Rosenheim -Die Stadt Rosenheim geht einen weiteren wichtigen Schritt in der Seniorenpolitik: Einstimmig hat der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung die Schaffung von solitären und alternativen Kurzzeitpflegeplätzen auf den Weg gebracht. Gleichzeitig genehmigte das Gremium die bereits fristwahrend eingereichte Antragstellung im Rahmen eines Förderprogramms beim Landesamt für Pflege.
Sollte der Förderantrag erfolgreich sein, besteht auch Einverständnis mit der Finanzierung des städtischen Eigenanteils.
Wichtiger Baustein für Pflege und Entlastung
Im Mittelpunkt stehen sogenannte solitäre Kurzzeitpflegeplätze. Dabei handelt es sich um Pflegeplätze, die ausschließlich für die zeitlich begrenzte Unterbringung gedacht sind – etwa wenn pflegende Angehörige vorübergehend entlastet werden müssen oder nach einem Krankenhausaufenthalt eine Übergangslösung benötigt wird.
Ergänzt werden diese durch alternative Kurzzeitpflegeangebote, die flexibler organisiert sein können und stärker auf den individuellen Bedarf eingehen.
Die Stadtverwaltung betont die Bedeutung dieser Angebote: Noch immer werde der größte Teil der Pflege von Angehörigen geleistet. Um diese familiären Strukturen zu stabilisieren und Überlastungen zu vermeiden, seien Kurzzeit- und Verhinderungspflege unverzichtbar. Sie schafften verlässliche Entlastung und seien ein zentraler Bestandteil der sozialraumorientierten Hilfen im Alter.
Sechs Plätze geplant – Förderung soll Kosten abfedern
Konkret könnten in einem ersten Schritt bis zu sechs Kurzzeitpflegeplätze im Stadtgebiet entstehen. Voraussetzung dafür ist eine pauschale Unterstützung von 5.000 Euro pro Platz und Jahr, um die wirtschaftlichen Nachteile für Einrichtungen auszugleichen.
Denn: Für viele Pflegeeinrichtungen sind Kurzzeitpflegeplätze finanziell weniger attraktiv als dauerhafte Pflegeplätze – unter anderem wegen schwankender Auslastung und höherem Organisationsaufwand.
Der aktuelle Kosten- und Finanzierungsplan für drei Jahre sieht Gesamtausgaben von rund 125.942 Euro vor. Davon könnten etwa 70 Prozent gefördert werden. Für die Stadt verbleibt ein Eigenanteil von rund 37.782 Euro – umgerechnet etwa 1.500 Euro pro Platz und Jahr.
Breite Zustimmung im Stadtrat
Im Stadtrat stieß das Vorhaben auf große Zustimmung. Oberbürgermeister Andreas März sprach von einem klaren Signal:
„Es ist ein klares Zeichen für die Bevölkerung, dass Möglichkeiten geschaffen werden, um zuhause alt werden zu können.“
Auch Elisabeth Jordan (SPD) betonte die große Bedeutung der Plätze, mahnte jedoch an, dass sechs Plätze langfristig nicht ausreichen würden: „Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Ihr Appell: Das Angebot müsse weiter ausgebaut werden.
Sozialdezernent Christian Salberg verwies dagegen auf die mögliche Wirkung: Da ein Platz im Jahr von bis zu 30 Personen genutzt werden könne, ließen sich mit sechs Plätzen rund 180 Menschen jährlich unterstützen.
Auch Wolfgang Bergmüller bezeichnete das Projekt als „sehr positiv“ und verwies auf eigene Erfahrungen im familiären Umfeld. Zustimmung kam ebenfalls von Christine Degenhart: „Das ist ein wichtiger Schritt und ein toller Weg.“
Teil eines größeren Konzepts für das Leben im Alter
Der Beschluss steht im Zusammenhang mit der langfristigen Strategie der Stadt: Bereits im November 2024 hatte der Stadtrat entschieden, die sozialraumorientierten Hilfen im Alter bis 2027 stadtweit einzuführen.
Ziel ist es, ältere Menschen möglichst lange in ihrem vertrauten Umfeld leben zu lassen und gleichzeitig passgenaue Unterstützungsangebote zu schaffen. Seit Oktober 2025 sind dafür bereits sechs Sozialraumlotsinnen im Einsatz, die als Ansprechpartner vor Ort dienen und Hilfen koordinieren.
Angesichts des demografischen Wandels gewinnt dieses Konzept zunehmend an Bedeutung: In den kommenden Jahren wird die Zahl älterer Menschen deutlich steigen – bei gleichzeitig knapper werdenden Pflegekapazitäten.
Wie geht es weiter?
Mit dem Förderantrag beim Landesamt für Pflege ist nun der nächste Schritt getan. Ob und wann die geplanten Kurzzeitpflegeplätze tatsächlich umgesetzt werden können, hängt maßgeblich von der Bewilligung der Fördermittel ab.
Klar ist jedoch schon jetzt: Der Bedarf ist da – und der politische Wille ebenfalls.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild: Symbolfoto re)


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