Teisendorf / Berchtesgadener Land – Artenreiches Grünland rund um Teisendorf steht im Mittelpunkt einer aktuellen Auszeichnung: Die Molkerei Berchtesgadener Land wurde für ihr Engagement im Erhalt sogenannter Wildpflanzen für Ernährung und Landwirtschaft (WEL) geehrt. Die Flächen gelten als genetisches Erhaltungsgebiet im sogenannten WEL-Hotspot „Bei Teisendorf“.
Neben den WEL-Arten wie Echter Baldrian,Wiesen-Knäuelgras,Wilde Möhre, und z.B. Wald-Erdbeeren wächst auf der hofnahen Weide bei den Langwieders in Teisendorf auch der Echte Kümmel – weißblühend im Bild-Vordergrund. Fotos: Copyright Molkerei Berchtesgadener Land
Die Urkunde wurde von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) überreicht, vermittelt durch das Julius Kühn-Institut. Damit ist die Molkerei Teil des bundesweiten Netzwerks „Genetische Erhaltungsgebiete Deutschland“.
Artenreiche Wiesen als lebendige Genbank
Im Zentrum steht ein 5,43 Hektar großes Dauergrünland rund um die Hofstelle der Familie Langwieder in Oberstarz bei Teisendorf. Die Flächen werden als Weide- und Futterwiesen im Rahmen der Demeter-Milcherzeugung genutzt und liegen teilweise in Hanglage innerhalb der typischen Kulturlandschaft der Alpenregion.
Auf einzelnen Teilflächen wurden bis zu 24 verschiedene WEL-Arten nachgewiesen, darunter Gewöhnliche Schafgarbe, Echter Kümmel, Wilde Möhre, Feld-Thymian und Echter Baldrian. „Diese Flächen zeigen eindrucksvoll, dass nachhaltige Landwirtschaft und Biodiversität zusammengehören. Unsere Bauernfamilien bewirtschaften diese Wiesen nicht gegen die Natur, sondern mit ihr“, betont Molkerei-Geschäftsführer Bernhard Pointner.
Bewirtschaftung als Beitrag zur Artenvielfalt
Die Erhaltung der Wildpflanzen erfolgt direkt im natürlichen Lebensraum (in situ). Die Pflanzenpopulationen bleiben damit Teil eines lebendigen Ökosystems und können sich weiterentwickeln.
Die Familie Langwieder hat sich verpflichtet, die bisherige Bewirtschaftung langfristig fortzuführen. Dazu gehören organische Düngung sowie die Nutzung als Weide- und Futterflächen für die Milchviehhaltung. Der Betrieb stellte 2022 auf Demeter um und liefert seitdem Demeter-Bio-Milch an die Molkerei. „Die biodynamische und nachhaltige Bewirtschaftung unserer Wiesen ist mir ein persönliches Anliegen. Durch die organische Düngung und die schonende Nutzung fördern wir Bodenleben und Humusaufbau auf unseren Flächen“, so Betriebsleiter Robert Langwieder. „Dass wir damit gleichzeitig einen Beitrag zum Erhalt der genetischen Vielfalt von Wildpflanzen leisten können, freut mich besonders.“
Teil eines bundesweiten Netzwerks
Die Einrichtung genetischer Erhaltungsgebiete ist Teil des nationalen Fachprogramms für pflanzengenetische Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft. Seit 2019 wächst das Netzwerk „Genetische Erhaltungsgebiete Deutschland“, in dem ausgewählte Flächen und regionale Partner zusammenarbeiten.
Betreut wurde das IsWEL-Projekt von David-Michael Schafmeister sowie der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Eckhard Jedicke vom Institut für Landschaftsplanung und Naturschutz der Hochschule Geisenheim.
Nach Angaben der Beteiligten soll die Auszeichnung auch die Bedeutung der traditionellen Grünlandwirtschaft im Alpenraum unterstreichen. Artenreiche Wiesen sichern demnach nicht nur die Futtergrundlage für die Milchwirtschaft, sondern erhalten auch Lebensräume und genetische Vielfalt für kommende Generationen.
(Quelle: Pressemitteilung Molkerei Berchtesgadener Land / Beitragsbild, Foto: Molkerei Berchtesgadener Land)



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