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Hochwasserschutz in Rosenheim-Oberwöhr: Warum Anwohner weiter um ihre Sicherheit bangen

Informationsgang bei der Mangfall im Oktober 2026 mit Rosenheims Oberbürgermeister Abuzar Erdogan. Fotomontage: Josefa Staudhammer

Karin Wunsam

Schreibt immer schon leidenschaftlich gern. Ihre journalistischen Wurzeln liegen beim OVB-Medienhaus. Mit der Geburt ihrer drei Kinder verabschiedete sie sich nach gut 10 Jahren von ihrer Festanstellung als Redakteurin und arbeitet seitdem freiberuflich für die verschiedensten Medien-Unternehmen in der Region Rosenheim.

6. November 2026

Lesezeit: 4 Minute(n)

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Oberwöhr / Rosenheim – Die Schutzanlagen sind verbessert, die technischen Vorgaben nach Einschätzung der Fachbehörden sogar mehr als erfüllt. Doch im Rosenheimer Stadtteil Oberwöhr fühlen sich längst nicht alle Bewohner damit sicher. Bei einem Informationsrundgang mit Oberbürgermeister Abuzar Erdogan wurde deutlich, wie weit die Einschätzungen zum Hochwasserschutz auseinanderliegen. Vor allem die Bebauung der Kainwiese und ein Versprechen aus der Zeit nach der Flutkatastrophe 2013 beschäftigen manche Anwohner bis heute.

Blick auf Mangfall bei Oberwöhr. Foto: Josefa Staudhammer

Ganz nah an der Mangfall entsteht aktuell in Oberwöhr ein neues Wohnquartier. Fotos: Josefa Staudhammer

Als die Teilnehmer des Rundgangs nach dem Halt am Turnersteg das neue Wohnquartier erreichten, war es bereits dunkel. Die Veranstaltung hatte gegen 17 Uhr in der einsetzenden Dämmerung begonnen. So ließ sich die Dimension des Neubaugebiets und seine unmittelbare Nähe zur Mangfall kaum noch richtig erfassen. Ausgerechnet an diesem Ort, an dem die Diskussion um Bebauung und Hochwasserschutz bis heute für Zündstoff sorgt, blieb damit manches im Dunkeln.

Die Vorgeschichte der Auseinandersetzung reicht bis zur Hochwasserkatastrophe im Juni 2013 zurück. Damals hatte tagelanger Regen die Böden in der Region gesättigt, ehe die Wassermassen Anfang Juni auch Oberwöhr schwer trafen. Viele Bewohner haben die Bilder bis heute vor Augen: überflutete Straßen und Häuser, das anschließende Aufräumen und persönliche Erinnerungsstücke, die für immer verloren gingen. Fotoalben, Familienbilder und Dinge, an denen jahrzehntelang das Herz hing, ließen sich nicht ersetzen. Für manche Betroffene wog dieser Verlust besonders schwer.

Ein Versprechen, das bis heute nachwirkt

Nach der Flut wurde nicht nur aufgeräumt und wieder aufgebaut, sondern auch über den künftigen Hochwasserschutz gesprochen. Ein Versprechen aus dieser Zeit ist vielen Oberwöhrern bis heute im Gedächtnis geblieben: Die Wiese an der Krainstraße sollte unbebaut bleiben. Darauf berufen sich Anwohner auch heute noch.
Als die Pläne für ein neues Wohnquartier auf genau dieser Fläche konkreter wurden, regte sich Widerstand. 2020 gründete sich eine Bürgerinitiative, die das Bauvorhaben verhindern wollte. Ohne Erfolg. Inzwischen wächst dort ein neues Wohngebiet mit insgesamt 174 Wohnungen.

Dass ausgerechnet auf der Kainwiese nun gebaut wird, beschäftigt manche Anwohner weiterhin. Auch während der Bauphase gab es Situationen, die ihre Sorgen verstärkten. Im September 2024 füllte sich die Baugrube nach tagelangem Regen bis zum Rand mit Wasser. Die Bilder weckten bei einigen Oberwöhrern Erinnerungen an 2013.
Beim Informationsrundgang wurde das Versprechen von damals  erneut angesprochen. Die Antwort von Oberbürgermeister Abuzar Erdogan: Seit 2013 habe sich die Situation verändert. In den vergangenen Jahren sei viel in den Hochwasserschutz investiert worden, die Schutzanlagen seien inzwischen deutlich verbessert. Zugleich sei zusätzlicher Wohnraum für die Stadt Rosenheim enorm wichtig.

