Rosenheim – Der erste Versuch ist gescheitert, die Idee aber lebt weiter: Die Fußgängerzone in der Münchener Straße bleibt politisch gewollt. Ein Neustart ist erklärtes Ziel von Stadtrat und Verwaltung – doch bevor es so weit ist, müssen noch zentrale Fragen geklärt werden. Vor allem der Busverkehr gilt dabei als entscheidender Knackpunkt.
Bereits Anfang 2025 war der Abschnitt zwischen Gillitzer- und Salinstraße als Fußgängerzone eingerichtet worden. Das Vorhaben sorgte von Beginn an für kontroverse Diskussionen. Zahlreiche Autofahrer ignorierten die Durchfahrtsverbote, was immer wieder zu Unmut und Unsicherheiten führte. Mitte März 2025 sollte der Bereich deshalb ursprünglich wieder vollständig für den Verkehr freigegeben werden.
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Dieser Schritt verzögerte sich jedoch durch einen sogenannten Nachprüfungsantrag von Bündnis 90/Die Grünen, Freie Wähler/UP, ÖDP und FDP. Anfang April 2025 folgte schließlich die Entscheidung im Stadtrat: Mit 26 zu 16 Stimmen wurde beschlossen, den Abschnitt der Münchener Straße wieder für den gesamten Verkehr zu öffnen. Der Verkehrsversuch galt damit offiziell als gescheitert.
Fußgängerzone politisch weiter gewollt
Trotz dieser Entscheidung waren sich nahezu alle Stadträte und auch die Stadtverwaltung einig, dass die neue Fußgängerzone langfristig kommen soll. Ein konkreter Zeitpunkt steht allerdings noch nicht fest. Ein Neustart wurde an zwei zentrale Voraussetzungen geknüpft.
Zum einen an die geplanten Umgestaltungsmaßnahmen im Salingarten. Diese sollen im Laufe des Jahres 2026 beginnen. Als erste Maßnahme ist dort die Realisierung eines Kinderspielplatzes vorgesehen. Zum anderen spielt die zukünftige Führung des Busverkehrs eine entscheidende Rolle.
Beim ersten Versuch durfte der öffentliche Personennahverkehr – anders als der Auto- und Motorradverkehr – weiterhin durch die Münchener Straße fahren. Diese Regelung wurde nicht von allen Beteiligten positiv bewertet und gilt als einer der Knackpunkte des Projekts.
CSU und SPD beantragen Prüfung zur Busumleitung
Vor diesem Hintergrund stellten die Stadtratsfraktionen von CSU und SPD einen gemeinsamen Antrag. Die Stadtverwaltung soll prüfen, ob und wie der Busverkehr so umgeleitet werden kann, dass die Münchener Straße im Bereich zwischen dem Kaufhaus Galeria und der Einmündung Salinstraße künftig zur Fußgängerzone umgewandelt und zugleich baulich aufgewertet werden kann.
Zusätzlich wurde die Verwaltung beauftragt, ein Konzept zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität in diesem Bereich vorzulegen. Vorgeschlagen werden unter anderem eine Baumallee, konsumfreie Aufenthaltsräume sowie zusätzliche Sitzgelegenheiten – insbesondere dort, wo aktuell wieder der Verkehr fließt.
„Die Münchener Straße bedarf im Bereich des Salingartens einer Aufwertung. Ziel ist es, den Aufenthalt in diesem Bereich für die Besucher zu einem Erlebnis zu machen und zugleich ein attraktiveres Handelsumfeld zu schaffen“, heißt es in dem Antrag. Eine Verkehrsberuhigung würde nach Ansicht von CSU und SPD nicht nur die Aufenthaltsqualität erhöhen, sondern auch die Sicherheit für Fußgänger verbessern. Zugleich solle der Handel und die Gastronomie nachhaltig gestärkt werden. Durch eine intelligente Umleitung des Busverkehrs könnten zudem die Belange des öffentlichen Nahverkehrs weiterhin gewährleistet bleiben. Ziel sei ein moderner, grüner und lebenswerter Stadtraum, der den Anforderungen an Klimaanpassung, Barrierefreiheit und Aufenthaltsqualität gerecht wird.
Keine eindeutige Lösung für den Busverkehr
Behandelt wurde der Antrag in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Verkehrsfragen und ÖPNV. In der Sitzungsvorlage schilderte die Stadtverwaltung zunächst den aktuellen Zustand des Busverkehrs. Sowohl der Stadt- als auch der Regionalbusverkehr verkehren derzeit von der zentralen Haltestelle Stadtmitte über die Gillitzer- und Münchener Straße zur Haltestelle Atrium und anschließend weiter in Richtung Bahnhof.
Die Haltestelle Atrium gilt als stark frequentiert. Nach Einschätzung der Verwaltung sollte sie deshalb auch bei einer möglichen Umfahrung weiterhin bedient werden. Mehrere Varianten zur Umleitung des Busverkehrs wurden geprüft, eine eindeutige Ideallösung konnte jedoch nicht festgestellt werden.
Die Empfehlung der Verwaltung lautet daher, zunächst die laufenden Untersuchungen des MVV abzuwarten. Erst auf dieser Grundlage solle weiter darüber beraten werden, ob eine Umfahrung des Busverkehrs möglich ist und wie diese konkret aussehen könnte.
Weitere offene Fragen zur Ausgestaltung
Unabhängig davon besteht weiterer Diskussionsbedarf zur konkreten Ausgestaltung einer künftigen Fußgängerzone. Daniela Dickerhoff von der Stadtratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen sprach sich dafür aus, den Bereich auch für Radfahrer freizugeben. Das wiederum stieß bei der CSU auf deutliche Ablehnung. „Es heißt nicht Buszone – und es heißt auch nicht Fahrradzone, sondern es heißt Fußgängerzone“, erklärte ein CSU-Stadtrat in der Sitzung.
Von Seiten der Grünen wurde zudem angeregt, bei einer Realisierung der Fußgängerzone auch die Kurve vor dem Kaufhaus Galeria in Richtung Kufsteiner Straße in die verkehrsfreie Zone einzubeziehen. Nur so könne eine direkte Anbindung an die bestehende kleine Fußgängerzone gewährleistet werden. Andernfalls müsse man zunächst wieder ein Stück Straße mit Verkehr zurücklegen, bevor man erneut in eine Fußgängerzone gelange.
Am Ende der Diskussion stimmten die Ausschussmitglieder einstimmig dem Vorschlag der Verwaltung zu, zunächst die Ergebnisse der MVV-Prüfung abzuwarten. Christine Degenhart von den Freien Wählern/UP betonte dabei ausdrücklich, dass diese Prüfung ergebnisoffen erfolgen müsse. Dieser Hinweis soll auch entsprechend vermerkt werden.
Damit bleibt die Fußgängerzone in der Münchener Straße weiterhin ein Projekt mit Perspektive – ein konkreter Neustarttermin ist jedoch nach wie vor offen.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild: Archiv Innpuls.me)


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