Rosenheim – Unsere fotografische Zeitreise geht heute zurück in das Jahr 1989. Auf der historischen Aufnahme zu sehen ist die Heilig-Geist-Straße in Rosenheim mit einem spannenden Detail, das auf den ersten Blick fast untergeht – bei genauerem Hinsehen aber viel über den öffentlichen Nahverkehr jener Zeit erzählt.
Im Vordergrund der Szene stehen mehrere wartende Taxis. Der Blick bleibt jedoch an einem Fahrzeug hängen, auf dessen Heckfenster ein Hinweis zu lesen ist: „Ab 1. Oktober 1989 Linientaxi in Rosenheim“.
Was heute ungewöhnlich klingt, war Ende der 1980er-Jahre ein Ansatz, den öffentlichen Nahverkehr flexibler und wirtschaftlicher zu gestalten. Ein sogenanntes Linientaxi ist keine klassische Taxifahrt im Individualverkehr, sondern eine Mischform zwischen Taxi und Linienverkehr. Fahrzeuge fahren dabei auf festgelegten Strecken, oft nach Fahrplan oder bei Bedarf, und ersetzen oder ergänzen Buslinien in Zeiten oder Bereichen mit geringerer Nachfrage.
Damit reiht sich das Konzept in eine Phase ein, in der viele Städte und Regionen in Deutschland begannen, ihre Nahverkehrsangebote neu zu denken – mit dem Ziel, Versorgungslücken zu schließen und Kosten besser in den Griff zu bekommen.
Auch in Rosenheim deutet der Hinweis auf dem Taxi auf genau diesen Wandel hin. Schon damals wurde offenbar versucht, Lösungen für Herausforderungen im Stadtverkehr zu finden, die bis heute immer wieder für Diskussionen sorgen. Fragen rund um Taktung, Wirtschaftlichkeit und Erreichbarkeit beschäftigen Politik und Bürger in Rosenheim weiterhin regelmäßig.
Interessant dabei: Ganz verschwunden ist die Idee flexibler Taxi-Angebote im öffentlichen Nahverkehr bis heute nicht. Mit dem sogenannten AST – dem Anruf-Sammel-Taxi – existiert in Rosenheim weiterhin ein vergleichbares System als Ergänzung zum regulären Busverkehr.
Das historische Foto zeigt damit nicht nur eine Alltagsszene aus dem Rosenheim des Jahres 1989, sondern auch einen frühen Vorläufer moderner Mobilitätskonzepte, die bis heute aktuell geblieben sind.
(Quelle: Beitragsbild: Archiv Herbert Borrmann / Bildtext: Karin Wunsam)


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