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Ein Meter zusätzliches Freibord

Die Vertreter des Wasserwirtschaftsamts Rosenheim erläuterten, warum sie Oberwöhr heute gut geschützt sehen. Die Deiche seien auf ein 100-jährliches Hochwasser, ein sogenanntes HQ100, ausgelegt. Zusätzlich gebe es ein Freibord von einem Meter. Die geltende Vorgabe an dieser Stelle liege bei lediglich 20 Zentimetern. Die technischen Anforderungen seien damit mehr als erfüllt, so die Einschätzung der Fachleute. Der Hochwasserschutz beruhe zudem nicht allein auf der Höhe der Deiche. In ihrem Inneren befinden sich Spundwände, die im Ernstfall als zusätzliche Schutzwände wirken sollen.

Auch das Rückhaltebecken in Feldolling war Thema. Die Bauwerke seien technisch fertiggestellt, für die reguläre Inbetriebnahme fehlten allerdings noch Arbeiten an der Steuerungstechnik und eine Drainageleitung. Diese soll einen Anstieg des Grundwassers weitestgehend verhindern. Die endgültige Betriebserlaubnis steht deshalb noch aus. Sollte es vorher zu einem größeren Hochwasser kommen und die Einsatzleitung eine Aktivierung anordnen, könne das Becken nach Angaben eines WWA-Vertreters auch manuell in Betrieb genommen werden.

Bei allen Verbesserungen räumten die Fachleute zugleich ein, dass auch die heutigen Schutzanlagen keine absolute Sicherheit bieten. Ein HQ100 sei lediglich eine statistische Größe und bedeute nicht, dass ein solches Hochwasser nur einmal in hundert Jahren auftrete. Einen hundertprozentigen Schutz vor Hochwasser könne es grundsätzlich nicht geben.

Anwohner fordern weitere Maßnahmen

Mit dieser Einschätzung wollen sich manche Oberwöhrer nicht zufriedengeben. Einige beschäftigen sich seit Jahren intensiv mit dem Hochwasserschutz, haben umfangreiches Material zusammengetragen und verfolgen die Entwicklung genau. Einer von ihnen war früher selbst beim Wasserwirtschaftsamt tätig. Ein anderer Anwohner hat sich über viele Jahre so intensiv in die Materie eingearbeitet, dass seine Unterlagen inzwischen ganze Ordner füllen.
Beide sind überzeugt, dass die bisherigen Schutzmaßnahmen nicht ausreichen, und fordern weitere Verbesserungen. Beim Rundgang brachten sie ihre Bedenken erneut vor. Der frühere WWA-Mitarbeiter bezeichnete die Lage aus seiner Sicht weiterhin als problematisch. Der Anwohner mit den umfangreichen Unterlagen wollte insbesondere noch einmal die Bebauung der Kainwiese und die aus seiner Sicht damit verbundenen Risiken zum Thema machen.

Die Antworten darauf fielen knapp aus. Oberbürgermeister Abuzar Erdogan erklärte mit Blick auf das bereits weit fortgeschrittene Bauvorhaben, dass eine erneute Diskussion über die Bebauung an dieser Stelle zum jetzigen Zeitpunkt aus seiner Sicht keinen Sinn mehr mache. Auch auf die erneuten Bedenken des früheren WWA-Mitarbeiters gingen die Vertreter des Wasserwirtschaftsamts nicht näher ein. Sie verwiesen lediglich darauf, dass sie die geäußerten Sorgen aufgrund ihrer fachlichen Einschätzung nicht teilten.
Am Ende des abendlichen Informationsrundgangs kündigte Oberbürgermeister Erdogan an, den Hochwasserschutz weiterentwickeln und künftig auch Starkregenereignisse genauer untersuchen zu lassen. Für jene Oberwöhrer, die sich seit Jahren mit dem Thema beschäftigen, bleiben damit allerdings nicht nur Fragen offen. Auch ihre Ängste und Sorgen um den Hochwasserschutz dürften weiterhin bestehen. 
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild, Foto: Josefa Staudhammer)

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