Nachrichten, Informationen und Geschichten aus Rosenheim

Interview mit Martin Lacey jr.

Löwe gibt Martin Lacey nr. ein Küsschen durch das Gitter. Foto: Innpuls.me

Karin Wunsam

Schreibt immer schon leidenschaftlich gern. Ihre journalistischen Wurzeln liegen beim OVB-Medienhaus. Mit der Geburt ihrer drei Kinder verabschiedete sie sich nach gut 10 Jahren von ihrer Festanstellung als Redakteurin und arbeitet seitdem freiberuflich für die verschiedensten Medien-Unternehmen in der Region Rosenheim.

14. November 2023

Lesezeit: 3 Minute(n)

Rosenheim – Noch bis einschließlich Samstag, 18. November gastiert Circus Krone in Rosenheim (wir berichteten). Höhepunkt der Show ist der Auftritt von Zirkusdirektor Martin Lacey jr. mit seinen Löwen und Tigern. Das Publikum ist begeistert. Aber es gibt auch mittlerweile viel Kritik an dieser Art der Darbietungen. Im Interview mit Innpuls.me erzählt der Tiertrainer über seine Liebe zu den Raubtieren, wie alles begann und warum er sich als Tierschützer sieht.

Martin Lacey junior am Gehege mit einem Löwen. Foto: Innpuls.me

Frage: Wie sind Sie überhaupt zu den Raubtieren gekommen?
Antwort: Ich bin in die Fußstapfen meiner Vorfahren getreten. Die Löwen sind seit nunmehr 21 Generationen in der Obhut unserer Familie.

Frage: Und wann sind Sie dann erstmals selbst mit den Tieren in die Manege gegangen?
Antwort: 
Meine erste eigene Show hatte ich im Alter von 17 Jahren. Aber zu den Raubtieren mitgenommen hat mich mein Vater schon früher, ich denke das erste Mal war ich so um die zwölf Jahre alt.

Frage: Wie ist das, wenn man das erste Mal einem gefährlichen Raubtier so nahe kommt. Hat man da keine Angst?
Antwort: 
Ich bin überhaupt kein mutiger Mensch. Ich habe wie alle anderen Menschen vor einigen Dingen Angst. Mir ist auch bewusst, dass Löwen und Tiger gefährliche Tiere sind. Gefährliche Situationen mit ihnen entstehen aber nur, wenn man keinen Respekt ihnen gegenüber hat.

Frage: Dennoch gibt es doch sicher immer wieder mal gefährliche Situation bei der Arbeit mit den Tieren?
Antwort: 
Natürlich gibt es die. Es ist in etwa so wie bei einer Mutter bei ihren Kindern. Ich kenne meine Tiere sehr, sehr gut und habe darum ein Gefühl dafür entwickelt, wenn es ihnen nicht so gut geht. Dann muss ich im Vorfeld schon darauf reagieren.

Frage: Wie sieht der Alltag Ihrer Tiere aus?
Antwort
Löwen brauchen viel Ruhe. Sie schlafen 18 bis 20 Stunden am Tag, am liebsten auf ihren Wärmematten. Das zeigt sich auch daran, dass ihnen zwar den ganzen Tag die Türen in ihr Außengehege offen stehen, sie aber dennoch meistens sehr gerne drinnen im Warmen bleiben. Bei der Vorstellung werden sie dann aktiv. Sie haben Spaß in der Manege. Und natürlich ist jedes Tier ein Individuum. Es gibt Löwen, die springen rauf und runter, andere beobachten lieber. Darauf muss man eingehen.

Frage: Als Circus Krone zuletzt 2017 zu Gast auf der Loretowiese war, gab es noch viel mehr Tierdressuren. Diesmal sind neben den Raubtieren nur noch Pferde und Hunde mit dabei?
Antwort: Das stimmt, die Seelöwen und Elefanten von damals sind mittlerweile im Ruhestand.

Frage: Aber zwei Elefanten sollen dann nach ihrer Auszeit für einige Auftritte aus Spanien zurückgeholt worden sein. Das wird von Tierrechtsaktivisten scharf kritisiert?
Antwort: Weil sie nicht verstehen, warum wir das gemacht haben. Jedes Tier ist anders. Die Herde hat die Eingewöhnung in Spanien super gemeistert. Nur Bara hat sich anders verhalten. Sie hat ihr gewohntes Leben und das Zusammenspiel in der Manege sichtlich vermisst. Darum haben wir uns entschlossen, sie zu ihrem Wohl noch einmal zurückzuholen und weil sich Burma am wohlsten dort fühlt, wo Bara ist, begleitete sie sie.“

Frage: Was sagen Sie überhaupt zu der Kritik an der Haltung von Wildtieren in ihrem Zirkus?
Antwort: Viele haben eine Meinung, ohne sich zu informieren. Tierschutz ist mir sehr wichtig. Ich will natürlich, dass es meinen Tieren gut geht und tue alles dafür, dass dem so ist. Ich lade jeden Tierschützer ein, einen Blick hinter die Kulissen von Circus Krone zu werfen und sich selbst davon überzeugen, wie gut die Tiere bei uns versorgt werden. 

Frage: Wo sehen Sie den Circus, sagen wir mal, in 50 Jahren?
Antwort:
Die Menschen wollen unterhalten werden. Und Circus kann etwas, was Fernsehen oder Internet nicht können. Der Sound, der Geruch, die Atmosphäre live in der Manege – das ist einfach etwas völlig anderes. Interessanterweise erleben wir aktuell, dass gerade auch wieder die junge Generation im Alter von ca. 16 bis 25 Jahren vermehrt zu unseren Vorstellungen kommt. Also Ja, ich bin mir sicher, der Zirkus hat Zukunft.
(Quelle: Das Interview führte Karin Wunsam / Beitragsbild, Foto: Karin Wunsam)

Martin Lacey jr. mit einem seiner Löwen hinter den Kulissen des Circus Krone. Fotos: Innpuls.me

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.