Rosenheim / Landkreis – Traditionell zu Maria Lichtmess versammeln sich die Landwirte aus Stadt und Landkreis Rosenheim zum Kreisbauerntag. Auch in diesem Jahr wurde diese lang gepflegte Tradition fortgeführt: Am heutigen Montagvormittag (2.2.2026) fand die Veranstaltung in der Auerbräu-Festhalle in Rosenheim statt.
Schon vor dem offiziellen Beginn füllte sich die Festhalle. Neben zahlreichen Landwirten aus Stadt und Landkreis Rosenheim waren viele Bürgermeister aus der Region, weitere politische Vertreter sowie zahlreiche Gäste aus befreundeten Vereinen und Verbänden anwesend. Auch Vertreter des Handwerks und von Molkereien aus der Region nutzten den Kreisbauerntag als Gelegenheit zum Austausch. Die Zusammensetzung des Publikums spiegelte die enge Verzahnung der Landwirtschaft mit Kommunen, Wirtschaft und Gesellschaft wider.
Der Kreisbauerntag ist traditionell mehr als eine reine Fachveranstaltung. Er ist Treffpunkt, Dialogforum und zugleich ein Ort der Anerkennung für eine Berufsgruppe, deren Arbeit oft im Hintergrund stattfindet, aber das Gesicht der Region maßgeblich prägt.
Anerkennung für die Landwirtschaft und ihre Bedeutung
Rosenheims Oberbürgermeister Andreas März hob in seinem Grußwort die Bedeutung der bäuerlichen Landwirtschaft für das Erscheinungsbild der Stadt hervor. „Die bäuerliche Landwirtschaft prägt das Aussehen unserer Stadt und hält Traditionen aufrecht“, sagte er. Auch Rosenheims Landrat Otto Lederer würdigte die Leistungen der heimischen Landwirtschaft. Er machte zugleich deutlich, dass vielen Menschen der Bezug zur Landwirtschaft zunehmend verloren gehe. Eine breite Schicht der Bevölkerung wisse oft nicht mehr, wie Bauern arbeiten, wie viele Arbeitsplätze mit der Landwirtschaft verknüpft sind und welche Zusammenhänge es zwischen der Landwirtschaft und vielen anderen Bereichen des Lebens gibt: „Nicht nur Lebensmittel müssten wertgeschätzt werden, sondern auch deren Erzeuger“.
Dass die aktuellen Zeiten für die Landwirtschaft alles andere als ruhig sind, war schon vor Beginn der offiziellen Reden spürbar. An den Tischen wurde intensiv über die derzeit fallenden Milchpreise gesprochen, die unter anderem auf hohe Milchmengen auf dem Weltmarkt zurückgeführt werden. Auch das geplante EU-Mercosur-Freihandelsabkommen war Thema. Viele heimische Landwirte blicken mit Sorge auf mögliche Wettbewerbsnachteile durch billigere Importe und geringere Produktionsstandards in Südamerika.
Aktuelle Herausforderungen und politische Themen
Diese Themen griff Kreisobmann Josef Andres später auch in seiner Rede auf. „Ja, wir wollen Handel, aber fair und geregelt“, brachte er die Stimmung vieler Bauern in der Region auf den Punkt. Mit Blick auf das Mercosur-Freihandelsabkommen verband Andres jedoch nicht nur Sorgen, sondern auch Chancen für die heimische Landwirtschaft.
In Bezug auf die aktuell niedrigen Milchpreise zeichnete er ein vorsichtig optimistisches Bild. Die Milchpreise an der neuseeländischen Handelsplattform Global Dairy Trade hätten sich nach einem Rückgang im Dezember 2025 zu Jahresbeginn 2026 wieder erholt. Andres erwartet, dass sich diese Entwicklung in absehbarer Zeit auch hierzulande bemerkbar machen wird.
Die Liste der Herausforderungen für die Landwirtschaft sei damit jedoch längst nicht vollständig. Andres sprach auch die zunehmenden Probleme durch Tiere wie Wolf, Biber, Fischotter und Krähe an, die in vielen Bereichen der Landwirtschaft Schäden verursachen würden. „Wir reden nicht über Ausrottung, aber über sinnvolle Regulierung“, erklärte der Kreisobmann.
Ein weiterer Dauerbrenner bleibe der geplante Ausbau des Brennernordzulaufs, der weiterhin kontrovers diskutiert werde. „Wir sind nicht dagegen, aber für uns ist wichtig, dass man des mit Weitblick macht“, so Andres.
Zusätzlich sorgen verschiedene Krankheiten und Seuchen für Unsicherheit in den Betrieben. Dazu zählen unter anderem die Blauzungenkrankheit, die Afrikanische Schweinepest, die Maul- und Klauenseuche sowie ganz aktuell ein Fall von Vogelgrippe bei einer Kuh in den Niederlanden. Auch wenn vieles auf den ersten Blick weit weg von der Region Rosenheim erscheine, hätten solche Entwicklungen direkte Auswirkungen auf die heimische Landwirtschaft.
Ein weiteres großes Thema ist aus Sicht vieler Landwirte der zunehmende Bürokratismus. Die Ursachen dafür sieht Andres weniger bei der Politik, sondern vielmehr bei der Gesellschaft. „Ein Leben wie eine Vollkaskoversicherung. Unsere Gesellschaft braucht wieder mehr Vertrauen in sich selbst“, zeigte er sich überzeugt.
Dialog, Bildung und Blick in die Zukunft
Die Bedeutung des Dialogs zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft stellte Kreisbäuerin Katharina Kern in den Mittelpunkt ihrer Rede. „Der Dialog in der Gesellschaft ist ein wichtiger Baustein in der Arbeit der Landfrauen“, sagte sie. Eine zentrale Aufgabe sehe man darin, ein Bewusstsein für gesunde Ernährung mit heimischen Produkten zu schaffen.
Dabei setzen die Landfrauen gezielt auf die Zusammenarbeit mit Schulen, etwa im Rahmen des Projekts „Landfrauen machen Schule“. Dieses wird über den Zukunftsvertrag für Landwirtschaft in Bayern finanziert, den die Bayerische Staatsregierung im September 2023 mit dem Bayerischen Bauernverband geschlossen hatte. Umso größer sei die Enttäuschung über überraschende Kürzungen der Mittel. „Dadurch waren wir nun gezwungen Termine abzusagen“, so Kern.
Für Kern zählt die heimische Landwirtschaft zur kritischen Infrastruktur. Gerade in weltweit unsicheren Zeiten sei Ernährungssicherheit von zentraler Bedeutung. „Die Selbstversorgung muss oberste Priorität haben“, ist Kern überzeugt.
Bauernpräsident Günther Felßner griff das Thema Ernährungssicherheit ebenfalls auf. „Statt Panzer und Drohnen brauchen wir Getreide, Fleisch und Milch“, sagte er mit Blick auf die aktuelle weltpolitische Lage. Gleichzeitig hatte er auch eine positive Botschaft für die Landwirte der Region Rosenheim dabei: „Noch nie gab es eine Zeit, in der es so gute Aussichtigen gab, gute Grundlagen für die nächsten Generationen zu legen.“ Entscheidend sei der Mut, die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Noch vor der Rede des Bauernpräsidenten standen die Ehrungen junger Landwirtschaftsmeister, Agrarbetriebswirte und Techniker für Landbau auf dem Programm. Für ihren beruflichen Einsatz und ihre Leistungen erhielten sie Anerkennung und Applaus aus der Festhalle.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild: Karin Wunsam)