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Traberhof, Rosenheim, 1949

Bruno Gröning empfängt seine Anhänger vom Balkon des Traberhofs aus. Foto: Archiv Herbert Borrmann

Karin Wunsam

Schreibt immer schon leidenschaftlich gern. Ihre journalistischen Wurzeln liegen beim OVB-Medienhaus. Mit der Geburt ihrer drei Kinder verabschiedete sie sich nach gut 10 Jahren von ihrer Festanstellung als Redakteurin und arbeitet seitdem freiberuflich für die verschiedensten Medien-Unternehmen in der Region Rosenheim.

8. August 2026

Lesezeit: 2 Minute(n)

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Happing / Rosenheim – Unsere fotografische Zeitreise geht heute zurück in das Jahr 1949. Unser historisches Foto führt uns in den Rosenheimer Stadtteil Happing – genauer gesagt zum Traberhof. Auf der Aufnahme ist zu sehen, was damals Tausende Menschen nach Rosenheim lockte: der umstrittene Geistheiler Bruno Gröning.

Im August 1949 hatte sich Gröning auf dem Gestüt Traberhof niedergelassen. Zuvor war ihm in Herford in Nordrhein-Westfalen die Ausübung seiner Tätigkeit untersagt worden. In Rosenheim erreichte seine Bekanntheit wenig später einen Höhepunkt.
Was sich daraufhin rund um den Traberhof abspielte, war für die damalige Zeit kaum vorstellbar. Im September 1949 kamen zeitweise täglich bis zu 15.000 Menschen nach Happing. Unter ihnen waren Kranke, Menschen mit Behinderungen und Kriegsversehrte, die sich von Gröning Hilfe und Heilung erhofften.

Rosenheim im Ausnahmezustand

Der Massenandrang blieb nicht auf das Gelände des Traberhofs beschränkt. Hotels und Gaststätten in Rosenheim waren ausgebucht, der Bahnhof war überfüllt und auf den Straßen Richtung Happing drängten sich die Menschen. Rollstühle und Leiterwagen gehörten ebenso zum Bild wie lange Menschenketten.‘
Gröning trat vor den Menschen auf, häufig von einem Balkon aus. Seine Anhänger glaubten an seine angeblichen Heilkräfte und warteten teilweise stundenlang auf seine Auftritte. Auch die Polizei beobachtete das Geschehen. Ein Bericht der Kriminalaußenstelle Rosenheim vom 4. September 1949 dokumentiert die Überwachung der öffentlichen Auftritte.

Der „Wunderheiler“ wird zum Medienphänomen

Die Geschichte vom „Wunderheiler“ verbreitete sich damals rasant. Zeitungen und Rundfunk berichteten über Gröning und die angeblichen Heilungen in Rosenheim. Das große Medienecho lockte wiederum noch mehr Menschen nach Happing.
Für viele Rosenheimer dürfte der Traberhof damals deshalb zu einem der ungewöhnlichsten Orte der Stadt geworden sein. Ein ehemaliges Gestüt und Ausflugslokal wurde innerhalb weniger Wochen zum Ziel von Zehntausenden Hilfesuchenden.

Hoffnung, Glaube und Kritik

Die Menschen, die nach Happing kamen, verband vor allem die Hoffnung auf Hilfe. Viele waren schwer krank oder durch den Krieg körperlich und seelisch gezeichnet. Gröning verteilte unter anderem kleine Stanniolkugeln, die nach seinen Aussagen mit seiner Energie aufgeladen waren. Gleichzeitig war der Geistheiler bei Behörden und Medizinern umstritten. Die Justiz beschäftigte sich ebenfalls mit seiner Tätigkeit. Das Spektakel in Rosenheim endete nach einigen Monaten.

Bruno Gröning starb 1959 in Paris. Seine Anhänger treffen sich bis heute in verschiedenen Gemeinschaften. Der Traberhof selbst ist längst Geschichte – die Aufnahmen aus dem Jahr 1949 erinnern aber daran, wie außergewöhnlich die Ereignisse damals in Happing waren.

Was erkennt ihr auf unserem historischen Foto?

Unser Foto zeigt mehr als nur eine große Menschenmenge. Es dokumentiert einen Moment der Rosenheimer Nachkriegsgeschichte, in dem sich Hoffnung, Verzweiflung, Glaube, Sensationslust und ein enormes Medieninteresse miteinander vermischten. Wer auf dem historischen Foto genau hinschaut, entdeckt vielleicht noch weitere interessante Details. Gerne mit uns teilen in den Kommentaren unten.
(Quelle: Beitragsbild: Archiv Herbert Borrmann / Artikel: Karin Wunsam)

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