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Oh Tannenbaum, welcher darf es sein?

Goldene Kugel an Weihnachtsbaum

Karin Wunsam

Schreibt immer schon leidenschaftlich gern. Ihre journalistischen Wurzeln liegen beim OVB-Medienhaus. Mit der Geburt ihrer drei Kinder verabschiedete sie sich nach gut 10 Jahren von ihrer Festanstellung als Redakteurin und arbeitet seitdem freiberuflich für die verschiedensten Medien-Unternehmen in der Region Rosenheim.

19. Dezember 2022

Lesezeit: 2 Minute(n)

Hilpoltstein / Bayern – Das Weihnachtsfest rückt immer näher. Für viele Menschen in Bayern gehört ein festlich geschmückter Christbaum unbedingt dazu und bringt Besinnlichkeit, Winterduft und Gemütlichkeit ins Haus. Doch nach ein paar Wochen Aufmerksamkeit werden die rund vier Millionen im Freistaat verkauften Nordmanntannen, Stechfichten und Edeltannen wieder entsorgt. Der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) empfiehlt daher: „Ob sich der Kauf eines Baumes lohnt, sollten Verbraucher individuell abwägen. Wer die Feiertage bei Familie, Freunden oder im Urlaub verbringt, kann auf einen Weihnachtsbaum verzichten. Eine Alternative zu dem jährlich neu geschlagenen Baum kann ein Streuobstbaum für den eigenen Garten oder als Geschenk sein. Dieser bringt einem selbst und der Natur auch im neuen Jahr viel Freude“, rät die LBV-Streuobst-Expertin Franziska Wenger.

Wer an der Tradition festhalten möchte, sollte beim Kauf des Baumes auf regionale Herkunft mit kurzen Transportwegen achten: „Eine nach ökologischen Kriterien angebaute Tanne oder Fichte, am besten aus regionaler Erzeugung, kann mit einer besseren Umweltbilanz punkten als Bäumchen, die von weit her importiert werden. Eine guter Ersatz sind Bäume, die bei der Pflege des Waldes sowieso gefällt werden und von einigen Forstämtern verkauft werden“, rät die LBV-Expertin.

Die meisten verkauften Christbäume stammen nicht aus dem Wald, sondern von Plantagen, in denen kräftig gespritzt und gedüngt wird. Für diese Monokulturen müssen stellenweise sogar echte Wälder weichen. Eingesetzt werden Insektizide gegen Rüsselkäfer und Läuse, Herbizide gegen konkurrierendes Gewächs und Mineraldünger, die für einen gleichmäßigen Wuchs sowie eine intensive Grün- und Blaufärbung der Nadeln sorgen sollen. Doch es geht auch anders. „Die Siegel von Naturland, Bioland, Demeter und FSC (Forest Stewardship Council) geben Verbraucherinnen und Verbrauchern Orientierung. Sie garantieren, dass beim Anbau der Weihnachtsbäume keine Pestizide und Mineraldünger eingesetzt werden“, sagt Franziska Wenger. Bayern ist dabei eines der Bundesländer mit den meisten Verkaufsstellen für ökologisch produzierte Bäume. Bunte Weihnachtsbäume aus Kunststoff nadeln zwar nicht, belasten aber die Umwelt und enden irgendwann als Plastikmüll.

Bäumchen im Topf:
eine nachhaltige Alternative?

Nadelbäume im Topf können ein Ersatz zum geschlagenen Baum sein. Nur Bäume, die schon im Topf herangezogen werden, haben dabei eine realistische Überlebenschance. Auch hier muss beim Kauf auf regionale Herkunft, biologische Produktion und weitere Umweltstandards geachtet werden. „Die Bäume stammen meist aus belasteten Monokulturen und legen zum Teil beachtliche Transportstrecken zurück. Ihre Töpfe bestehen aus Plastik und die Blumenerde enthält oft Torf. Um diesen zu gewinnen, werden für Klima- und Artenschutz wertvolle Moore zerstört“, sagt Franziska Wenger. Wie viele der gemieteten Bäumchen auch tatsächlich mehrere Weihnachtsfeste überstehen, ist ungewiss.

Streuobstbaum
für das neue Jahr

Eine besondere Alternative zum Weihnachtsbaum ist ein Streuobstbaum. „Ein heimischer Apfel-, Zwetschgen- oder Birnbaum lässt sich jetzt im Winter am besten in den Garten pflanzen. In den folgenden Jahren erfreut er uns mit seiner Blütenpracht im Frühling und reicher Ernte im Herbst“, so die LBV-Streuobstexpertin. Heimische Streuobstbäume erhält man in regionalen Baumschulen. „Beim Kauf sollte man Sorten wählen, die an den Standort angepasst, zudem robust und wenig anfällig für Krankheiten sind. Starkwüchsige Bäume, die einen hohen Stamm ausbilden, haben den größten Mehrwert für die Artenvielfalt“, sagt Franziska Wenger. Eine Liste mit Baumschulen, die in Bayern hochstämmige Streuobstbäume anbieten, finden sich beim bundesweiten Partner NABU unter www.streuobst.de. Derzeit kann es aufgrund der hohen Nachfrage nach Streuobstbäumen zu einem Engpass kommen. Ein Gutschein für einen Streuobstbaum, der im kommenden Herbst gepflanzt werden kann, ist auch ein nachhaltiges Weihnachtsgeschenk für alle Natur- und Gartenbegeisterten.
(Quelle: Pressemitteilung LBV / Beitragsbild: Symbolfoto: re)

 

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