Rosenheim – Das Leben wird gefühlt immer herausfordernder und schnelllebiger. Kaum ein Moment vergeht, ohne dass neue Informationen auf uns einprasseln – Nachrichten, Social Media, beruflicher Druck, Erwartungen im Alltag. Dazu kommen Krisenmeldungen, Unsicherheiten und ein ständiges emotionales Auf und Ab. Viele Menschen haben das Gefühl, kaum noch richtig abschalten zu können. Der moderne Lebensstil kann extrem herausfordernd sein.
Die Folge der Reizüberflutung und des ständigen Hin und Her zwischen emotionalen Höhen und Tiefen ist laut TJ Power eine chemische Dysbalance wichtiger Botenstoffe im Gehirn. Mit seinem Buch „Der DOSE Effekt“ will der britische Neurowissenschaftler nun einen Weg aufzeigen, wie Menschen auch in unserer modernen, digitalen Welt wieder ausgeglichener, motivierter und glücklicher leben können.
Das Buchcover wirkt sachlich und wissenschaftlich. Der Inhalt ist aber durchaus auch unterhaltsam. Repro: Innpuls.me
„Ich zeige dir eine neue Sichtweise auf deinen Umgang mit Technologie, deinem Leben, deiner Arbeit, deinen Beziehungen und deiner Gesundheit. Eine Sichtweise, bei der Disziplin und Motivation mühelos und fast wie von selbst kommen“, verspricht der Autor in seinem Vorwort. Die Messlatte legt TJ Power dabei durchaus hoch. Wer seinen Lebenstipps folgt, soll von besserer Konzentration, mehr Motivation und einem stärkeren Glauben an sich selbst profitieren. Auch die Schlafqualität, der Umgang mit Angst oder sogar eine gesündere Ernährung sollen sich verbessern. Ein großes Versprechen – gerade in einer Zeit, in der sich viele Menschen zwischen Stress, Leistungsdruck und permanenter Reizüberflutung zunehmend ausgelaugt fühlen.
Die „Zauberformel“ des Glücks?
TJ Power ist Neurowissenschaftler, internationaler Speaker und Autor des Bestsellers „The DOSE Effect“. Bekannt wurde er vor allem dadurch, komplexe Themen wie Dopamin-Überlastung, Bildschirmabhängigkeit und digitales Burnout leicht verständlich zu erklären. Als Gründer und leitender Neurowissenschaftler des sogenannten DOSE Lab beschäftigt er sich intensiv mit der Frage, wie moderne Lebensgewohnheiten unser Wohlbefinden beeinflussen – und wie wir gegensteuern können. In den sozialen Medien erreicht er inzwischen über eine Million Menschen.
Seine „Zauberformel“ trägt den Namen DOSE – ein Akronym für vier zentrale Botenstoffe in Gehirn und Körper: Dopamin, Oxytocin, Serotonin und Endorphine. Laut Power bestimmen sie maßgeblich unser Denken, Verhalten und Wohlbefinden. Dopamin steht für Motivation und Aufmerksamkeit, Oxytocin für Beziehungen und Vertrauen, Serotonin beeinflusst Stimmung und Energielevel, Endorphine helfen beim Stressabbau.
„Zusammen ergeben sie die DOSE, die darüber entscheidet, wie wir uns fühlen. Wenn wir wissen, wie wir sie regulieren und gezielt ausschütten können, machen wir uns das kraftvollste körpereigene Tool zunutze, das uns zur Verfügung steht“, schreibt der Autor. Im Mittelpunkt seines Buches steht dabei die These, dass viele Probleme unserer Zeit auf ein Ungleichgewicht dieser Botenstoffe zurückzuführen seien – verstärkt durch Smartphones, Dauererreichbarkeit und digitale Reizüberflutung.
Verständlich geschrieben – mit kleinen Challenges für den Alltag
Wie all das gelingen kann, erklärt TJ Power in seinem rund 320 Seiten starken Werk anschaulich und überraschend unterhaltsam. Das Cover wirkt auf den ersten Blick eher kühl und wissenschaftlich und verrät wenig darüber, was den Leser im Inneren erwartet. Tatsächlich liest sich das Buch dann aber angenehm flüssig und leicht verständlich. Der Fokus liegt klar auf verständlichen Erklärungen statt komplizierter Wissenschaftssprache. Hin und wieder lockern Illustrationen den Text zusätzlich auf.
Beim Lesen alleine bleibt es allerdings nicht. Immer wieder fordert TJ Power seine Leser dazu auf, selbst aktiv zu werden. Kleine Challenges sollen helfen, die Theorie direkt in den Alltag zu übertragen. Da gibt es beispielsweise die „Kaltwasser-Challenge“, bei der man sieben Tage lang jeden Morgen die Dusche auf kalt stellen soll. Oder die „Miteinander-Challenge“, bei der täglich bewusst eine gute Tat im Mittelpunkt steht – etwa einem Kollegen bei einem Problem zu helfen oder sich Zeit zu nehmen, jemand anderem wirklich zuzuhören.
Gerade diese Mischung aus wissenschaftlichem Hintergrundwissen, verständlicher Sprache und praktischen Übungen macht den Reiz des Buches aus. Vieles klingt nachvollziehbar, manches ambitioniert. Und tatsächlich beginnt man beim Lesen fast automatisch, das eigene Verhalten und viele Gewohnheiten zu hinterfragen – vom Griff zum Smartphone bis zum Umgang mit Stress, Schlaf oder sozialen Kontakten. Allein das ist schon ein Gewinn.
Zudem gibt es einiges, das sich schnell und unkompliziert ausprobieren lässt. Die kleinen Challenges und Alltagstipps wirken oft niedrigschwellig und alltagstauglich. Wer möchte, kann direkt loslegen – ohne teure Hilfsmittel oder komplizierte Programme.
Dass sich langfristig tatsächlich eine tiefgreifende Veränderung einstellt, dürfte allerdings kaum allein durch das einmalige Lesen des Buches passieren. Dafür braucht es vermutlich vor allem Willensstärke, Konsequenz und Durchhaltevermögen. Auch dazu liefert TJ Power einige Impulse – machen muss man es am Ende aber selbst.
(Quelle: Buchkritik von Karin Wunsam / Cover: Vak-Verlag / Beitragsbild: Symbolfoto ai generiert- Buchcover eingeblockt)
Der DOSE Effekt
TJ Power
Vak-Verlag
ISBN 978-3-86731-292-9
23 Euro)



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