In der Serie „Rosenheim wählt richtig“ erklären wir Schritt für Schritt, wie das bayerische Kommunalwahlrecht funktioniert. Wer bei der Kommunalwahl in Rosenheim sein Kreuz setzt, hat mehr Einfluss, als viele denken. Das bayerische Wahlrecht gibt dir mächtige Werkzeuge an die Hand – man muss sie nur kennen. In Teil 2 unserer Serie ging es um das Kumulieren. Dabei kannst du eine Liste oder Wählergruppe markieren und innerhalb dieser Liste Kandidaten bevorzugen oder streichen. Wer das noch einmal nachlesen möchte, findet den Beitrag von gestern auf Innpuls.me.
Heute geht es um Panaschieren.
Panaschieren: Stimmen mischen und Wunschliste zusammenstellen
Der Begriff Panaschieren stammt vom französischen „panacher“, was „mischen“ bedeutet. Beim Panaschieren kannst du deine Stimmen auf Kandidaten aus verschiedenen Listen verteilen. Du findest den freundlichen Bäcker von Liste 1 kompetent, schätzt aber auch deine alte Lehrerin auf Liste 3 oder den jungen Fahrlehrer von Liste 6? Dann gib jedem deiner Favoriten eine oder mehrere Stimmen – ohne dich auf eine einzige Partei festlegen zu müssen.
Normalerweise bestimmt die Reihenfolge der Kandidaten auf einer Parteiliste, wer die besten Chancen auf ein Mandat hat. Panaschieren bricht diese starre Hierarchie auf. Durch gezielte Einzelstimmen können Kandidaten von hinteren Listenplätzen sogenannte „Listenführer“ überholen. In Bayern zählt oft der Kopf und das Vertrauen in die Person mehr als das Parteibuch.
So funktioniert Panaschieren auf dem Wahlzettel
Du hast so viele Stimmen, wie Sitze im jeweiligen Gremium zu vergeben sind. Im Rosenheimer Stadtrat sind das 44 Stimmen, im Landkreis 70. Beim Panaschieren verteilst du diese Stimmen einzeln, als Doppel- oder Dreifachstimme (Kumulieren) quer über den Stimmzettel. Vor jedem Kandidaten gibt es dafür entsprechende Felder, in die du 1, 2 oder 3 einträgst.
Die Gesamtzahl der Stimmen darf nicht überschritten werden. Wer mehr Kreuze als Stimmen vergibt, macht seinen Stimmzettel ungültig. Viele nutzen deshalb zusätzlich das „Listenkreuz“: du kreuzt deine bevorzugte Partei an und verteilst zusätzlich Einzelstimmen an Kandidaten quer durch die Listen. Das Wahlsystem zählt zuerst die Einzelstimmen und rechnet die restlichen Stimmen automatisch der gewählten Liste zu. Auch hier gilt: Wird die maximale Stimmenzahl überschritten, bleibt der Stimmzettel ungültig.
Ein Gewinn für die lokale Demokratie
Kritiker sagen, das System sei kompliziert und die Auszählung dauere zu lange. Für die lokale Demokratie ist Panaschieren aber ein Gewinn: Kandidaten müssen sich persönlich vorstellen und können nicht nur auf den Erfolg ihrer Partei oder Wählergruppe hoffen.
Der bayerische Stimmzettel wird so zu einer Art Wunschzettel: Du entscheidest nicht nur über politische Richtungen, sondern stellst dein persönliches „Dream-Team“ für die Heimatgemeinde zusammen. Ein gut gewählter Stadtrat macht den Mehraufwand bei der Auszählung mehr als wett.
Verwaltungswirts Bernhard Baron Boneberg. Er hat Politik- und Verwaltungswissenschaften studiert, an rund 30 Wahlen eigenhändig ausgezählt und war bereits bei US-Präsidentschaftswahlen aktiv.
Hinweis: Innpuls.me begleitet die Kommunalwahl mit einer mehrteiligen Serie zum bayerischen Kommunalwahlrecht. Morgen beschäftigen wir uns mit den Möglichkeiten des Panaschierens.
Im abschließenden Teil 4 unserer Serie zeigen wir die häufigsten Fehler bei der Stimmabgabe und wie du sie vermeiden kannst. Dazu dann morgen mehr.
(Quelle: Artikel Bernhard Baron Boneberg / Portrait: BBB / Beitragsbild: Symbolfoto ai generiert)


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