Deutschland / Bayern / Rosenheim – Wachteln liegen aktuell voll im Trend. Einer, der sich der Pflege und Haltung dieser kleinen Hühnerrasse spezialisiert hat, ist der Münsinger Heiko Fröhlich. Auf der Internetseite wachteln.net gibt der 42-jährige viele wertvolle Tipps rund um diese Vögel. Im Gespräch mit Innpuls.me erzählt er wie er zu seinem Hobby gekommen ist und was ihn daran so fasziniert.
Frage: Wie bist du auf Wachteln gekommen?
Antwort: Das ist inzwischen über 35 Jahre her. Damals war ich mit meinem Vater auf einem Kleintiermarkt. Ein Verkäufer bot einige Minihühnchen an, wusste aber selbst nicht, um welche Rasse es sich handelt. Glücklicherweise konnte ich meinen Vater überzeugen, mir diese Minihühnchen zu kaufen. Erst viel später stellte sich heraus das es sich um Wachteln handelte.
Frage: Was gefällt dir an diesen Tieren?
Antwort:Wachteln werden sehr zahm, wenn man sich regelmäßig mit ihnen beschäftigt, und erkennen ihren Halter. Sie sind neugierig, suchen den Kontakt zum Menschen, und es gibt mittlerweile über 25 verschiedene Farbschläge.
Im Vergleich zu Kaninchen, Meerschweinchen und anderen Kleintieren bieten Wachteln – zumindest die Japanische Legewachteln – zudem täglich leckere Wachteleier.
Frage: Ist die Haltung von Wachteln schwierig?
Antwort:Überhaupt nicht! Wachteln sind anspruchslos und robust. Oft wird ein Kaninchenstall zur Haltung empfohlen, da die gesetzlichen Mindestvorgaben für sechs Wachteln nur 0,5 m² vorschreiben. Als verantwortungsbewusster Halter möchte man jedoch, dass sich die Tiere wohl fühlen. Deshalb empfehlen wir 1,5 bis 2m² für eine kleine Wachtelgruppe. Kaninchenställe mit entsprechend großem Auslauf eignen sich sehr gut.
Frage: Wie viele Wachteln sollten in einer Gruppe gehalten werden?
Antwort: Für den Anfang eignet sich eine Gruppe aus vier bis fünf Wachtelhennen sehr gut. Wenn man auf einen Hahn verzichtet, bleibt die Gruppe harmonischer und ruhiger.
Frage: Wie kommunizieren Wachteln untereinander?
Antwort: Wachteln kommunizieren sowohl über sehr leise Piep-Laute als auch über ihre Körpersprache. Ranghöhere Wachteln tragen beispielsweise den Kopf deutlich höher als rangniedere Tiere. Sobald sich die Gruppe aneinander gewöhnt hat, geht es meist sehr ruhig und ausgeglichen zu.
Frage: Welche Wachtelrasse haltest du und warum hast du dich für die entschieden?
Antwort: Man unterscheidet zwischen Zierwachteln, von denen es rund 10 Arten gibt, und den Japanischen Legewachteln. In Deutschland werden fast ausschließlich Japanische Legewachteln gehalten. Sie sind robust, es gibt sie in vielen verschiedenen Farben, und sie legen täglich Eier.
Auch ich habe mich für diese Rasse entschieden, weil ich die leckeren Wachteleier sehr schätze.
Frage: Ist es möglich, Wachteln und Hühner zusammen zu halten welche Herausforderungen könnten dabei auftreten?
Antwort: Idealerweise sollte man Wachteln nicht mit Hühnern zusammenhalten. Die deutlich größeren Hühner gehen oft nicht zimperlich mit den kleinen Wachteln um, sodass diese meist nur noch auf der Flucht sind. Deshalb empfehlen wir Anfängern, Wachteln separat zu halten.
Hat man jedoch sehr viel Platz und Erfahrung in der Haltung beider Arten, ist eine gemeinsame Haltung mit friedlichen Zwerghühnern wie den Chabos möglich.
Frage: Welche speziellen Maßnahmen sollten bei der Haltung von Wachteln im Sommer und Winter getroffen werden?
Antwort: Im Sommer brauchen Wachteln ausreichend frisches Wasser und schattige Verstecke. Werden sie auf einer Wiese gehalten, lieben sie es, nach Ameisen zu picken oder frische Gräser und Kräuter zu naschen.
Da Wachteln vor dem Winter kein dickes „Wintergefieder“ entwickeln, müssen sie die kalten Temperaturen durch Körperwärme ausgleichen. Dafür benötigen sie eiweiß- und fettreiches Futter. Zusätzlich biete ich ihnen frisches Obst und Gemüse an.
Frage: Was ist die optimale Ernährung für Wachteln?
