Rosenheim – Ein roter Teppich mitten in der Rosenheimer Innenstadt – was auf den ersten Blick ungewöhnlich wirkt, hatte am gestrigen Dienstagmittag (5.5.2026) einen klaren Hintergrund. Die Aktion sollte zeigen, wo Barrieren im Alltag beginnen.
Auf den roten Teppich durch die Rosenheimer Fußgängerzone- für mehr Barrierefreiheit in der Stadt. Fotos: Josefa Staudhammer
Die Projektgruppe „Barrierefreies Bauen in Stadt und Landkreis Rosenheim“ rollte auf dem Max-Josefs-Platz den Teppich aus. Anlass war der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung, der jedes Jahr am 5. Mai bundesweit begangen wird. 2026 stand er unter dem Motto „Menschenrechte sind nicht verhandelbar“.
Der Ort für die Aktion war dabei bewusst gewählt. Denn gerade der Max-Josefs-Platz steht seit Jahren wegen seiner Pflasterung in der Kritik – und aktuell auch wieder im Fokus, weil geplante Verbesserungen ins Stocken geraten sind.
Pflaster sorgt weiter für Probleme
Was auf den ersten Blick kaum auffällt, kann im Alltag schnell zum Hindernis werden.. Die unebene Oberfläche der Fußgängerzone erschwert nicht nur Rollstuhlfahrern das Vorankommen. „Wenn man über den Max-Josefs-Platz einen Rollstuhl schiebt, hat man nachher Schmerzen in den Schultern durch das ewige Gerüttel“, berichtete Rosenheims Gleichstellungsbeauftragte Christine Mayer aus eigener Erfahrung.
Auch ältere Menschen und Eltern mit Kinderwagen schildern ähnliche Probleme. Das gelegentliche Auffüllen der Fugen mit Sand sei dabei keine nachhaltige Lösung. „Der wascht sich doch immer schnell wieder heraus“, meinte ein Teilnehmer, der trotz sommerlicher Temperaturen über den roten Teppich fuhr, um ein Zeichen zu setzen.
Umbau blockiert – Forderung nach schneller Lösung
Dabei schien eine Verbesserung bereits auf den Weg gebracht: Im Dezember hatte der Rosenheimer Stadtrat den barrierefreien Umbau der Fußgängerzone einstimmig beschlossen. Grundlage war ein Vorschlag der Initiative für barrierefreies Bauen.
Doch die Umsetzung liegt derzeit auf Eis. Das Architekturbüro, das den Platz in den 1980er Jahren geplant hatte, meldete urheberrechtliche Ansprüche an und will bei einer Neugestaltung mitreden.
Die Projektgruppe will diesen Stillstand nicht hinnehmen und plädiert für eine pragmatische Zwischenlösung. Vorgeschlagen wird ein barrierefreier Streifen durch die Fußgängerzone – in etwa dort, wo auch der rote Teppich verlief. Großflächige, fugenfreie Pflastersteine könnten hier kurzfristig Abhilfe schaffen. Das Provisorium könnte bestehen bleiben, bis eine endgültige Lösung gefunden ist – so die Argumentation. „Wir können nicht wieder weitere zehn Jahre und länger warten, bis sich endlich etwas tut. Wir wollen jetzt eine Verbesserung“, lautete das klare Signal beim Aktionstag.
Bereits 2022 war zum Protesttag ein roter Teppich in Rosenheim ausgerollt worden – damals vor der St. Nikolauskirche am Ludwigsplatz (wir berichteten). Die Forderung nach mehr Barrierefreiheit ist seitdem geblieben. Und sie ist aktueller denn je.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild: Josefa Staudhammer)



0 Kommentare