellung findet am Freitag, 6. November, statt. Karten sind aktuell noch erhältlich. Termine und weitere Informationen gibt es auf der Internetseite der Volksbühne Rosenheim St. Nikolaus.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / 

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