Antwort: Die Basis der Ernährung bietet ein hochwertiges Wachtelfutter aus dem Handel. Dieses versorgt die Wachteln mit Energie, Calcium und den wichtigsten Nährstoffen. Zusätzlich sollte man den Wachteln viel Frischfutter wie Gräser und Kräuter, Gemüse und Obst anbieten.Ab und an als besonderes Leckerli bekommen die Wachteln ein paar getrocknete Mehlwürmer direkt von der Hand.
Frage: Gibt es bestimmte Nahrungsmittel, die Wachteln meiden sollten?
Antwort: Wachteln sind nicht wählerisch und fressen neben Samen, Kräutern, Gemüse und Obst auch Reste wie Nudeln, Reis oder gekochte Kartoffeln.
Allerdings sollte man ihnen keine verdorbenen Lebensmittel oder stark gewürzte Speisen geben. Avocados, rohe Kartoffeln und Zitrusfrüchte sind ebenfalls ungeeignet.
Frage: Ab wann beginnen Wachteln Eier zu legen?
Antwort: Wachteln legen ihre ersten Eier bereits mit einem Alter von 6-7 Wochen.
Frage: Wie lange legen Wachteln Eier?
Antwort: Mit einem Alter von 2 Jahren lässt die Legeleistung der Wachteln zwar deutlich nach, doch ab und an legen auch deutlich ältere Wachteln noch Eier.
Frage: Wie viele Eier legt eine Wachtel pro Woche?
Antwort: Sind die Bedingungen wie Futter, Temperatur und Tageslicht ideal, legt die Wachtel alle 20 Stunden ein Ei. In der privaten Hobbyhaltung sind jedoch 5-6 Eier pro Woche realistisch. Im Winter legen die Wachteln aufgrund der kürzeren Tage keine oder nur wenige Eier. Im März setzt die Legetätigkeit wieder ein.
Frage: Wie alt werden Wachteln?
Antwort: Japanische Legewachteln erreichen meist ein Alter von 3 bis 5 Jahren.
Frage: Welche gesundheitlichen Probleme sind bei Wachteln am häufigsten anzutreffen?
Antwort: Wachteln sind äußerst robust und werden bei guten Haltungsbedingungen selten krank. Gelegentlich kommt es zu kleineren Verletzungen, beispielsweise wenn die Wachteln gegen das Volierengitter fliegen. Diese verheilen jedoch wieder sehr schnell.
Frage: Was sind Ihre persönlichen Lieblingsfakten oder -geschichten über Wachteln?
Antwort: Wachteln sind Mini-Überlebenskünstler: Die Wachteln haben eine hohe Anpassungsfähigkeit und wurden sogar in der Raumfahrt untersucht. 1990 wurden Wachtel-Eier auf der russischen Raumstation Mir ausgebrütet, um zu erforschen, ob Vögel im All schlüpfen und überleben können.
Frage: Hälts du deine Wachteln nur zur Freude oder auch als Nutztiere?
Antwort: Beides! Ich genieße die Interaktion mit ihnen und richte ihnen gerne einen schönen Stall ein. Gleichzeitig freue ich mich über die frischen Eier. Genau das macht Wachteln für mich so besonders – sie sind Haustier und Nutztier in einem.
Frage: Hast du einen besonderen Tipp für die Zubereitung von Wachteleiern?
Antwort: Eine Pfanne mit 30 bis 40 Spiegeleiern macht ordentlich Eindruck! Auch als hartgekochte Eier in der Vesperdose sind sie beliebt – oft wollen die Mitschüler dann auch welche probieren. Zudem eignen sich die kleinen Eier wunderbar für Bastelprojekte oder als Mini-Ostereier.
Frage: Gibt es spezielle Tipps, die du neuen Wachtelhaltern geben würdest, um den Einstieg zu erleichtern?
Antwort: Starte mit wenigen Wachteln und einem ausreichend großen Stall. Beobachte deine Tiere, um herauszufinden, was ihnen guttut. Viel Zubehör ist nicht nötig: Ein Sandbad, ein Legenest, einige Verstecke sowie Tränke und Futterspender reichen aus. Äste, Gräser und Steine kannst du aus der Natur holen, um den Stall naturnah zu gestalten.
Frage: Was möchtet ihr mit eurer Website wachteln.net bewirken?
Antwort: Viele Familien überlegen, ob sie sich ein Kaninchen, einen Hamster oder einen Wellensittich anschaffen, doch an Wachteln denken nur wenige. Dabei bieten sie viel mehr als andere Haustiere. Mit unserem Projekt möchten wir die Japanische Legewachtel bekannter machen und Anfängern sowie erfahrenen Haltern einfache, verständliche Informationen zur Wachtelhaltung bieten.
(Quelle: Interview Pauline Obermaier / Beitragsbild, Fotos: Copyright Heiko Fröhlich)
0 Kommentare