Rosenheim / Landkreis – Für 3264 ABC-Schützen beginnt heute ein neuer Lebensabschnitt. 2633 Kinder werden im Landkreis Rosenheim eingeschult, 631 in der Stadt. Insgesamt sind es damit drei Erstklässler mehr als im vergangenen Schuljahr. Gleichzeitig wachsen die Schülerzahlen an den Grund- und Mittelschulen insgesamt weiter – allerdings gibt es dort vier Klassen weniger als im vergangenen Schuljahr.
Beim Pressegespräch mit dabei von links: Schulamtsdirektor Markus Kinzelmann, Schulamtsdirektor Wolfgang Baumann, Schulamtsdirektorin Petra Burkhardt und Schulamtsdirektor Herbert Unterreiner. Foto: Karin Wunsam
Am heutigen Dienstag, 15. September, beginnt für die Kinder in Bayern das neue Schuljahr. Auch in Stadt und Landkreis Rosenheim werden heute wieder viele Schultüten ausgepackt und neue Schulranzen eingeweiht. Hinter dem ersten Schultag stehen aber auch einige interessante Zahlen zur Entwicklung der Schulen.
Bei einem Pressegespräch in der Staatlichen Schulamtsverwaltung in der Rosenheimer Königstraße gaben die Schulamtsdirektoren Petra Burkhardt, Markus Kinzelmann, Herbert Unterreiner und Wolfgang Baumann einen Überblick über die Situation zum Schuljahresbeginn. Die Stimmung war dabei trotz einiger Herausforderungen entspannt. Eine wichtige Botschaft von Petra Burkhardt: „Der Pflichtunterricht kann komplett abgedeckt werden.“
Mehr Erstklässler in der Stadt, weniger im Landkreis
Bei den Schulanfängern gibt es zwischen Stadt und Landkreis einen deutlichen Unterschied. Im Landkreis Rosenheim werden in diesem Schuljahr 2633 Kinder eingeschult. Das sind 54 weniger als im vergangenen Jahr. In der Stadt Rosenheim sind es dagegen 631 Erstklässler – 57 mehr als 2025/26.
Unterm Strich gleichen sich die unterschiedlichen Entwicklungen fast vollständig aus: Insgesamt beginnen in Stadt und Landkreis drei Kinder mehr mit der ersten Klasse als im vergangenen Schuljahr.
Auch bei den Klassengrößen zeigt sich ein leicht verändertes Bild. Im Landkreis sind die ersten Klassen im Durchschnitt mit 22,13 Kindern besetzt. Im vergangenen Jahr waren es noch 22,39. In der Stadt liegt der Durchschnitt bei 22,54 Kindern pro erster Klasse, nach 22,96 im vergangenen Schuljahr.
Insgesamt 19.068 Schüler
Noch deutlicher wird die Entwicklung beim Blick auf alle Grund- und Mittelschüler. Im Schuljahr 2026/27 besuchen insgesamt 19.068 Kinder und Jugendliche eine Grund- oder Mittelschule in Stadt und Landkreis Rosenheim. Im vergangenen Jahr waren es 18.911.
Damit ist die Zahl innerhalb eines Jahres um 157 gestiegen. Im Landkreis gibt es 15.526 Grund- und Mittelschüler und damit 189 mehr als im Vorjahr. In der Stadt sind es 3542 – hier ist die Zahl um 32 gesunken.
Die Entwicklung zeigt sich auch über einen längeren Zeitraum: Seit 2020 ist die Zahl der Schüler im Grund- und Mittelschulbereich in Stadt und Landkreis insgesamt um 1790 gestiegen. Die Zahlen zu Schülern und Klassen umfassen dabei staatliche und private Schulen.
Mehr Schüler, aber weniger Klassen
Trotz der gestiegenen Schülerzahl gibt es in diesem Schuljahr insgesamt 884 Klassen an Grund- und Mittelschulen. Das sind vier weniger als im vergangenen Schuljahr.
719 Klassen entfallen auf den Landkreis, 165 auf die Stadt Rosenheim. Bei den Grundschulen gibt es im Landkreis mit 490 Klassen eine mehr als im vergangenen Jahr. In der Stadt sind es 109 und damit eine Klasse weniger. Die durchschnittliche Größe der Grundschulklassen liegt im Landkreis bei 21,91 Kindern, in der Stadt bei 22,19.
Bei den Mittelschulen zeigt sich dagegen eine deutlichere Entwicklung. Dort besuchen im Landkreis 4791 Schüler den Unterricht – 144 mehr als im Vorjahr. In der Stadt sind es 1123 und damit zwei mehr. Insgesamt gibt es damit 5914 Mittelschüler in Stadt und Landkreis.
