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Landrat besucht Orgelbauer

Karin Wunsam

Schreibt immer schon leidenschaftlich gern. Ihre journalistischen Wurzeln liegen beim OVB-Medienhaus. Mit der Geburt ihrer drei Kinder verabschiedete sie sich nach gut 10 Jahren von ihrer Festanstellung als Redakteurin und arbeitet seitdem freiberuflich für die verschiedensten Medien-Unternehmen in der Region Rosenheim.

7. Dezember 2021

Lesezeit: 3 Minute(n)

Rosenheim – „Eine gute Idee, gute Leute und gutes Material“, diese drei Zutaten braucht es, um eine Orgel zu bauen. So brachte es Alois Linder, Chef der gleichnamigen Orgelbau- und Restaurierungswerkstatt in Nußdorf am Inn  bei der Betriebsbesichtigung mit Rosenheims Landrat Otto Lederer, Richard Weißenbacher von der Wirtschaftsförderung und Kulturreferent Christoph Maier-Gehring auf den Punkt. Beim Rundgang durch die Räumlichkeiten wurde jedoch schnell klar, dass der Orgelbau nicht nur ein Beruf, sondern vor allem eine Berufung ist. Landrat Otto Lederer zeigte sich beeindruckt von der hohen Handwerkskunst und der Liebe zum Instrument. 

Orgelbauer Alois Lindner (links) erklärt Rosenheims Landrat Otto Lederer, auf was es beim Orgelbau ankommt. Foto / Beitragsfoto: Landratsamt Rosenheim.

Um die perfekte Orgel zu bauen, muss alles stimmen, und das beginnt schon beim Material. „95 Prozent unseres Holzes kommt von Bergbauern aus der Region. Es wächst meist in Lagen über 1.200 Metern“, erzählt Alois Linder. Der Baumstamm der Eiche oder Fichte muss einen Durchmesser von mindestens 60 – 80 Zentimetern haben, damit das Holz für den Orgelbau geeignet ist, erklärt der Firmenchef weiter. Fichtenholz klingt gut, darum wird es vor allem für die Herstellung von Orgelpfeifen genutzt. Eichenholz ist stabil, dauerhaft und wird in der Regel vom Holzwurm verschmäht, sodass es sich vor allem für die Windladen, die Trakturen und das Gehäuse eignet. Nach dem Einschnitt im Sägewerk trocknet das Holz über mehrere Jahre gut geschützt vor Nässe im Holzlager.

Birnenholz für
Pfeifenkerne

Neben Holz von Eichen und Fichten lagern hier weitere Gehölze. Nuss- und Birnenholz eignet sich zum Beispiel hervorragend für die Pfeifenkerne, Ahorn und Weißbuche für die Mechanik-Teile. Für die Beläge der Tasten werden gern harte Hölzer wie Ebenholz, Buchsbaum, Eibe oder Zwetschge verbaut.
Insgesamt neun Männer und Frauen arbeiten in der Werkstatt in Nußdorf. Vielen von ihnen haben zwei abgeschlossene Ausbildungen – zum Schreiner und zum Orgelbauer. „Viele sind auch Musiker und haben noch eine Organisten-Ausbildung. Da ist man schon gesegnet, wenn man solche Leute hat“, sagt Linder.

Von Gitarren
zu Orgeln

Für Linder selbst war immer klar, dass er einmal Musikinstrumente bauen möchte. „Ich wollte Gitarren bauen und eine Lehre machen. In den 70er und 80er-Jahren gab es aber nirgendwo eine freie Lehrstelle.“ Also studiert er zunächst Holztechnik an der Hochschule in Rosenheim, arbeitet als Ingenieur und erfüllt sich im Alter von 24 Jahren den Traum von der Ausbildung zum Orgelbauer. 1992 legt er die Meisterprüfung ab und eröffnet noch im gleichen Jahr seine Werkstatt. Später kommt auch noch die Qualifikation zum Restaurator im Orgel- und Harmoniumbauerhandwerk hinzu.
Gerade im Bereich der Restaurierungen alter Orgeln hat sich der mittelständische Betrieb weit über die Landesgrenzen hinweg einen Namen gemacht. Pro Jahr werden in der Werkstatt im Schnitt eine große sowie ein bis zwei kleinere Orgeln neu gebaut. Dazu kommen Restaurierungen. Die Lieferzeit beträgt aktuell drei Jahre. Es dauert etwa ein Jahr, bis eine neue Orgel entsteht. „Das Meiste wird von Hand gemacht und nicht von der Maschine. Das ist ein großer Unterschied und unsere Kunden wissen das zu schätzen.
Die Orgeln werden noch so gefertigt wie vor 300 Jahren. Das Gewinde des Messingdrahtes wird aufgewalzt, das Schafsleder für die Blasebälge nach alter Methode gegerbt, damit es nicht mit dem Holz reagiert, verklebt werden die einzelnen Teile mit Knochenleim auf Wasserbasis. „Eine so gebaute Orgel hält 100 bis 150 Jahre“, sagt Linder.

Erst dann müssen erste Teile ausgetauscht oder restauriert werden. Gerade in diesem Bereich hat sich das Unternehmen aus Nußdorf am Inn in den vergangenen 30 Jahren einen Ruf erworben. Eine alte Orgel zu restaurieren ist manchmal echte Detektivarbeit, erzählt Linder und präsentiert eines der aktuellen Projekte. Es ist eine alte Orgel aus dem Jahr 1729 aus St. Pölten und eine historische Sensation. Diese Orgel wurde einmal umgebaut und auch die Position der Orgelpfeifen umgestellt. Mit akribischer Recherche gelang es, die ursprüngliche Form und den Aufbau der Orgel zu rekonstruieren. Nun wird sie so restauriert, wie sie 1729 ursprünglich einmal gebaut worden war.

„Jeder Orgel ist
ein Einzelstück“

Wird eine Orgel ausgeliefert, ist die Arbeit für die Orgelbauer noch nicht vorbei. „Jede Orgel ist ein Einzelstück, das auf die Akustik in der jeweiligen Kirche angepasst wird. Jede Orgelpfeife wird so gestimmt, damit sie perfekt klingt“, sagt Linder. „Der Orgelbauer stellt dem Organisten ein Werkzeug zur Verfügung, damit er damit Musik machen kann.“
(Quelle: Landratsamt Rosenheim)

 

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