Bayern / Rosenheim – Zum Start in den Frühling werden Gärten wieder zur Heimat für Igel – doch genau hier drohen Gefahren. Der Landesbund für Vogel- und Naturschutz und der Verein Deutscher Ingenieure starten ein Projekt, um Mähroboter sicherer für Igel zu machen und ihren Schutz zu verbessern.
Mit den ersten warmen Tagen im Jahr kehren die Igel aus dem Winterschlaf zurück und durchstreifen wieder Gärten und Parks auf Nahrungssuche. Doch ihre Bestände gehen seit Jahren zurück – und auch moderne Gartentechnik trägt dazu bei.
Um die Tiere besser zu schützen, haben der Landesbund für Vogel- und Naturschutz und der Verein Deutscher Ingenieure ein gemeinsames Projekt gestartet. Unterstützt wird die Initiative vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung. Ziel ist die Entwicklung technischer Standards, die Mähroboter künftig sicherer für Igel machen.
Gefahr durch autonom fahrende Geräte
Deutschlandweit nimmt der Einsatz von Mährobotern zu. Gleichzeitig steigt die Zahl an Igeln mit schweren Schnittverletzungen, die tot aufgefunden oder in Pflegestationen abgegeben werden. Ein Grund dafür ist ihr Verhalten: Bei Gefahr rollen sich Igel zusammen, statt zu fliehen.
„Da sie bei Gefahr – wie einem herannahenden Mähroboter – verharren und einrollen, anstatt zu flüchten, sind Igel besonders bedroht. Bisher gibt es noch keine Mähroboter-Modelle, die Igel nachweislich sicher bereits vor einem Zusammenstoß erkennen“, erklärt Dr. Anne Berger vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung.
Da Igel nachtaktiv sind, kann das Risiko deutlich gesenkt werden, wenn Mähroboter nur tagsüber eingesetzt werden. Immer mehr Städte setzen daher Nachtfahrverbote um. Der LBV fordert eine solche Regelung für ganz Bayern.
Neue Richtlinie bis 2027 geplant
Bislang fehlen einheitliche Normen zur Wildtiersicherheit von Mährobotern. Genau hier setzt das Projekt an: Bis Mitte 2027 soll eine technische Richtlinie entstehen. Daran beteiligt sind Experten aus Wissenschaft, Technik, Naturschutz und Behörden.
„Da Mähroboter ohnehin millionenfach genutzt werden, bringen wir unsere Expertise aus dem Naturschutz ein, um sie für den Igel zumindest sicherer zu machen. Es braucht klare Sicherheitsstandards für diese Gartengeräte. Wir setzen uns für eine Schadensbegrenzung ein und wollen so Verbesserungen für Igel im Garten, auf Golfplätzen und anderen Grünanlagen erreichen“, betont LBV-Projektleitung Lisa Schenk.
Der Verein Deutscher Ingenieure bringt seine Erfahrung in der technischen Regelsetzung ein. Im Fokus stehen unter anderem Sensorik, Reaktionszeiten und standardisierte Tests.
„Damit Hersteller die Sicherheit ihrer Geräte objektiv nachweisen können, brauchen wir standardisierte Prüfmethoden und klare technische Kriterien“, sagt Simon Jäckel, Geschäftsführer der VDI-Gesellschaft Technologies of Life Sciences. „Technische Innovation muss mit Verantwortung einhergehen. Die Richtlinie soll festlegen, unter welchen Bedingungen Mähroboter Igel erkennen müssen und wie ihre Systeme darauf reagieren sollen, zum Beispiel durch sofortiges Stoppen oder Ausweichen. So schaffen wir eine belastbare Grundlage für mehr Wildtiersicherheit in der Praxis“, ergänzt Jäckel.
Naturnahe Gärten bleiben die beste Lösung
Unabhängig von technischen Verbesserungen bleiben naturnahe Gärten ohne Mähroboter die beste Möglichkeit, Igel zu schützen. Kurz gemähte Rasenflächen bieten deutlich weniger Nahrung und Versteckmöglichkeiten
„Selbstverständlich lehnt der LBV den Einsatz von Mährobotern grundsätzlich ab“, versichert Schenk. „Doch solange Mähroboter eingesetzt werden, müssen sie Igel erkennen. Die Gefahr für die Tiere muss dringend bestmöglich reduziert werden, weshalb die Erarbeitung einer Richtlinie eine folgerichtige Konsequenz für uns ist“, so die LBV-Projektleitung.
(Quelle: Pressemitteilung LBV / Beitragsbild: Symbolfoto re)


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