Trotzdem ist auch hier die Zahl der Klassen gesunken: Im Landkreis gibt es 229 Mittelschulklassen, drei weniger als im vergangenen Jahr. In der Stadt sind es 56, also eine weniger. Die durchschnittliche Klassenstärke liegt damit im Landkreis bei 20,92 Schülern, in der Stadt bei 20,05.
Dass mehr Schüler auf weniger Klassen verteilt werden müssen, hängt auch mit der Personalsituation zusammen. „Das Stellenmoratorium bekommen wir sehr deutlich zu spüren“, sagte Petra Burkhardt. Gemeint ist damit der derzeitige Verzicht auf zusätzliche Stellen. Nach Angaben der Schulamtsleitung kann der Pflichtunterricht trotzdem vollständig abgedeckt werden.
Vier von fünf Klassen mit höchstens 25 Schülern
Bei den Klassengrößen bleibt die Situation insgesamt vergleichsweise stabil. 81,45 Prozent der Grundschüler besuchen eine Klasse mit höchstens 25 Kindern. Im vergangenen Schuljahr waren es allerdings noch 84,7 Prozent.
Bei den Mittelschulen liegen 81,38 Prozent der Schüler in Klassen mit maximal 25 Schülern. Im vergangenen Jahr waren es 87,4 Prozent.
Zum neuen Schuljahr wurden außerdem 143 Lehrkräfte in den Bereich der Rosenheimer Schulämter versetzt, darunter 62 Lehramtsanwärter. Hinzu kommen weitere Kräfte für die Mobile Reserve und zur Unterstützung bei Vertretungen.
Startchancenprogramm soll Bildungschancen verbessern
Ein Schwerpunkt im neuen Schuljahr ist das Startchancenprogramm. Es soll nach Angaben der Schulamtsleitung dazu beitragen, Bildungschancen unabhängig von der sozialen Herkunft zu verbessern. Das Programm läuft über zehn Jahre.
Im Zuständigkeitsbereich der Rosenheimer Schulämter nehmen acht Einrichtungen daran teil: die Grundschulen Fürstätt, Astrid-Lindgren, Happing und Prinz sowie die Mittelschulen Am Luitpoldpark und Fürstätt. Dazu kommen das Sonderpädagogische Förderzentrum Rosenheim und die Berufsschule I.
Stadt und Landkreis werden „Inklusive Region“
Eine weitere Neuerung betrifft die Inklusion. Stadt und Landkreis Rosenheim wurden für das Schuljahr 2026/27 als „Inklusive Region“ ausgewählt. Eine entsprechende Auszeichnung soll noch überreicht werden.
Nach Angaben der Schulamtsleitung ist Inklusion dabei nicht Aufgabe einer einzelnen Schule, sondern soll im Zusammenspiel verschiedener Einrichtungen funktionieren. Dazu gehören unter anderem Schulen, Kommunen, Jugendhilfe, Beratungsstellen, Förder- und Gesundheitseinrichtungen.
Im Raum Rosenheim gibt es dafür bereits verschiedene Angebote und Netzwerke, darunter regionale Beratungsstellen, inklusive Beratungsteams, eine Steuerungsgruppe Inklusion und die sogenannten MUT-Teams. Diese Angebote sollen künftig weiter ausgebaut werden.
Ganztagsanspruch startet mit den Erstklässlern
Für die 3264 Erstklässler bringt das neue Schuljahr außerdem eine weitere Veränderung: Seit diesem Schuljahr gilt für Kinder der ersten Klasse der gesetzliche Anspruch auf ganztägige Betreuung und Bildung. Der Anspruch wird in den kommenden Jahren schrittweise auf weitere Jahrgangsstufen ausgeweitet und gilt ab dem Schuljahr 2029/30 für die Klassen 1 bis 4.
Vorgesehen sind Betreuung und Bildungsangebote von Montag bis Freitag bis zu acht Stunden täglich. Der Anspruch umfasst grundsätzlich auch die Ferien, wobei Feiertage und bestimmte Schließzeiten ausgenommen sind. In Bayern sind für die Umsetzung die Landkreise und kreisfreien Städte als öffentliche Träger der Jugendhilfe zuständig, die Kommunen organisieren und finanzieren die Ferienangebote.
Für die 3264 Kinder, die heute erstmals ihre Schule betreten, dürften diese großen Entwicklungen allerdings zunächst weit weg sein. Für sie geht es vor allem um die neue Klasse, den ersten Lehrer, den Weg zur Schule, die erste Pause – und natürlich um die Frage, was wohl in der Schultüte steckt.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild: Symbolfoto re / Foto: Karin Wunsam)



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