Hilpoltstein / Bayern Mit Sonnenbrille auf der Nase und kaltem Getränk in der Hand lassen sich die ersten warmen Sonnenstrahlen genießen. Was fehlt da noch zum Frühlingsglück? Natürlich: Bayerns Schwalben, die anmutig und blitzschnell über Städte und Dörfer sausen. Im April kehren die ersten Rauch- und Mehlschwalben aus ihren Überwinterungsgebieten zurück.
Doch leider werden die fliegenden Frühlingsboten von Jahr zu Jahr weniger. Sie finden immer seltener geeignete Nistplätze und weniger Insektennahrung. „Im vergangenen Herbst waren vor allem die Mehlschwalben auch noch von anhaltend nasskalter Witterung betroffen. Sie fanden keine Insekten mehr und mussten ihren Zug nach Süden geschwächt abbrechen oder starben sogar vor Erschöpfung und Hunger. Solche anhaltenden Schlechtwetterlagen werden durch den Klimawandel immer häufiger. Umso wichtiger ist es, jetzt etwas für unsere Schwalben zu tun“, sagt die Schwalbenexpertin des LBV München Sylvia Weber. Deshalb gibt der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) Tipps, wie jede und jeder den Glücksboten unter die Flügel greifen kann.
Dauerregen und Kälteeinbruch im September 2024 brachten Schwalben in Not
Im September 2024 brachten Dauerregen und Kälteeinbruch die Schwalben in Bayern vielerorts in große Not. Wegen des anhaltenden Regens konnten sie nicht fliegen und auch ihre Nahrungsgrundlage, die Insekten, waren in der Luft nicht zu finden. Als Zugvögel benötigen Mehl- und Rauchschwalben allerdings viel Energie für ihre lange Reise in den Süden. „Besonders im Osten und Süden Bayerns saßen die Vögel hungrig auf Fensterbrettern, hingen unter Dachvorsprüngen oder lagen bereits verendet am Boden“, berichtet Sylvia Weber. Um sich gegenseitig zu wärmen und Schutz vor dem Regen zu suchen, drängten sich die Vögel in ihrer Not in bestehende Nester. Deshalb können viele Schwalbennester jetzt noch voll von Kadavern sein. „Wer Schwalben am Haus hatte, sollte also unbedingt vorhandene Nisthilfen schnellstmöglich reinigen oder neue Nisthilfen als Ersatz für die möglicherweise unbrauchbaren Nester anbieten“, rät Weber.
Wohnraum für Schwalben schaffen
Schwalben sind Kulturfolger. Sie haben sich den veränderten Lebensbedingungen angepasst und fühlen sich in menschlichen Siedlungen wohl. Doch hier wird ihr Wohnraum immer knapper. „Die Fassaden von Neubauten – häufig aus Stahl und Glas – sind zu glatt. Hier halten die Nester nicht und oft fehlt der schützende Dachüberstand“, weiß Sylvia Weber. Aus Angst vor Verschmutzung werden bestehende Nester schon mal abgeschlagen. Dabei stehen diese unter Schutz und dürfen nicht entfernt werden. Schwalben sind ortstreu und nutzen ihre Nester jedes Jahr erneut, dabei bessern sie Schäden aus.
Jede und jeder kann etwas gegen die Wohnungsknappheit der Schwalben tun. Nisthilfen für beide Schwalbenarten sind im LBV-Shop sowie im Fachhandel erhältlich oder können selbst gebaut werden. „Stört der herunterfallende Kot, kann etwa 60 Zentimeter unter dem Nest ein Kotbrett angebracht werden. Dieses sollte 25 Zentimeter tief sein, an den Seiten zehn bis 20 Zentimeter über den Nestrand herausragen und eine deutliche Neigung weg vom Haus aufweisen. So können sich zum Beispiel Straßentauben oder Fressfeinde nicht darauf niederlassen“, so die LBV- Schwalbenexpertin.
Lehmiges Nistmaterial anbieten
Schwalben bauen ihre Nester aus Lehm, Ton oder schlammiger Erde. Dieses natürliche Baumaterial fehlt zunehmend, weil zum Beispiel ehemals lehmige Wege asphaltiert wurden. „Jeder kann Schwalben mit Baumaterial in der Nähe des Gebäudes helfen, indem man eine geeignete Bodenstelle feucht hält. Alternativ rührt man etwas Lehm mit Wasser in einer Tonschale an und bietet diese den Schwalben an einer katzensicheren Stelle an“, erklärt Sylvia Weber.
Für einen reich gedeckten Tisch: Insektenvielfalt fördern
Nahrungsmangel ist ein weiteres Problem für Schwalben. In Siedlungen sind immer weniger Insekten wegen versiegelten Flächen und Gärten ohne Pflanzenvielfalt zu finden. Doch ohne Insekten können die Flugjäger weder sich selbst noch ihre Jungen ausreichend versorgen. So sinkt der Bruterfolg und die Bestände von Rauch- und Mehlschwalben gehen zurück. Damit auch in Zukunft der Tisch für Schwalben gedeckt bleibt, gilt es, die Insektenvielfalt zu fördern. „Es braucht eine bunte Vielfalt an heimischen Pflanzen, sodass den ganzen Sommer immer etwas blüht. Auf Pestizide sollten Gartenbesitzende verzichten. Sie vergiften nicht nur die Nahrungsgrundlage der Schwalben, sondern auch die Schwalben selbst“, sagt die LBV-Schwalbenexpertin.
Wer sich mit diesen Tipps für die Schwalben einsetzt, wird auch weiterhin das Spektakel ihrer Flüge am Himmel beobachten können.
(Quelle: Pressemitteilung LBV / Beitragsbild: Symbolfoto re)
0 Kommentare