Rosenheim – Jüngere und ältere Menschen gehören zu den Verlierern auf dem Wohnungsmarkt in Rosenheim. Darauf weist Harald Wulf, Bezirksvorsitzender der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) Oberbayern, hin: „Etliche der rund 1.650 Azubis in Rosenheim wohnen noch bei ihren Eltern. Und das nicht immer ganz freiwillig. Denn eine eigene Wohnung können sie sich oft nicht leisten.“
Wulf macht deutlich, dass Wohnen gerade für Auszubildende zunehmend zum Problem wird. „Tragisch ist es, wenn ein Ausbildungsvertrag nicht zustande kommt, weil das Wohnen zu teuer ist. Etwa dann, wenn Jugendliche weder eine Wohnung noch ein WG-Zimmer in der Nähe des Ausbildungsbetriebs bezahlen können“, so Wulf. Er betont, dass dies auch Auswirkungen auf die heimische Wirtschaft habe: „Wenn Ausbildungsverträge am Wohnungsmangel und an zu hohen Mieten scheitern, dann ist das Maß voll. Das kann sich die heimische Wirtschaft nicht erlauben.“
Die IG BAU Oberbayern fordert daher, dass Bund und Freistaat Bayern den Neubau von Azubi-Wohnungen insbesondere in der Nähe von Ausbildungszentren unterstützen. Wulf spricht sich zudem für Steueranreize aus, wenn Betriebe für ihre Auszubildenden Wohnraum bereitstellen. Auch Studierende seien von den Problemen auf dem Wohnungsmarkt betroffen: „Deshalb muss es auch in Universitätsstädten eine gezielte Förderung für den Neubau von Studi-Wohnungen geben.“
„Wohnarmut im Alter“ weiterer Schwerpunkt
Ein weiterer Schwerpunkt der IG BAU ist die „Wohnarmut im Alter“. Wulf weist auf die geburtenstarken Jahrgänge hin: „Rund 7.100 Baby-Boomer in Rosenheim werden nach Berechnungen des Pestel-Instituts bis 2035 komplett in Rente gehen. Viele der Baby-Boomer in Rosenheim bekommen nur eine niedrige Rente. Denn sie haben oft Phasen von Arbeitslosigkeit hinter sich. Außerdem haben sie ganz häufig auch für niedrige Löhne gearbeitet. Wenn die Baby-Boomer in den nächsten Jahren in Rente gehen, werden etliche sich ihre bisherige Wohnung kaum oder gar nicht mehr leisten können: Sie wohnen sich regelrecht arm.“
Die IG BAU warnt zudem vor einer weiteren Verschärfung des Wohnungsmarkts. Wulf sagt: „Mieten kennen seit Jahren nur eine Richtung: nach oben. Das muss sich ändern. Wir brauchen wieder sinkende und damit bezahlbare Mieten.“ Einen entscheidenden Schritt sieht Wulf im Neubau von Sozialwohnungen: „Nur mehr günstiger Wohnraum sorgt für Druck auf die Mieten am Markt. Der Neubau von Sozialwohnungen muss zur politischen Herzenssache und zur Sache der politischen Vernunft werden.“
Der „Soziale Wohn-Monitor“ des Pestel-Instituts liefert konkrete Zahlen: Bundesweit sollen die derzeit rund 1 Million Sozialwohnungen bis Mitte des nächsten Jahrzehnts auf 2 Millionen verdoppelt werden. Für Bayern bedeutet dies laut Wulf: „Bis 2035 muss es in ganz Bayern 283.700 Sozialwohnungen geben.“ Um diese Zielmarke zu erreichen, sei eine intensive Förderung durch Bund und Freistaat notwendig. „Die Fördergelder des Bundes müssen dabei schon gleich zum Baubeginn bereitstehen. Sie dürfen nicht erst über Jahre verteilt ausgeschüttet werden.“
Ein weiterer Punkt seien die Baukosten. Wulf erläutert: „Um günstiger bauen zu können, bietet der Regelstandard ‚Erleichtertes Bauen‘ eine ideale Lösung. Es geht darum, einfacher zu bauen – und damit fürs gleiche Geld mehr Sozialwohnungen bauen zu können. Und das trotzdem in guter Qualität, mit niedrigen Instandhaltungskosten.“
Darüber hinaus fordert die IG BAU Oberbayern eine öffentliche Statistik: „Es ist wichtig, zu wissen, wo in Bayern wie viele Sozialwohnungen pro Monat neu gebaut worden sind“, so Wulf.
(Quelle Pressemitteilung: IG Bauen-Agrar-Umwelt, Bezirksverband Oberbayern / Beitragsbild: IG Bau / Nils Hillebrand)