Rosenheim – Festlich gekleidete Familienangehörige, nervöse erste Eide, spontaner Applaus und ein neuer Oberbürgermeister, der über seinen Weg vom Gastarbeiterkind ins Rathaus sprach: Die konstituierende Sitzung des neuen Rosenheimer Stadtrats am gestrigen Mittwochabend (6.5.2026) war weit mehr als ein formeller Pflichttermin.
Die erste Stadtratssitzung fand im Rosenheimer Kultur-Kongresszentrum statt. Fotos: Innpuls.me
Normalerweise tagt der Rosenheimer Stadtrat im großen Rathaussaal. Doch diesmal wäre dort schlicht kein Platz gewesen. Zu groß war der Andrang. Vor allem die neu gewählten Stadträte hatten ihre Familien und Freunde mitgebracht. Viele kamen elegant gekleidet, die Stimmung erinnerte eher an einen festlichen Empfang als an eine gewöhnliche Stadtratssitzung.
Dr. Beate Burkl bei ihrer Rede.
Deshalb wurde die Sitzung in den Saal Rosenheim verlegt. Doch selbst dort reichten die Plätze nicht aus. Zahlreiche Besucher verfolgten die Sitzung stehend. Schon vor Beginn lag eine besondere Mischung aus Spannung, Stolz und Aufbruchsstimmung in der Luft.
Für viele war es eine Premiere — auch für Rosenheims neuen Oberbürgermeister Abuzar Erdogan (SPD). Einmal vergewisserte er sich kurz bei Gertraud Pfaffeneder vom Hauptamt, ob er den Ablauf der besonderen Sitzung korrekt einhalte. Eine kleine Unsicherheit, in diesem besonderen Moment, der sehr menschlich wirkte. Ansonsten führte Erdogan souverän durch den Abend.
Ein Moment mit besonderer Symbolkraft
Der wichtigste Tagesordnungspunkt war seine Vereidigung. Traditionell nimmt in Rosenheim der älteste Stadtrat den Amtseid des Oberbürgermeisters ab. Diesmal übernahm das Dr. Beate Burkl von der Fraktion UP / Freie Wähler. Sie sprach von einem historischen Tag: „Das ist ein wichtiger Tag für die Stadt und die Demokratie.“
Vor sechs Jahren hatte der damalige Oberbürgermeister Andreas März die Amtskette noch von seiner Vorgängerin Gabriele Bauer umgehängt bekommen. Damals verabschiedete sich Bauer in den Ruhestand. Diesmal war die Situation eine andere. Deshalb übernahm Gertraud Pfaffeneder diesen symbolischen und zugleich emotionalen Moment.
Als Erdogan anschließend die Amtskette trug, brandete langer Applaus im Saal auf — etwas durchaus Besonderes. Denn normalerweise wird während Stadtratssitzungen nicht applaudiert.
Die Vereidigung der neuen Stadträte.
In seiner Rede erinnerte sich Erdogan an seine Kindheit als Gastarbeiterkind. Ein Zufall habe seine Familie in den 1980er Jahren nach Rosenheim geführt. Sein eigener Lebensweg zeige, dass Rosenheim eine Stadt sei, in der eine Familie mit harter Arbeit, Fleiß, etwas Glück und Zufall akzeptiert werden könne — und es nach einer Generation sogar bis ins Amt des Oberbürgermeisters schaffen könne.
Gleichzeitig hob er die Stärken Rosenheims hervor, etwa die funktionierende Wirtschaft. Für die künftige Arbeit im Stadtrat wünsche er sich einen pragmatischen Kurs. Statt Diskussionen über utopische Möglichkeiten müsse es um realisierbare Wirklichkeiten gehen.
Rosenheims Oberbürgermeister Abuzar Erdogan mit dem zweiten Bürgermeister Daniel Artmann und der dritten Bürgermeisterin Gabriele Leicht.
Kleine Pannen bei geheimer Wahl
Nicht nur der neue Oberbürgermeister wurde vereidigt. Auch die neuen Stadträte legten gemeinsam ihren Eid ab. Für einige keine ganz einfache Übung. Manche stolperten vor Aufregung schon beim ersten Satz über den Text.
Nicht ganz reibungslos verlief später auch die Wahl des zweiten und dritten Bürgermeisters. Für das Amt des zweiten Bürgermeisters kandidierte erneut Daniel Artmann (CSU), der das Amt bereits in den vergangenen sechs Jahren innehatte.
Vor der geheimen Wahl erklärte Oberbürgermeister Erdogan noch einmal genau das Verfahren. Auf den Wahlzetteln mussten Namen notiert werden — ein einfaches „Ja“ oder „Nein“ war ungültig. Genau dieser Fehler passierte dennoch vier Stadträten. Ihre Stimmen konnten deshalb nicht gewertet werden.
Für Artmann hatte das keine Folgen. Er wurde mit 27 Stimmen erneut zum zweiten Bürgermeister gewählt. Anna Rutz (Grüne) erhielt 13 Stimmen, Ricarda Krüger (SPD) eine Stimme.
Zur dritten Bürgermeisterin wurde erneut Gabriele Leicht (SPD) gewählt. Auch sie hatte das Amt bereits in der vergangenen Legislaturperiode inne. Sie erhielt 27 Stimmen. Anna Rutz kam auf 13 Stimmen, Bernhard Baron Boneberg (AfD) auf vier Stimmen. Immerhin: Bei dieser Wahl gab es nur noch eine ungültige Stimme.
Nach dem offiziellen Teil wurde es deutlich lockerer. Im Foyer des KuKo warteten ein bayerisches Buffet und Getränke auf die Gäste. Dort blieb Zeit für Gespräche, erste Begegnungen und ein gegenseitiges Kennenlernen — der politische Alltag beginnt schließlich oft nicht nur im Sitzungssaal, sondern auch bei einem gemeinsamen Abendessen.
(Quelle: Artikel Karin Wunsam / Fotos: Karin Wunsam und Josefa Staudhammer)






















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